Andachten

Der brüllende Löwe folgt der listigen Schlange

„Da machte das Volk des Landes die Hände des Volkes Juda schlaff und schreckte sie vom Bauen ab. Und sie nahmen Ratgeber gegen sie in Dienst, um ihren Plan zunichte zu machen, und zwar alle Tage des Kyrus, des Königs von Persien, und bis zur Regierung des Darius, des Königs von Persien.“ (Esra 4,4.5)

Nachdem die Feinde des Volkes Israel mit ihrem ersten Versuch, die Juden vom Bau des Tempels abzuhalten, gescheitert waren, sehen wir nun, wie sie zu „Plan B“ übergehen, der eine offene Konfrontation vorsieht. Es steht nicht geschrieben, was sie während der Regierungszeit des Königs Kyrus unternahmen, um die Juden vom Bau abzuschrecken, doch scheint allein die Tatsache, dass sie sich Ratgeber gegen Israel anwarben, Grund genug für die Juden zu sein, um sich zu fürchten. Wie so oft in der Geschichte Gottes mit seinem Volk stehen sich die Mächtigen dieser Erde und die treuen Diener Gottes gegenüber. Vielleicht wurden einige Juden mutlos, als sie hörten, dass sich die umliegenden Völker zusammengeschlossen haben, um gegen sie gemeinsame Sache zu machen.

Josef, der Sohn Jakobs, befand sich in einer ähnlichen Situation, als er von seinen Brüdern nach Ägypten verkauft wurde und nun als Sklave im Haus des Potiphars dienen musste. Als Gott ihm Gelingen bei seiner Arbeit schenkte und Gott das Haus des Potiphars um Josefs willen segnete, wird die Frau des Potiphars auf Josef aufmerksam und fängt an ihn zu versuchen, indem sie ihn auffordert mit ihm zu schlafen. Wie einfach wäre es für Josef gewesen der tagtäglichen Anmache dieser Frau und damit der List des Teufels nachzugeben und einen Kompromiss mit seinem Gewissen einzugehen, so nach dem Motto: „Es ist ja nur dieses eine Mal.“ Doch wie die Familienoberhäupter der List ihrer Feinde widerstanden, so erkannte auch Josef die Gefahr zu sündigen, weil er Gottes Gebote kannte. Als nun Potiphars Frau sah, dass sie mit ihrer List keinen Erfolg bei Josef hatte, sorgte sie mit einer Lüge dafür, dass Josef gewaltsam ins Gefängnis geworfen wurde. Wahrscheinlich kamen in dem Moment auch Zweifel in Josef auf, ob er nicht doch auf das Angebot hätte eingehen sollen, als er nun dort im Kerker in Ketten saß. Wie leicht hätten solche Fragen auch in den Köpfen der Verantwortlichen des Tempelbaus aufkommen können, als sie die Anfeindungen nun zu spüren bekamen. Frage wie z.B.: „Sollen wir nicht doch die anderen Völker am Tempelbau beteiligen, um einen kompletten Baustopp zu vermeiden?“

An dieser Stelle dürfen wir vom Volk Israel und von Josef lernen, dass wir in unserem Dienst für Gott an Gottes Geboten auch dann festhalten sollen, wenn sich uns Möglichkeiten auftun, den Anfeindungen der Welt zu entgehen. Ich glaube, dass Gott uns sowohl im Leben des Josef, wie auch in der Geschichte des Volkes Israel zeigen will, dass zum einen der Teufel nicht nur als listige Schlange, sondern auch als brüllender Löwe auftreten kann, wir trotz aller Bedrohungen von außen keine Kompromisse auf Kosten unserer Treue zu unserem Herrn eingehen sollen und zum anderen dass Gott alles so führt, damit sein gefasster Ratschluss seine Erfüllung findet (siehe auch 1.Mo 50,20).

Doch wie beim Fall von Josef, der nun einige Jahre im Gefängnis bleiben musste, bevor Gott ihn zum mächtigsten Mann, nach dem Pharao in Ägypten erhob, so sehen wir auch im Fall des Tempelbaus einen vorübergehenden Erfolg der Feinde Israels, da sie von dem König Artahsasta, der nach dem König Kyrus für einige Monate an der Macht war, die Erlaubnis erhielten, den Juden Einhalt zu gebieten, sodass der Bau des Tempel gestoppt wurde. Doch werden wir noch sehen, wie Gott in den folgenden Kapiteln handeln wird, um seine entmutigten Knechte wieder zu stärken und seinen Plan in die Tat umzusetzen.