Andachten

Auf welchem Weg bist du?

Joschua Reiniger (*1993) ist mein Studienkollege am sbt in Beatenberg. Dieses Jahr wird er sein Studium abschließen und im nächsten Jahr ein Praktikantenjahr als Pastor in der FMG Unterseen, Interlaken absolvieren. Er setzt sich stark dafür ein, dass in seiner Heimatgemeinde wieder die Bibel und zwar alles aus der Bibel gepredigt wird. Vor einigen Monaten predigte er beispielsweise über Matthäus 7 und hat uns freundlicherweise den Inhalt seiner Predigt in gekürzter Fassung für diese Andacht zur Verfügung gestellt.

 

Welchen Weg gehst du?

Geht hinein durch die enge Pforte! Denn weit ist die Pforte und breit der Weg, der zum Verderben führt, und viele sind, die auf ihm hineingehen. Denn eng ist die Pforte und schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind, die ihn finden. (Mt 7,13-14)

Jesus gebraucht in diesem Text sehr harte Worte. Er zeigt den Menschen eine gewisse Dringlichkeit auf. Er beschreibt 2 Wege, 2 Tore, 2 Bäume, 2 Bauarbeiter und 2 Ziele. Klar ist: Es gibt kein Dazwischen, keine neutrale Zone. Entweder ich gehe auf dem breiten Weg durch das breite Tor oder auf dem schmalen Weg durch das schmale Tor. Der erste Weg führt in das totale Verderben, der zweite in die Ewigkeit zu Gott. Jesus zeigt uns auf: Wenn es um Nachfolge geht, dann gibt es nur ein Entweder-Oder.

Der breite Weg:

Der breite Weg ist bequem und viele gehen auf diesem Weg. Jeder Mensch ist von Anfang an auf diesem breiten Weg. Unsere heutige Spaßgesellschaft, ist ja nur darauf aus den Moment zu leben, ohne daran zu denken, was morgen wohl sein wird. Die Menschen machen sich keine Gedanken über das Ende. Es geht nur um das Hier und Jetzt. Im Strom mit allen gemeinsam ist es wirklich leicht auf dem breiten Weg durch das breite Tor durchzugehen. Ich kann dabei sein, wie ich will und ecke nirgendwo an. Alles kann darauf mitgenommen werden. Mein ganzer Besitz, mein Haus, mein Geld, die Sünden, mein Egoismus, Sex, wie und wann es mir gefällt, Sauferei, einfach alles…

Und viele sind es, die auf dem breiten Weg letztlich durch das breite Tor ins Verderben laufen, viele! Mit Nachdruck wird hier gezeigt, dass es um Alles geht. Die breite Masse läuft, ohne es zu wissen, direkt in ihr Verderben.

Der schmale Weg:

Und wie eng ist der schmale Weg und; nur wenige sind es, die ihn finden. Der schmale Weg, der so voller Beschwerlichkeiten sein kann. Hier ist die Rede von einem Bedrücken und Bedrängen. Denn es ist nicht leicht auf dem schmalen Weg zum schmalen Tor. Jesus sagt hier, dass es uns einiges abverlangt, zu Gott zu kommen. Ein regelrechtes Durchringen wird gefordert. Ich muss mich demütigen vor Gott. Die eigene Begrenztheit und Hilflosigkeit anerkennen. Christsein bedeutet nicht, dass alles einfach wird. Das Gegenteil ist der Fall. Aber da gibt es ein großartiges Ziel, das uns am Ende erwartet: Ewiges Leben, Gemeinschaft mit Gott (Joh 17,3).

Jesus verschweigt die Kosten hier nicht. Auch an anderen Stellen in der Bibel finden wir ähnliche Aspekte: Spott, Leiden, Verfolgung, … aber das will natürlich niemand gern hören. Doch schauen wir uns einmal um, dann stellen wir schnell fest: Die Nachfolge kann einen Christen einiges kosten. Der Glaube wird auf die Probe gestellt. Ganz abgesehen davon, was Christen alles erleben an Krankheit, Leid, Tod …. Syrien, Somalia, Afghanistan, Nordkorea? Die Liste lässt sich ja noch beliebig verlängern. Hier sind Menschen bereit, ihr ganzes Leben herzugeben, nur um Jesus nachzufolgen. Wir finden in diesen Staaten systematische Verfolgung. Christsein kostet viele Menschen ihr Leben!

Auf welchem Weg bin ich?

Wohin sind wir Christen von heute gekommen, dass wir diese Tatsache völlig verdrängt haben? Inzwischen haben wir uns der Gesellschaft so sehr angepasst, dass wir tatsächlich keinen Unterschied mehr zur Welt darstellen. Entspricht der Weg der Nachfolge, welchen wir predigen wirklich dem Weg, den Jesus gegangen ist?

Wir neigen heute dazu, uns noch einen dritten Weg hinzuzudenken. Besser einen Mittelweg wählen, ein „Weder…Noch“. Heute wird an allen Ecken und Enden versucht diesen schmalen Weg und das enge Tor immer breiter zu machen. Der Mensch versucht alles, um nur nicht anzuecken. „Was könnte wohl der andere über mich denken? Bekehren sich denn überhaupt noch Leute, wenn wir den Weg so eng darstellen? So eng darf man das doch alles gar nicht sehen…“ Lieber niemandem auf die Füße treten. Doch das ist beschönigter Egoismus.

Eigentlich übersehen wir dabei den entscheidenden Punkt: Es gibt nur diesen einen schmalen Weg. Da ist kein anderer Weg als die völlige Kapitulation vor Jesus Christus. Apostelgeschichte 4,12: „In niemand anderem ist Heil, als nur in Jesus Christus.“ Ist das nicht viel zu eng? Ist das nicht intolerant? Keinen Raum für Vielfalt, keinen Platz für verschiedene Sichtweisen? Gar kein anderer Gott, keine andere Religion – Nein, es gibt keinen anderen. Gott sagt, es gibt nur den einen. Aber wenn Gott auch 1000 Wege als Möglichkeiten offengelassen hätte, der Mensch würde immer noch fragen: „Und was ist mit dem 1001. Weg?“ Gibt es nicht noch eine andere Möglichkeit, um zu Gott zu kommen? Gott ist unmissverständlich, dass es nur allein durch Jesus möglich ist, durch die radikale Selbstverleugnung.

Wenn der Weg, auf dem ich momentan gehe, leicht zu finden war, wenn ich ihn gar nicht erst suchen musste und sich alles so natürlich ergeben hat, dann bin ich mit Sicherheit auf dem breiten Weg unterwegs. Im breiten Strom der Masse. Doch dieser breite Weg schießt am Ziel vorbei.

Heute sind viele der Meinung: „Ich spreche einmal kurz ein Gebet, um Jesus in das Herz aufzunehmen und dann ist alles getan. Danach kann ich machen, was ich möchte.“ Das klingt alles sehr einfach. Doch das ist ein Irrtum!  Der griechische Philosoph Aristoteles hat gesagt: „Ein kleiner Irrtum am Anfang wird am Ende ein großer.

Das Problem ist: Wir können nicht vor dem schmalen Weg stehen bleiben und diesen nur bewundern. Wir müssen vielmehr alles fallenlassen und hindurchgehen. Die Bereitschaft haben, dass er Leben verändert. Wir müssen uns trennen von den Lieblingssünden in unserem Leben, wir können nicht allerlei Laster mit uns tragen, wie es uns passt. Es ist nötig bereit zu sein, alles zurückzulassen. Notfalls das eigene physische Leben. Wenn ich auf dem schmalen Weg bin, dann gebe das Steuer meines Lebens ab. Nicht mehr ich sitze auf dem Steuer, sondern nur Gott selbst, er fährt dahin, wohin er fahren will.

Eine Tatsache ist so offensichtlich: Der Mensch verdrängt es vollkommen, er will es einfach nicht wahrhaben, dass dieses Leben früher oder später vorbei ist. Das will er nicht hören… Man sorgt sich stattdessen um seine sterblichen Überreste. Da gibt es Beratungsstellen für Beerdigungen, Steinmetze für Grabsteine und riesige Krematorien. Irgendwie soll der eigene Körper angenehm zurückgelassen werden. Aber worum sich der Mensch überhaupt nicht kümmert, ist um seine Seele. Um das, was danach kommt. Er kümmert sich nicht darum, welchen Weg er eigentlich geht. Das interessiert ihn nicht…

Doch es ist klar: Diese Entscheidung muss hier gefällt werden! Es geht um Leben und Tod! Wer Jesus nachfolgen will, der muss auf`s Ganze gehen.

Auf welchem Weg bist du?