Andachten

Von Hilfsbereitschaft, Vertrauensmissbrauch, Streit und Neid

Enthalte kein Gutes dem vor, dem es zukommt, wenn es in der Macht deiner Hand steht, es zu tun. Sage nicht zu deinem Nächsten: „Geh hin und komm wieder, und morgen will ich geben!“, da du es doch hast. Schmiede nichts Böses gegen deinen Nächsten, während er vertrauensvoll bei dir wohnt. Streite nicht mit einem Menschen ohne Ursache, wenn er dir nichts Böses angetan hat. Beneide nicht den Mann der Gewalttat, und erwähle keinen von seinen Wegen. (Sprüche 3,27-31)

Die Wege der Wege der Weisheit werden nun endlich praktisch illustriert. Wenn bisher auf vielerlei Weise die Wichtigkeit der Weisheit im Leben und in der Gottesbeziehung betont wurde, wird nun auf die Auswirkung derselben auf das Verhalten in alltäglichen zwischenmenschlichen Beziehungen Bezug genommen. Diese ethischen Anweisungen zeigen uns, was es zu tun und zu vermeiden gilt, um ein Leben zu führen, dessen Zuversicht der Herr ist und das rundum als ein gelungenes Leben bezeichnet werden kann.

Die ersten beiden Anweisungen fordern uns zur Hilfsbereitschaft auf. Wir sollen, insofern es in unserer Macht steht, dem Hilfsbedürftigen zur Seite stehen, ihm nichts Gutes vorenthalten. Auf diese Weise erfüllen wir eines der höchsten Gebote, das auch Jesus als solches bestätigt, nämlich das der Nächstenliebe. Wir sollen nach unserer Kraft und unserem Vermögen unseren Nächsten Gutes erweisen. Dies kann sich im Spenden für eine Missionsorganisation (2. Kor 11,18) oder eine arme Gemeinde (Apg 4,34.35) äußern, im Aufopfern der eigenen Zeit für Glaubensgeschwistern, die praktische Hilfe benötigen, oder seelische Nöte haben oder auch im Verantwortung Übernehmen in der Ortsgemeinde, je nach den eigenen Begabungen. Auch Jesus fordert uns dazu auf, bereitwillig zu geben, selbst denen, die uns nicht das Gute wollen (Mt 5,41.42). Wie leicht sind wir versucht, aufgrund unserer Bequemlichkeit und Selbstsucht, anderen unsere Hilfe zu verwehren oder aufzuschieben – „Geh hin und komm wieder, und morgen will ich geben!“

Als zweites (bzw. drittes) werden wir dazu aufgefordert, das Vertrauen anderer nicht zu missbrauchen. Nicht allein, dass wir damit eine Beziehung zugrunde richten oder zumindest unter Spannung stellen, wir verunehren damit unseren Herrn, indem wir sein Wesen nicht widerspiegeln sondern das genaue Gegenteil, denn er ist vollkommen vertrauenswürdig. Wo und von wem sind dir Dinge anvertraut worden? Wer verlässt sich auf dich? Was kannst du tun, um das dir entgegengebrachte Vertrauen nicht zu missbrauchen? Bedenke: Es steht nicht nur dein gelingendes Leben auf dem Spiel, sondern Gottes heiliger Name.

Die nächste Aufforderung betrifft den Streit, der ebenfalls ein Beziehungkiller sein kann. Wer den Streit und unbegründete Anfeindungen vermeidet und stattdessen mit allen Menschen Frieden hält, soweit möglich (Röm 12,18), beweist damit ein gesundes Gottvertrauen. Er glaubt, dass Gott souverän über jeder Situation steht, mag sie auch ungerecht erscheinen und würdig, dafür zu kämpfen; er gibt Gott Raum, es recht hinauszuführen (vgl. 1. Mo 50,20).

Der Gottlose mag oft erfolgreich scheinen im irdischen Leben (und er ist auch, wie die Psalmisten und Propheten nicht selten feststellen, vgl. Ps 37; 73), doch soll Gottes Volk seine Methoden und seine Lebensweise auf keinen Fall nachahmen und ihn auch nicht um seinen Erfolg beneiden. Denn auch hier steht Gott souverän über jedem Leben und teilt jedem so aus, wie er will. Ein zufriedener Mensch, der andere nicht beneidet, steht ebenfalls in der rechten Beziehung zu seinem Schöpfer und ehrt ihn durch diese Haltung.

Mögen uns diese über die Maßen weisen Verhaltensweisen in Fleisch und Blut übergehen, sodass unser Leben gelingt und Gott die Ehre bringt, die ihm gebührt.

Die Sprüche (16/100)