Andachten

Gottes Gebote sind nicht schwer

„Denn dies ist die Liebe Gottes: dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer.“ (1. Johannes 5,3)

Jedes Mal, wenn ich an diese Stelle im 1.Johannesbrief komme, muss ich kurz innehalten, weil mir diese Tatsache so unrealistisch vorkommt. Wenn ich mir mein Leben vor Augen führe, so muss ich zugeben, dass das Halten der Gebote Gottes für mich begrenzten Menschen nicht nur nicht einfach, sondern schlichtweg unmöglich ist. Und weil ich mir bewusst bin, dass ich ständig gegen Gottes Gebote verstoße, obwohl ich es nicht will, stellt sich mir automatisch die Frage, wie Johannes da sagen kann, dass das Halten der Gebote Gottes nicht schwer sei? Dieser Frage wollen wir heute nachgehen.

Ich glaube wir sind uns alle einig, dass Johannes mit dieser Aussage nicht meint, dass wir uns nur richtig anstrengen müssen, um die 613 Gebote Gottes, die er seinem Volk Israel in der Wüste gab, einzuhalten. Ich würde sogar behaupten, dass die Schriftgelehrten zur Zeit Jesu einen Weg gefunden hätten, um das Gesetzt zu halten, wenn es durch eigene Anstrengungen möglich gewesen wäre. Auch der Gedanke, dass wir Christen nicht mehr zur Zeit des Alten Testamentes leben und es für uns deshalb einfacher ist, die reduzierte Anzahl der Gebote Gottes einzuhalten, muss eindeutig verworfen werden, da Johannes bereits im ersten Kapitel schreibt, dass jeder der sagt, dass er keine Sünde habe, sich selbst betrügt.
Die Antwort auf diese Frage gibt uns Johannes im folgenden Vers:

Denn alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt; und dies ist der Sieg, der die Welt überwunden hat: unser Glaube. (V. 4)

Ich denke Johannes weist uns hier auf die Tatsache hin, dass wir bei der Wiedergeburt den Heiligen Geist als Beistand von Gott erhalten haben. Gott ist also in uns und dieser Umstand allein kann der Grund dafür sein, dass die Gebote Gottes für uns nicht schwer sind. Gott selbst weckt in uns das Verlangen, ihm gehorsam zu sein, Reue, wenn wir gegen seine Gebote gesündigt haben und Freude, wenn wir sehen, wie er Sünde in unserem Leben ausräumt. Vielleicht kann man es mit der Erfahrung vergleichen, dass man im Allgemeinen viel lieber für einen Menschen, den man gerne hat, Aufgaben erledigt, als für jemanden, den man nicht so gut leiden kann. Vor allem bei Autoritätspersonen fällt uns der Gehorsam leichter, je besser unsere Beziehung zu der Person ist. Da wir aus Gott geboren sind, lieben wir ihn und deshalb kann Johannes sagen, dass die Gebote Gottes für uns leicht sind, da uns Gott befähigt hat, sie einzuhalten.

Wie ermutigend ist es für uns, wenn wir im alltäglichen Kampf gegen die Sünde versagt haben und dann von Gott durch Johannes gesagt bekommen, dass der Ausgang des Krieges und damit verbunden auch der Sieger bereits fest stehen. Denn Johannes schreibt hier nicht, dass alles, was aus Gott geboren ist, die Welt überwinden kann oder soll, sondern dass unser Glaube an Jesus als den Sohn Gottes der Sieg ist, der die Welt überwunden hat. So dürfen wir uns sicher sein, dass derjenige, der ein gutes Werk in uns angefangen hat, es auch vollenden wird (vgl. Phil 1,6). Da wir nun dieses wissen, lasst nun auch uns, jede Bürde und die uns so leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausdauer laufen.