Andachten

Gott ist über uns!

„Und der Prophet Haggai und Sacharja, der Sohn Iddos, die Propheten, weissagten den Juden, die in Juda und in Jerusalem waren, im Namen des Gottes Israels, der über ihnen war. Da machten sich Serubbabel, der Sohn Schealtiels, und Jeschua, der Sohn Jozadaks, auf und fingen an, das Haus Gottes in Jerusalem zu bauen. Mit ihnen waren die Propheten Gottes, die sie unterstützten.“ (Esra 5,1.2)

Die Wochen und Monate vergingen, ohne die kleinsten Anzeichen einer Besserung der Situation der Juden in Jerusalem. Es waren an die zwei Jahre vergangen, seitdem der König Artahsasta einen Brief an die Feinde Israels geschrieben hatte, der sie ermächtigte den Juden beim Bau des Tempels Einhalt zu gebieten. Eine Bestandsaufnahme der Situation hätte wie folgt lauten können: Entmutigte und kraftlose Diener Gottes haben aufgehört am Werk Gottes weiter zu arbeiten. Und Gott? – Gott schweigt.

Gott schweigt bis in das zweite Regierungsjahr des Königs Darius von Persien, der auf den König Artahsasta folgte. Das war sicher keine einfache Situation für das Volk, denn sie hatten sich bestimmt schneller eine Antwort von Gott erhofft und sich gewünscht, dass Gott irgendetwas gegen den Baustopp unternehmen würde. Kennt nicht jeder treue Diener Gottes solche Zeiten, in denen Gott so fern zu sein scheint? Zeiten, in denen Gott nicht zu uns redet und wir kraftlos und mutlos vor scheinbar unlösbaren Problemen stehen?
Ich glaube kein Kind Gottes geht gerne durch solche Zeiten und ich habe mich gefragt, warum Gott das Mittel der äußeren Bedrängnisse gebraucht und was er uns damit beibringen möchte. Eine mögliche Antwort gibt uns Paulus im sechsten Kapitel des Römerbriefs, in dem er aufzeigt, dass Bedrängnisse Ausharren bewirkt, das Ausharren aber Bewährung, die Bewährung aber Hoffnung; die Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden, da die Liebe Gottes in unsere Herzen ausgegossen worden ist. Wenn wir uns also vor Augen führen, welche große Liebe Gott uns erwiesen hat, dass er z.B. für uns starb als wir noch kraftlose und gottlose Sünder waren (Röm 6,6ff.), dann können wir uns sicher sein, dass wir ihm nicht auf einmal egal sind und dass kein Problem, wie groß es auch sein mag, in der Lage ist, Gottes Macht herauszufordern! Dieser Liebesbeweis stärkt unsere Hoffnung der Herrlichkeit Gottes und gibt uns Kraft in Bedrängnissen auszuharren.

Genau diese Abfolge der Ereignisse können wir beim Volk Israel beobachten, denn Gott redet nun zu seinen Knechten, den Propheten. Ob Gott ihnen eine besondere Offenbarung gab oder ob er sie an seine Verheißungen erinnerte, die er ihnen gegeben hatte, weis ich nicht, spielt aber im Bezug auf ihre Reaktion auch keine Rolle, denn sie gingen hin und weissagten dem Volk Israel und das im Namen Gottes. Sie ermutigten das Volk wieder mit dem Bau des Tempels fortzufahren, sie erinnerten das Volk daran, dass es nicht ihr eigenes Werk sei, sondern das Werk Gottes, dass er dahintersteht und ihnen deshalb auch Gelingen schenken werde. Diese Worte Gottes ändern einfach alles, denn sie geben ängstlichen Seelen Kraft, verzagten Herzen wieder Zuversicht und so kommt es, dass die Obersten im Volk die Arbeit am Haus Gottes wieder aufnahmen.

Vielleicht bist auch du in einer ähnlichen Situation wie das Volk Israel war. Vielleicht sind auch deine Kräfte aufgezehrt und Probleme und Hindernisse haben dir den Mut geraubt weiter im Werk Gottes zu arbeiten, so denke daran, dass Gott auch über dir ist, wie er über den Propheten in Israel war!