Andachten

Von Honig zu Wermut

Mein Sohn, höre aufmerksam auf meine Weisheit, neige dein Ohr zu meiner Einsicht, um Besonnenheit zu bewahren und damit deine Lippen Erkenntnis hüten. Denn Honigseim träufeln die Lippen der Fremden, und glatter als Öl ist ihr Gaumen; aber ihr Letztes ist bitter wie Wermut, scharf wie ein zweischneidiges Schwert. Ihre Füße steigen hinab zum Tod, am Scheol haften ihre Schritte. Damit sie nicht den Weg des Lebens einschlägt, schweifen ihre Bahnen ab, ohne dass sie es weiß. Nun denn, ihr Söhne, hört auf mich und weicht nicht ab von den Worten meines Mundes! Halte fern von ihr deinen Weg und nähere dich nicht der Tür ihres Hauses; … (Sprüche 5,1-8)

In der nächsten und neunten Lektion des Vaters an seinen Sohn, bzw. des Lehrers an seinen Schüler, geht es um die zwischengeschlechtliche Beziehung. Zunächst fordert der Lehrer erneut die Aufmerksamkeit des Schülers ein, dann beschreibt er die “fremde Frau”, woraufhin er eine Aufforderung ausspricht, diese unbedingt zu meiden. (Dass der Lehrer den Schüler so oft zum Hören auffordert, kann uns ein Vorbild für unser Hören auf Gott und sein Wort sein. Wir müssen uns immer wieder selbst und einander ermahnen, Gottes Wort aufmerksam zuzuhören und es ernst zu nehmen, damit das Bibellesen, die Gemeindebesuche und alle anderen Arten, auf die wir Gottes Wort vernehmen können (Bücher, Gespräche mit Freunden, usw.) nicht eine bloße Pflichterfüllung oder ein Zeitvertreib sind, sondern dass wir bewusst zuhören und die Inhalte auf unser Leben übertragen.)

Die “fremde Frau” kommt im Buch der Sprüche des öfteren vor (vgl. 2,16; 6,24; 7,5; 23,27; 27,13). Es deutet alles daraufhin, dass damit entweder israelitische Ehebrecherinnen (fremd → kein Recht auf die Beziehung, die sie eingehen) oder kanaanäische bzw. phönizische Prostituierte gemeint sind (fremd → ausländisch). A. F. Walls erklärt, dass zu den kanaanäischen Religionen Kultprostitution gehörte und dass die Israeliten zu den Kanaanäern durch ihre Handelsbeziehungen Kontakt hatten. In jedem Fall stellte die fremde Frau eine große Versuchung für den Mann dar, der sie sah. Ihre Lippen träufeln von Honig. Honig galt als besonders genießbar und gut, jeder liebte ihn. Hier steht er also bildhaft dafür, dass die Versuchung, die von der fremden Frau ausgeht, sehr groß ist. Doch im Nachhinein, wenn man sich der Versuchung hingibt, entpuppt sie sich als Wermut. Wermut ist ein äußerst bitteres Kraut, das in der Bibel u.a. als Bild für eine von Gott verhängte Strafe verwendet wird. Wenn man ein zweischneidiges Schwert berührt, verletzt man sich leicht, egal auf welcher Seite man es berührt. Wer also mit der “fremden Frau” umgeht, kommt nicht umhin, sich an ihr die Finger zu verbrennen und schlimme Konsequenzen davonzutragen.

Dass die Füße der fremden Frau hinab zum Tod steigen, erinnert an Römer 6,23: “Denn der Lohn der Sünde ist der Tod”. Sich einer fremden Frau hinzugeben und außerhalb der von Gott eingesetzten Bundesinstitution der Ehe mit ihr Geschlechtsverkehr zu haben, ist eine Sünde, ein Vergehen gegen Gott. Die langfristige Konsequenz davon, in der Sünde zu verharren, ist der ewige Tod, die Trennung von Gott, der Quelle des Lebens. Und die Versuchung, an der Sünde festzuhalten und nicht umzukehren, ist groß. Das wird an dem Beispiel der fremden Frau hier sehr anschaulich illustriert. Doch auch für den Erlösten gibt es Versuchung und Begierden, die sie fortlocken, Gottes gute Gebote zu übertreten und sich schneller, jedoch kurzlebiger, Vergnügung hinzugeben.

Um einer Versuchung wirksam zu widerstehen, ist es unerlässlich, schon von Anfang an konsequent zu sein. Der Schüler soll sich nicht nur von der Frau selbst fernhalten, sondern auch von der Tür ihres Hauses und sogar von ihrem Weg. Wer sich es erlaubt, nur etwas näher an die Versuchung heranzutreten, hat schon verloren. Jemand der eine Diät macht, und Burger liebt, sollte erst gar nicht in die Nähe eines Burgerhauses gehen, damit er die Burger nicht einmal riecht. Wer pornografiesüchtig ist, eine moderne Form, der fremden Frau anheimzufallen in unserem technologischen Zeitalter, sollte vor dem Zubettgehen am besten alle Geräte (Handy, Tablet, Laptop, …) aus seinem Zimmer schaffen und das Alleinsein nach Möglichkeit vermeiden. Der beste Kutscher ist nicht der, der es schafft, möglichst nah an den Abgrund zu fahren, sondern der, der die Kutsche sicher in der Mitte des Weges hält.

Zum nachdenken:

  • Überlege, was sich in deinem Leben als süßer, leckerer Honig tarnt, sich aber letztenendes als bitterer Wermut entpuppen könnte.
  • Überlege, wo du dich in den letzten Monaten, Wochen oder Tagen zu nah an „die Grenze zur Sünde“ bewegt hast.
  • Denke darüber nach, was du dir von den Dingen erhoffst, denen du nachstrebst und prüfe, ob du wirklich von Herzen glaubst, dass Gott dir den Weg des Lebens zeigen wird, und dass vor seinem Angesicht Freude in Fülle und unermesslicher Segen ist (nach Ps 16,11).

Die Sprüche (20/100)