Andachten

Die Gemeinde betet an

Und es wird geschehen am Ende der Tage, da wird der Berg des Hauses des HERRN fest stehen als Haupt der Berge und erhaben sein über die Hügel; und alle Nationen werden zu ihm strömen. Und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinaufziehen zum Berg des HERRN, zum Haus des Gottes Jakobs (Jes 2,2+3)

Wenn wir Jesaja 1 lesen, kriegen wir ein Bild davon, wie Israel um ca. 700 v.Chr. gegenüber seinem Herrn gelebt hat. Sie waren götzendienerisch, gottlos und rebellisch. Ein wirkliches Trauerspiel, zu sehen wie das Volk Gottes, das Er sich ausgesondert hat, um ein heiliges Priestertum für Ihn zu sein, immer mehr den Bach runtergeht.

Die Frage stellt sich nun: Wird es denn besser werden mit Israel? Wird Israel eines Tages wirklich Seinen Gott ehren, so wie sie es sollten? Und die Antwort finden wir in Jes 2. Jesaja sieht nun dort eine Vision über „Juda und Jerusalem“ (Jes 2,1). Und was Jesaja dort sieht ist ein so viel besseres Jerusalem und ein besseres Volk Gottes. Doch eine Sache ist auffallend: Die Nationen sind plötzlich mit dabei. Und sie kommen ebenfalls nach Jerusalem, um anzubeten.

Wenn wir Jes 2,1-4 gründlich lesen, so fallen uns einige gewaltige Unterschiede zwischen dem Alten Jerusalem und dem damaligen Israel und dem Neuen Jerusalem, zu welchem nun auch die Nationen kommen, auf: Das Israel von damals wendet sich von Gott ab (1,2-4), während die Nationen zum Zion strömen (Jes 2,2); Israel damals kennt seinen Herrn nicht (1,3), doch die Nationen kennen den Herrn (2,3); Israel flieht die Weisung Gottes (1,10), während die Völker sie unbedingt hören möchten (2,3); Israel will Gott nicht zum Richter, jedoch beugen sich die Väter gerne unter die Urteile des Herrn (2,4).

Wir sehen also eine Vision eines neuen, besseren Jerusalems, zu welchem nicht mehr nur Israel kommen wird, sondern auch die Nationen dabei sind. Und jeder wird begierig nach Gottes Wort sein; jeder möchte Gott anbeten; jeder möchte im Licht wandeln. Wann wird dieses in Erfüllung gehen? Wann wird endlich dieses Jerusalem eine wahrhaftige Anbetungsstätte sein, wo Gott gebührend angebetet und geehrt wird? Jesaja spricht davon, dass das am Ende der Tage geschehen wird. Gemäß Hebr 1,1 haben diese letzten Tage mit Jesus begonnen.

Wenn diese Tage wirklich mit Jesus begonnen haben, warten wir dann noch auf die Erfüllung dieser Prophetie oder hat sie sich bereits erfüllt? Nun, wenn jemand die Stelle wortwörtlich auslegt, was an sich ein sehr guter Grundsatz ist, dann wird er diese Stelle noch nicht als erfüllt ansehen. Er wird auf einen Tag warten, an dem vielleicht alle sich ein Flugticket buchen und nach Jerusalem fliegen, um dort anzubeten.

Ich denke allerdings, wir werden Jesaja gerecht, wenn wir seine Vision über das neue Jerusalem so interpretieren, wie es die neutestamentlichen Autoren getan haben. Gemäß ihnen haben die letzten Tage schon begonnen (Hebr 1,1); gemäß ihnen ist nun die Gemeinde der Tempel (Eph 2,21-22; 1. Kor 6,19-20), also der Ort, wo Gott wohnt und angebetet wird; und gemäß ihnen ist die ganze Gemeinde, Juden und Heiden, ein heiliges Priestertum (1. Petr 2,9), also das Volk Gottes. Ich denke folglich, dass wir diese Prophetie Jesajas auf die Gemeinde hin deuten dürfen, wohlwissend, dass dieses Thema nicht ganz unkontrovers ist, doch ich denke, dass wir das so verstehen müssen.

Die Gemeinde ist nun in Christus der Ort, wo all das erfüllt wird, was im Alten Testament nur schattenhaft vorausgedeutet wurde (Kol 2,16-17). Auch wenn dieses Thema kontrovers ist, so denke ich, dass dennoch jeder über die wunderbare Tatsache frohlocken kann, dass unser Herr so einen wunderbaren Plan mit der Gemeinde hat. Sie ist (ob es nun in Jes 2 vorausgesagt wurde oder nicht) der Ort, an dem Gott angebetet wird. Sie ist der Leib Christi, der von sich gesagt hat, dass er der Tempel ist (Joh 2,19).

Die Gemeinde betet Christus an. Welch wunderbares Bild. Sie lobt ihn für das, was er vollbracht hat. Sie preist ihn in Ewigkeit dafür, dass er sich die Gemeinde als Braut erwählt hat und einst mit ihr vereint sein wird. Lasst uns dieses Bild mitnehmen, wenn wir uns nächstes mal als Gemeinde versammeln: Wir kommen zum Berg des Herrn, der nicht mit Händen gemacht ist (Hebr 12,18). Dort wohnt Gott und will angebetet werden. Geben wir ihm die gebührende Ehre dafür.