Andachten

Ein gottergebener Schriftgelehrter

„[…] dieser Esra zog herauf von Babel. Und er war ein kundiger Schriftgelehrter im Gesetz des Mose, das der Herr, der Gott Israels, gegeben hatte. Und der König gewährte ihm, da die Hand des Herrn, seines Gottes, über ihm war, all sein Begehren. […] Und am Ersten des fünften Monats kam er nach Jerusalem, weil die gute Hand seines Gottes über ihm war. Denn Esra hatte sein Herz darauf gerichtet, das Gesetz des Herrn zu erforschen und zu tun und in Israel die Ordnung und das Recht des Herrn zu lehren.“ (Esra 7,6.9.10)

Nun beginnt ein neuer Abschnitt im Buch Esra, denn zwischen dem 6. und dem 7. Kapitel liegen laut William MacDonald ca. 58 Jahre, in die auch die Ereignisse des Buches Esther fallen. Da nun das Augenmerk in den letzten Kapiteln von Serubbabel, Jeschua und dem Volk Israel weg, auf den Mann Esra hingelenkt wird, denke ich, dass es angebracht ist diesen Diener Gottes etwas genauer zu betrachten.

Wer war dieser Esra?
Das erste was uns von diesem Mann berichtet wird ist seine Herkunft. In den ersten sechs Versen finden wir Esras Geschlechtsregister, das bis zum Priester Aaron zurückreicht, was ihn zum Dienst im Tempel berechtigte. Esra gehörte auch zu der Generation, die in der Gefangenschaft geboren wurde, dort aufgewachsen war und nun zurück nach Israel zog. Doch worauf es mir ankommt, ist die Beschreibung aus Vers 6, dass er ein kundiger Schriftgelehrter im Gesetz des Mose war. Leider verbinden wir das Worte Schriftgelehrte oft mit negativen Eigenschaften oder Verhaltensweisen, da wir zwangsläufig an die Nachfolger Esras denken müssen, die zur Zeit Jesu lebten. Doch wird uns in diesen Versen ein anderes Bild von einem Schriftgelehrten aufgezeigt.

Esras größtes Anliegen war es Gottes Gesetz zu verstehen, weil er Gottes Geboten gehorchen wollte. Er las und studierte die Schriften nicht, um sich immer mehr Wissen anzusammeln und dann verächtlich auf alle anderen zu schauen, die kein so vorbildliches Leben, wie er es führte, vorweisen konnten, sondern um danach zu leben. Ich kann mir gut vorstellen, dass Esra jemand war, der Lust am Gesetz des Herrn hatte und darüber Tag und Nacht nachdachte (Ps 1,2). Und damit nicht genug, denn er hatte sich auch fest vorgenommen, dieses Gesetz und das Recht des Herrn dem Volk Israel zu lehren. Man könnte ihn auch mit den Propheten von früher vergleichen, nur dass er keine neuen Offenbarung Gottes dem Volk Israel kundtat, sondern ihnen die Ordnungen Gottes erklärte und auslegte.
Doch was war der wesentliche Unterschied der Herzenshaltung des Esra verglichen mit denen der Schriftgelehrten des Neuen Testaments?

Die Schriftgelehrten, wie sie uns in den Evangelien begegnen, waren von sich und ihrer eigenen Kraft so überzeugt, dass sie der Meinung waren, Gott nicht zu brauchen. Sie dachten, dass sie sich nur genügend anstrengen müssten, um das Gesetz halten zu können und so gerecht vor Gott dazustehen. Sie verließen sich in ihrem Leben nicht auf Gott, sondern auf ihre eigenen Fähigkeiten. Im Gegensatz dazu lesen wir allein in diesem Kapitel drei Mal davon, wie Esra seine Abhängigkeit von Gott bekundete. Warum gewährte der König ihm all sein Begehren? Wieso kamen Esra und die mit ihm reisten unbeschadet von Babel nach Jerusalem? – Weil die gute Hand seines Gottes über ihm war!

Worauf vertraust du, auf deine eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten oder auf die gute Hand deines Gottes?