Andachten

Der fertige Tempel

„Und dieses Haus wurde fertig bis zum dritten Tag des Monats Adar, das ist das sechste Jahr der Regierung des Königs Darius. Und die Söhne Israel, die Priester und die Leviten und die übrigen Söhne der Weggeführten feierten die Einweihung dieses Hauses Gottes mit Freuden.“ (Esra 6,15.16)

Endlich fertig, endlich geschafft. All die Mühen und Anstrengungen der letzten Jahre haben ein Ende. Wie sehr muss das Volk Israel diesem Moment entgegengefiebert haben, als die letzten Arbeiten ein Ende fanden, die Türen am Haus des Herrn eingehängt und alle Geräte des Tempels wieder an ihren Platz gestellt wurden. Und nun war es endlich soweit, sie hatten den Auftrag Gottes ausgeführt und den Tempel vollendet. Und als sie so vor dem fertiggestellten Bauwerk standen, überkam sie eine tiefe Dankbarkeit und pure Freude. Plötzlich gab es nur noch dieses eine Thema in der ganzen Stadt. Alle, Jung und Alt, Männer und Frauen, Juden, die aus der Gefangenschaft zurückgekehrt waren, wie auch die Heiden, die sich zu ihnen abgesondert hatten, um den Herrn zu suchen, freuten sich über diese frohe Botschaft.

Niemand dachte an all die Entbehrungen, die sie die letzten Jahre hinnehmen mussten. Wie weggewischt waren alle Gedanken an die Gefahren, die von ihren Feinde um sie herum ausgingen. Vergessen alle Zweifel, ob dieses Bauvorhaben jemals fertig werden würde und wie verflogen alle Schmerzen aufgrund der harten Arbeit. Ich glaube, dass jeder, der in irgendeiner Weise am Bau des Tempels mitgeholfen hatte, der Aussage zustimmen würde, dass sich die Mühen der vergangenen Jahre, egal wie herausfordernd sie waren, angesichts des fertigen Tempels, gelohnt hatten.
Die Reaktion des Volkes ist ein Schattenbild aber vor allem auch ein Vorbild für jedes Kind Gottes. Überprüfen wir uns doch angesichts der Aussage des Apostel Paulus, der erkannt hatte, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll. (Röm 8,18). Wie oft baden wir uns im Selbstmitleid angesichts der Schwierigkeiten, die Gott in unser Leben geführt hat? Wie selten denken wir in solchen Situationen daran, was Gott uns durch seinen Sohn Jesus Christus alles geschenkt hat und noch schenken wird, wenn wir bei ihm in der Herrlichkeit sein werden? Ich behaupte nicht, dass man nicht trauern sollte oder darf und auch nicht, dass es falsch wäre, wenn man Gott fragt, warum dieses oder jenes geschehen ist, doch sollte wir dieses stets im Vertrauen auf Gottes Liebe und Barmherzigkeit tun. Denn egal ob Gott uns züchtigt oder unseren Glauben prüfen will, so dürfen wir uns sicher sein, dass unser Vater nur das Beste für uns will. Dieses Wissen tröstet uns und lässt uns voller Freude dem Tag entgegengehen, an dem unser Herr und Erlöser uns zu sich holen wird.

Doch das Volk Israel blieb nicht beim „Sichfreuen“ stehen, sondern sie gaben dem Dank und Preis, der sie bis zu diesem Tag hindurch getragen hatte und der für den sichtbaren Erfolg verantwortlich war. So opferten sie Gott viele Stiere, Widder und Lämmer, um ihre Dankbarkeit ihm gegenüber auszudrücken. Keiner wäre auf die vermessene Idee gekommen, dass der Erfolg dieses Vorhabens zum Teil auf seine eigene Kraft, Klugheit oder Können zurückzuführen sei. Sie waren nicht einmal in der Lage, sich aus sich selbst heraus zu freuen, denn Gott war es, der sie froh gemacht und ihnen das Herz des König von Assur zugewandt [hatte], ihre Hände bei der Arbeit am Haus Gottes, des Gottes Israels, zu stärken. (V. 22). In gleicher Weise sollen auch wir Gott danken, zum einen für unsere Errettung aber auch für seine Hilfe in unserem Leben, indem wir ihm als Opfer unser ganzes Leben hingeben, wohl wissend, dass er uns ans Ziel bringen wird.