Andachten

Jesu Worte am Kreuz – Vollendung (6/7)

Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! (Joh 19,30)

Seit 1972 findet seitens der Gesellschaft für deutsche Sprache jährlich ein Jahresrückblick auf die deutsche Alltagssprache statt. Dabei wird Das Wort des Jahres gekürt. Dabei handelt es sich um ein Wort, welches entweder neu aufgekommen ist, eine neue Assoziation bekam oder sehr verstärkt in Medien und Gesellschaft „in aller Munde“ ist. Die Worte des Jahres werden somit auch prägend für den Duden

Einige Beispiele zum Wort des Jahres:

1979 = Holocaust (Begriff war kaum bekannt, bezeichnete einst ein völlig verbranntes Tieropfern und wurde später zum Inbegriff der Judenvernichtung unter Hitler)
1986 = Tschernobyl (wurde durch Reaktorunglück zum Begriff des Jahres)
1989 = Reisefreiheit (besondere Bedeutung durch die Auflösung der DDR)
1990 = neue Bundesländer (waren ja da, aber gefühlt neu für BRD)
1998 = rot-grün (Farben sind uns lange schon bekannt, politisch jedoch erstmalig in Erscheinung getreten)
2001 = 11. September (gab schon viele „11. September“, jedoch durch den Terroranschlag in NY eine gänzlich neue Begrifflichkeit/Synonym für Terror)
2002 = Teuro, 2005 = Bundeskanzlerin, 2015 = Flüchtlinge

Gibt es denn ein Wort, dass über alle Jahre hinweg „das Wort aller Worte“ ist?
Wenn es ein Wort des Jahrhunderts, des Jahrtausends, ein Wort der Geschichte, ein Wort der Menschheit, ja, ein Wort der Ewigkeit geben würde, dann wäre es garantiert folgendes Wort: tetelestai.

Die alten Griechen waren stolz darauf, dass sie mit wenigen Worten viel sagen konnten. Und das gilt auch für das Wort tetelestai. In diesem Tropfen eines Wortes steckt ein Meer von Bedeutung – zumindest, wenn wir daran denken, dass es der Herr Jesus am Kreuz ausgerufen hat.  Tetelestai! Das ist nicht der verzweifelte Ruf eines Sterbenden, sondern hier erklärt der göttliche Retter, dass er alles getan hat, was der Vater ihm gegeben hatte. Das, wozu er auf die Erde gekommen war, war völlig ausgeführt worden. Der ganze Ratschluss Gottes war de jure (juristisch) erfüllt!

Als Jesus sein Leben und Wirken vor der Vollendung sah, sprach er dieses eine Wort aus! Wie viel Macht, Kraft Wahrheit stecken wohl darin? Anbei schauen wir uns einige Tatsachen an, die wahrhaftig vollbracht worden sind:

1. Die Leiden sind vollendet

Jesu ganzes Leben war von Leid gepflastert und auf Leiden ausgerichtet:
Jes 53,3 sprach bereits vom Mann der Schmerzen! Zahlreiche Stellen im Leben Jesu behandeln seine Schmerzen aller Art. Versuchung (Mt 4,1), körperliche Bedrohung (Joh 8,59; 10,31), seelisches Leid durch Verspottung (Lk 8,53) und Verlassenheit (Mt 26,56) bis hin zu den schlussendlichen Qualen am Kreuz!
Unser Herr war in seiner Gottheit auch völlig menschlich, die Leiden die ihn trafen waren reell, die Schmerzen der Peitschenhiebe sind nun vorbei, das Drücken der Dornenkrone, das Herabtriefen des Speichels und des Blutes ist vollendet, Verrat und Verleugnung sind nun passé!
Es ist vollbracht! Da, wo die Dornenkrone war, sitzt nun die Krone der Herrschaft und Herrlichkeit – damit wir in Ewigkeit nicht zu leiden haben!

2. Das Lebenswerk ist im Gehorsam vollbracht

Jedes vom Vater in Auftrag gegebene Detail wurde zu Ende gebracht. Nichts hat unser Herr ausgespart oder umschifft!
Heb 10,7+9: Da sprach ich: Siehe, ich komme – in der Buchrolle steht von mir geschrieben,  um deinen Willen, Gott, zu tun. dann sprach er: „Siehe, ich komme, um deinen Willen zu tun.“
Auch Paulus bezeugt den Gehorsam des Herrn Jesus.
Phil 2,8:  Er erniedrigte sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz

Christus hat den Willen Seines Vaters im Gehorsam zu Ende gebracht!

3. Die Prophetie ist erfüllt

Über keinen Menschen ist jemals vor dessen Geburt so viel geschrieben und berichtet worden wie über den Herrn Jesus! Und dennoch ist alles auch so eingetroffen worden – damit wir einen harten Glaubensbeweis haben!

Jes 7,14 = Jungfrauengeburt – Bestätigung in Gal 4,4
1. Mo 22,18 = Abstammung von Abraham – Bestätigung in Mt 1,1
1. Sam 7,12 = Abstammung von David – Bestätigung in Röm 1,3
Jes 49,1 = Name wurde prophezeit – Bestätigung in Lk 1
Micha 5,1 = Geburtsort Bethlehem – Erfüllung in Mt. 1-2 & Hos 11,1 = Flucht aus Ägypten
Ps 69,21 = Essig als Getränk –  Jesus bestätigt am Kreuz noch die Prophetie und geht auf diese ein!

4. Die Menschwerdung ist vollbracht

Zahlreiche Verse gehen dem voraus, was viele Glaubensbekenntnisse bezeugen: Gott wurde Mensch! In Jesu Gebet, in engster Gemeinschaft mit seinem Vater spricht Jesus Christus diese Wahrheit aus:
Joh 17,4-5: Ich habe dich verherrlicht auf der Erde; das Werk habe ich vollbracht, das du mir gegeben hast, dass ich es tun sollte. Und nun verherrliche du, Vater, mich bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war!
Derjenige, durch den, in dem, für den und zu dem hin alles geschaffen wurde, ist Mensch geworden – um Menschen zu Seinem Vater zu führen!
Die Menschwerdung Gottes – woran viele Glaubensrichtungen scheitern – ist am Kreuz auf Golgatha zu ihrem Höhepunkt gekommen und vollbracht!

5. Das Opfersystem des Gesetzes ist in Christus vollendet

Gott gab Seinem Volk ein ausgeklügeltes Opfersystem, um die eigene Unzulänglichkeit zu erkennen.
3. Mo 17,11: Denn die Seele des Fleisches ist im Blut, und ich selbst habe es euch auf den Altar gegeben, Sühnung für eure Seelen zu erwirken. Denn das Blut ist es, das Sühnung tut durch die Seele in ihm.

Warum musste ständig, täglich, besonders zu den Festen geopfert werden? Tier für Tier, Jahr um Jahr? Weil alle Opfer dennoch unvollkommen waren, da sündige Priester sie darbrachten, wodurch der heilige Gott konnte nicht zufriedengestellt werden konnte. Gottes Zorn konnte nicht gestillt werden. Jesu Opfer war einmalig, vollkommen und abschließend.

Heb 9,11-12: Christus aber ist gekommen als Hoherpriester der zukünftigen Güter und ist durch das größere und vollkommenere Zelt – das nicht mit Händen gemacht, das heißt, nicht von dieser Schöpfung ist – und nicht mit Blut von Böcken und Kälbern, sondern mit seinem eigenen Blut ein für alle Mal in das Heiligtum hineingegangen und hat uns eine ewige Erlösung erworben.

Christus musste – aufgrund der unzureichenden Tiere und der unvollkommenen levitischen Priester – beides werden:
Hohepriester und Opfer zugleich! Johannes der Täufer greift dies auch auf:
Joh 1,29: Am folgenden Tag sieht er Jesus zu sich kommen und spricht: Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt!

C. Jones
weist darauf hin, dass dieser Vers die Überlegenheit der christlichen Sühne zeigt:

  1. Das Wesen des Opfers ist größer. Während die Opfer des Judentums normale Lämmer waren, ist das Opfer des Christentums das Lamm Gottes.
  2. Die Wirksamkeit des Werkes ist größer. Während die Opfer des Judentums lediglich Jahr für Jahr an die Sünden erinnerten, nahm das Opfer des Christentums alle Sünden weg. »… um durch sein Opfer die Sünde aufzuheben « (vgl. Hebr 9,26).
  3. Es ist im Hinblick auf den Geltungsbereich größer. Während die Opfer des Judentums nur für ein einziges Volk gültig waren, ist das Opfer des Christentums für alle Völker bestimmt, denn »es nimmt die Sünde der Welt weg.«

Als Jesus am Kreuz hing, beendete Er mit diesem Schrei alle alttestamentlichen Opferungen ein für alle mal!

6. Der Sieg über Satan ist vollbracht

Der größte Sieg der Weltgeschichte in der schwersten Schlacht seit Anbeginn der Zeit ist errungen: Sieg über Satan, ein für alle mal!

Joh 12,13: Der Fürst dieser Welt ist hinausgeworfen;
Heb 2,14: Der Teufel ist zunichte gemacht;
1. Mo 3,15: Der Schlange ist derKopf zertreten

7. Das Erlösungswerk ist vollbracht

Es gibt noch eine weitere Bedeutung für die Aussage vollbracht: tetelestai bedeutet auch soviel wie bezahlt. Bei Ausgrabungen wurde dieses Wort auf römischen Schuldscheinen gefunden die auf Pergament oder Tontafeln eingeprägt waren und mit dem Stempel „bezahlt“ – den Begriff den Jesus verwendete – besiegelt wurden.
Genau dieses bekannte Bild bestätigt Paulus auch:
Kol 2,14: Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn aufgehoben und an das Kreuz geheftet.

Auf Golgatha wurde mit der härtesten Währung bezahlt. Es kann nichts mehr hinzugefügt werden, alles andere an Hinzufügen ist Sünde, eine Beleidigung, ein Schlag ins Gesicht für Christus der schrie: tetelestai!

1. Joh 3,19-20: Daran erkennen wir, dass wir aus der Wahrheit sind, und können vor ihm unser Herz überzeugen, dass, wenn uns unser Herz verdammt, Gott größer ist als unser Herz und erkennt alle Dinge.
Laut Jak 1,6 gleichen wir häufig einer Meereswoge, wenn wir zweifelnden Glauben haben. Doch Jesus hat bezahlt! Dies soll und muss unsere Hoffnung sein.
Keine Tat qualifizierte dich zur Bezahlung oder disqualifiziert dich wieder.
Keine Religion qualifizierte zur Erlösung und  keine Macht disqualifiziert dich auch wieder – weil bezahlt wurde! Keine Macht der Welt reißt das Kreuz mehr aus der Erde!

Es ist vollbracht! Wie muss die Hölle bei dieser gewaltigsten Siegesproklamation der Menschheitsgeschichte gezittert haben!