Andachten

Der gewöhnliche Ruf Gottes

Und siehe, dort war ein Jünger mit Namen Timotheus, der Sohn einer gläubigen jüdischen Frau, aber eines griechischen Vaters; er hatte ein gutes Zeugnis von den Brüdern in Lystra und Ikonion.
Apostelgeschichte 16,1-2

Hast du schon mal von einem Christen gehört, der ausschließlich in seinem Zimmer saß, keinen einzigen Dienst für Gott ausübte und doch plötzlich von Gott berufen wurde, Missionar in einem entfernten Land zu werden oder Pastor einer großen Ortsgemeinde? Ich auch nicht. Doch warum ist das so? Weil Gott das nicht so tun könnte? Wäre es nicht wahnsinnig bequem für uns Gläubige einfach dazusitzen und darauf zu warten, dass wir einen besonderen Ruf Gottes empfangen? Dieser Ruf soll uns unfehlbar die Richtung weisen, damit wir uns nicht die Mühe machen müssen, Gottes Willen für jeden Gläubigen herauszufinden.

So hat Gott das aber nicht vorgesehen. Was wir in unseren heutigen Versen lesen, können wir „den gewöhnlichen Ruf Gottes“ nennen. Warum gewöhnlich? Nun, an der Berufung von Timotheus in den „vollzeitlichen Dienst“ (auch wenn ich dieses Wort nicht mag, denn jeder Christ sollte vollzeitlich dienen), hatte nichts Außergewöhnliches, anders als z.B. die Berufung des Apostels Paulus. Timotheus war ein ganz normaler junger Mann. Aus einer nicht jüdischen, aber auch nicht ganz griechischen Familie hatte er gewiss keinen einfachen Stand unter den Juden bzw. Griechen. Von seinem Vater steht nicht einmal etwas davon geschrieben ob er glaubte (im Unterschied zu seiner Mutter).

Timotheus hätte allen Grund gehabt, nachdem er zum Glauben kam, erstmal vorsichtig abzuwarten, ob Gott jemanden wie ihn wirklich gebrauchen möchte. Doch nichts dergleichen tat Timotheus! Nein, vielmehr bemühte er sich um ein hingegebenes Leben im Dienst und in der Heiligung. Dieses Leben wird ihm sogar über die Grenzen seiner Stadt bescheinigt von den Gläubigen der Umgegend (Ikonion war immerhin ca. 30km von Lystra entfernt). Timotheus erhielt seinen Ruf auf ganz natürliche Weise: andere Menschen bescheinigten ihm ein gutes Zeugnis und Paulus nahm sich Timotheus an und nahm ihn mit auf seine Missionsreise. Fortan stand Paulus in einer sehr engen Jüngerschaftsbeziehung, wovon die beiden Briefe an Timotheus zeugen.

Hätte Timotheus still auf einen besonderen Ruf Gottes gewartet, hätte er nie ein gutes Zeugnis von den anderen Gläubigen erlangt. Timotheus gab sich hin, diente und lebte in Heiligkeit bis Gott entschied, dass die nächste Aufgabe für Timotheus gekommen war – und Timotheus ging.

Was können wir aus dieser Berufung des Timotheus lernen? Zunächst sollten wir uns darüber im Klaren sein, dass die wenigsten von uns einen besonderen Ruf von Gott in eine Aufgabe bekommen werden. Zum anderen gibt es sehr viele Anweisungen bezüglich eines hingegebenen Lebens voller Heiligkeit, die allen Christen gelten. Timotheus hatte sich in diesem, verglichen mit seinen späteren Aufgaben, kleinen Rahmen bewährt. Dadurch führte Gott ihn an größere Dinge heran. Strebe also danach, dich als bewährter Arbeiter im Reich Gottes zu erweisen, nicht um einen höheren Ruf zu empfangen, sondern um deinem Herrn und Gott Ehre zu bringen. Der gewöhnliche Ruf Gottes gilt Menschen, die sich bisher an ihrem Platz als treu erwiesen haben. Wenn Gott dich dann für größere Dinge gebrauchen will, gehorche treu. Kommt niemals ein Ruf Gottes, der dich von deinem aktuellen Platz wegführt, dann sei ebenfalls treu und wisse: Christus wird kommen und mit ihm sein Lohn, um dir reichlich zu vergelten, was du in seiner Kraft in seinem Reich gewirkt hast!