Andachten

Wenn Gott ruft, dann gehorche ihm!

„Da machten sich die Familienoberhäupter von Juda und Benjamin auf und die Priester und die Leviten, jeder, dessen Geist Gott erweckte, hinaufzuziehen, um das Haus des Herrn in Jerusalem zu bauen. […] Und der König Kyrus holte die Geräte des Hauses des Herrn wieder heraus, die Nebukadnezar aus Jerusalem herausgeholt hatte und die er als Geschenke in das Haus seines Gottes gegeben hatte.“ (Esra 1,5.7)

Dass Gott treu ist, er zu seinem Wort steht und für die Erfüllung seiner Verheißungen Sorge trägt, durften wir letzte Woche wieder bestaunen, als Gott das Herz des Kyrus, des mächtigsten Mannes der damaligen Zeit, bewegte, woraufhin er einen Ruf zur Rückkehr der Juden in ihr Land und zum Wiederaufbau des Tempels in seinem ganzen Reich erschallen ließ. Darin fand sich auch die Aufforderung an die Völker, unter die die Juden zerstreut waren, dass sie die Auswanderer mit Silber, Gold, Habe und Vieh unterstützen sollten.

Doch lesen wir bis dahin nichts davon, dass sich die Juden übermäßig über diese gute Nachricht gefreut hätten. Wenn man die ersten Verse ließt, so erwartet man eine allgemeine Aufbruchsstimmung unter den Juden, man erwartet, dass nun alle, die zum Volk Israel gehören, dieses Geschenk von Gott freudig annehmen und ohne zu zögern wieder in ihre Heimat zurückkehren. Doch entgegen den Erwartungen lesen wir nur von einigen Familienoberhäupter aus Juda und Benjamin, sowie von einigen Priestern und Leviten, die dem Ruf Folge leisten. Interessant ist hier nun der Hinweis, dass Gott diesen Juden ebenfalls den Geist erwecken musste, so wie er es bereits bei dem heidnischen König Kyrus getan hatte. Was war mit den anderen aus dem Volk Israel los? Warum entschieden sie sich, dem Ruf Gottes, den er durch seinen Knecht Kyrus an sie ergehen ließ, nicht zu folgen?
70 Jahre ist eine lange Zeit, in der viele von den weggeführten Juden bereits gestorben waren. Es gab auch viele, die sich mit den Völker, in die sie zerstreut wurden, vermischt hatten und sich nun an diesem Ort eine neue Existenz, ein neues Zuhause aufgebaut hatten. Sie hatten sich mit ihrer heidnischen Umgebung abgefunden. Warum sollten sie das alles aufgeben, die Strapazen und Gefahren der langen Reise auf sich nehmen, nicht wissend, ob sie in Juda von den, von Nebukadnezar zurückgelassenen Juden überhaupt Willkommen geheißen werden würden. Ich bin davon überzeugt, dass sich ohne das Eingreifen Gottes kein einziger aus dem Volk Israel für eine Rückkehr entschieden hätte. Doch Gott erbarmt sich über sein Volk, sodass ein kleiner Überrest der Aufforderung nachkommt.

Die Rückkehrer hatten also die Erlaubnis des Königs den Tempel wieder aufzubauen und dazu die Hilfsbereitschaft der Menschen in ihrer Nachbarschaft, doch fehlte noch etwas Entscheidendes, um den Gottesdienst wieder aufnehmen zu können: sie brauchten die Gerätschaften, die Nebukadnezar bei der Zerstörung Jerusalems aus dem Tempel mitgenommen hatte. Ohne diese wäre der Gottesdienst nicht denkbar gewesen. Bestimmt dachten einige der Juden, das ist ja alles schön und gut, dass wir solche Privilegien genießen dürfen aber wie sollen wir an die Geräte des Tempels herankommen? Vielleicht zweifelten einige daran, dass Gott auch diesen Aspekt der Geschichte bedacht hatte und vielleicht zweifeln auch wir an der Tatsache, dass Gott wirklich alles in unserem Leben zu unserem Besten führt. Vielleicht denken wir manchmal, dass Gott nicht jeden Aspekt unserer Situation bedacht hat. Doch hier können wir sehen und lernen, dass Gott an alles denkt und dass er sein Vorhaben auch in die Tat umsetzt. So lasst uns auch heute darauf bedacht sein, Gottes Ruf zu folgen!