Andachten

Will Gott jeden retten?

Der Herr zögert die Verheißung nicht hinaus, wie es einige für ein Hinauszögern halten, sondern er ist langmütig euch gegenüber, da er nicht will, dass irgendwelche verloren gehen, sondern dass alle zur Buße kommen. (2Petr 3,9)

Versetze dich mal in die Lage eines schlimm verfolgten Christen des ersten Jahrhunderts zur Zeit des Apostels Petrus. Du erlebst viel Schlimmes, findest manch einen Tag einfach nur noch als Horror, weil du ständig in der Angst lebst, dass ein wütender Römer dir wegen deinem Glauben die Kehle durchschneidet und denkst dir nur noch: Wann kommt endlich der Herr? Und dann sind Leute in deiner Gemeinde da, die ungefähr folgendes sagen: Pah, von wegen Wiederkunft! Wo soll die bitte sein? Seit den Tagen der Schöpfung hat sich nichts geändert und so wird es auch bleiben. Ihr wartet vergeblich, darauf, dass der Herr wiederkommt; macht euch doch nichts vor!

Ungefähr so mag es in den Gemeinden ausgesehen haben, an die Petrus seinen zweiten Brief schrieb. Dort waren Spötter, die die Wiederkunft des Herrn ablehnten und die Leute mit ihrer Lehre verführen wollten (2Petr 3,3-4). Und vielleicht mag es dir auch manchmal so erscheinen, dass der Herr seine Verheißung nicht einhält. Die Gemeinde wartet seit 2000 Jahren sehnlichst darauf, dass der Herr endlich wiederkommt und dem bösen Treiben und der Verfolgung der Gottlosen endlich ein Ende bereitet. Hat der Herr uns vergessen? Warum lässt er so lange auf sich warten?

Petrus antwortet glasklar, dass der Herr ganz sicher nicht seine Verheißung hinauszögert, geschweige denn vergessen hätte. Dass die Wiederkunft des Herrn nun schon so weit „hinausgezögert“ (so erscheint es uns zumindest) wurde, hat einen wundervollen Grund. Gott möchte seine Erwählten retten.

Petrus schreibt seinen Leuten: Hört nicht auf das, was diese Spötter euch erzählen. Der Grund, warum ihr noch warten müsst, ist nicht, dass der Herr euch vergessen hat, nein, es ist ein ganz anderer: Gott ist langmütig gegen euch (2Petr 3,9). Er möchte, dass alle zur Buße kommen. Nun mag sich das so anhören, wie einige es verstehen möchten, dass Petrus hier lehrt, dass Gott will, dass jeder einzelne Mensch, der auf der Erde lebt, zur Buße kommt. Fakt ist, dass das in diesem Vers und in diesem Kontext sicher nicht gemeint sein kann. Petrus möchte die trösten, die er anspricht: Seine Leser („euch“ in 3,9). Er möchte sie wissen lassen, dass Gott plant, die Seinen zu retten und deshalb mit Seiner Wiederkunft wartet. Er sagt quasi: schaut mal, der Herr hat mit seiner Wiederkunft gewartet, weil er euch alle noch retten wollte. Und er wird warten, bis er noch weitere seiner Erwählten retten wird.

Das heißt für dich und mich: der Herr hat 2000 Jahre gewartet, weil er noch plante dich und mich zu retten. Und wenn er noch länger wartet, dann ist es, weil er noch viel mehr retten möchte! Wie wunderbar! Dass diese Interpretation grammatikalisch korrekt ist, soll folgende Illustration zeigen: Angenommen ich predige am nächsten Sonntag und ich habe eine Botschaft, die meine Gemeinde unbedingt hören soll. Nun stehe ich auf der Kanzel, möchte anfangen, aber ich sehe es kommen noch einige gerade zum Eingang rein und manche parken gerade noch schnell ihr Auto ein. Dann sage ich zur Gemeinde: „Okay, lasst uns noch ein Lied singen. Das tue ich für euch, weil ich will, dass alle die Botschaft von heute hören.“ Ich möchte also, dass alle aus meiner Gemeinde meine Predigt hören und nicht, dass jeder einzelne Mensch auf der ganzen Welt die Predigt hört.

Ich denke, dass man diesen Vers genauso verstehen muss. Petrus versichert seinen Lesern: Gott hat ein Volk, das Er erretten möchte. Bis er dieses errettet hat, wartet Er mit seiner Wiederkunft. Lasst euch also nicht beirren. Es gibt einen guten Grund, einen Grund zu riesiger Freude, warum Gott noch „zögert“. Und wenn die Vollzahl der Erwählten Gottes eingegangen ist, so wird er kommen und dann werden wir als Sein aus Gnaden erlöstes Volk ihn in alle Ewigkeit anbeten. Welch herrlicher, langmütiger Gott!