Andachten

Gottlose vor Gott

Denn ein Gräuel für den HERRN ist, wer sich auf Abwege begibt; doch mit den Aufrichtigen hält er seinen Rat. Der Fluch des HERRN fällt auf das Haus des Gottlosen, doch die Wohnung der Gerechten segnet er. Den Spöttern gegenüber spottet er, den Demütigen aber gibt er Gnade. Ehre erben die Weisen, die Toren aber tragen Schande davon. (Sprüche 3,32-35)

Die Verse 27-31, die wir in der letzten Andacht betrachtet haben, bildeten eine Spruchgruppe, in der es um vier praktische Beispiele für die Auswirkungen der Weisheit im Leben ging. Die Verse 32-35, um die es heute geht, bilden ebenfalls eine Spruchgruppe; die letzte in dieser Lektion über die Weisheit (3,21-35). Sie setzen das vorangegangene in Beziehungen zu der Furcht Gottes. Es werden vier aufeinanderfolgende Gegenüberstellungen gebraucht, die ich nun zusammenfassen und näher beleuchten möchte. In dieser Andacht soll es aber erst einmal nur um die Gottlosen gehen.

Die erste Gruppe, die beschrieben wird, sind Menschen, die sich auf Abwege begeben also auf Wege, die nicht dazu gedacht sind, um sie zu beschreiten. Sie führen ihr Leben in einer Weise, für die Gott das Leben nicht geschaffen hat. Warum? Weil sie gottlos sind. Sie wollen ohne ihn sein. Sie verfehlen seine Herrlichkeit, sie tun nur das Böse, weil sie von Gott, der einzigen Quelle des Guten, abgeschnitten sind. Sie sind dazu noch Spötter, sie verachten Gott. Sie sind geschaffen, um ihn anzubeten und ihm Ehre zu bringen, doch stattdessen haben sie nichts als Verachtung für ihn übrig – Verachtung, die aus ihrem verdorbenen, Gott-hassenden Herzen stammt und sie zum Spott treibt. Letztens werden sie noch als Toren bezeichnet. Ihr selbst gewählter Lebensstil ist objektiv betrachtet einfach nur dumm und sinnlos. Vielleicht halten sie sich selbst für weise und intelligent, doch durch ihren gottlosen Lebenswandel beweisen sie eigentlich nur ihre himmelschreiende Dummheit.

Die Konsequenzen sind entsprechend schrecklich. Die Gottlosen sind in Gottes Augen, der den Menschen ja ursprünglich zu einem herrlichen Ziel geschaffen hat (vgl. Röm 3,23), ein Gräuel. Gott empfindet Ekel an ihnen, so wie er an seinem Volk, als es die Wüste durchzog, Ekel empfand (vgl. Ps 95). Der Fluch Gottes lastet auf ihnen. Dieser Fluch hatte für Israel in erster Linie eine irdische Bedeutung. Er äußert sich u.a. in Krankheit, Krieg, Hungersnot, Vernichtung der Kinder (der Nachkommenschaft). Gott spottet über sie, sowie sie über ihn spotten. Das erinnert an das erste Kapitel der Sprüche, wo Gott zu Gottlosen sagt: “Weil ich gerufen habe und ihr euch geweigert habt, meine Hand ausgestreckt habe und niemand zugehört hat, und ihr all meinen Rat verworfen und meine Zucht nicht gewollt habt, so werde auch ich bei eurem Unglück lachen, werde spotten, wenn der Schrecken über euch kommt; wenn der Schrecken über euch kommt wie ein Unwetter, und euer Unglück hereinbricht wie ein Sturm, wenn Bedrängnis und Angst über euch kommen.” Sie tragen nichts als Schande davon. Obwohl es ihnen scheinbar ein Zeit lang gut geht und sie nichts fürchten müssen, ist ihre ewige Bestimmung Schande und Unglück.

Im Prinzip fällt jeder einzelne Menschen in diese Gruppe, weil jeder in Sünde empfangen und geboren wird und die Natur eine jeden Menschen sündig und damit gottlos ist. Wir alle waren oder sind noch Teil dieser Gruppe und für uns galten oder gelten dieselben Konsequenzen wie die hier beschriebenen. Ich möchte diese Andacht ausschließlich dazu nutzen, uns diese Wahrheit über uns selbst deutlich vor Augen zu führen. Das ist das Urteil Gottes über alle Menschen (vgl. Röm 3). Es ist die biblische Anthropologie, die Lehre über den Menschen. Lassen wir diese Beschreibung auf uns wirken. Ich denke, dass das die Gnade Gottes, die er den Sündern, die ihn hassten und verachteten, in Christus erwiesen hat, umso heller erstrahlen. Als Erlöste und in Christus Seiende gehören wir dieser Gruppe nicht länger an. Doch was Gott aus uns gemacht hat und welche Auswirkungen diese Gnade auf uns hatte, wollen wir uns in der nächsten Andacht anschauen.

Die Sprüche (17/100)