Andachten

Beten lernen von Jesus (2/8)

Betet ihr nun so: Unser Vater… (Mt 6,9a)

Wer echtes Beten lernen möchte, der tut bestens daran, sich die Worte des Meisters höchstpersönlich zu Herzen zu nehmen. Kannst du dir eine bessere Möglichkeit vorstellen, als die Lektionen von Jesus zu studieren, die er über das Beten gehalten hat?

Wir möchten uns heute Gedanken über den ersten Teil des Gebets machen, das Jesus seine Jünger und damit auch uns gelehrt hat. Er sagt, wenn ihr betet (und damit will er die Jünger von den Pharisäern abgrenzen, deren Gebetshaltung er in den Versen vorher beschrieben hat), dann betet folgendermaßen: Unser Vater… 

Nun ist es so, dass sehr viele dieser Aufforderung nachommen. Ja wirklich, in sehr vielen Kirchen wird Sonntag für Sonntag in strammem Gehorsam das “Vater unser“ gebetet. Toll, nicht wahr? Sie machen alles richtig, oder? Ganz ehrlich, ich will nicht wissen, wie traurig Jesus über den Zustand dieser traditionellen, mechanisch wirkenden Gebete in tausenden von Kirchen ist. Ich glaube tatsächlich, dass die allermeisten Christen in diesen Kirchen sich überhaupt nicht des unfassbaren Privilegs bewusst sind, das Jesus hier lehrt. Er sagt, ihr dürft zu Gott “Vater“ sagen, ja ihr sollt es sogar tun; er fordert sie dazu auf.

Führt euch das mal vor Augen: Jesus hat an verschiedensten Stellen Gott seinen Vater genannt (Joh 2,16; 5,17.18(!); 10,30 uvm.), was die Juden unfassbar gereizt hat. Es heißt sogar: „Darum nun suchten die Juden noch mehr, ihn zu töten, weil er nicht nur den Sabbat brach, sondern auch Gott seinen eigenen Vater nannte, sich selbst Gott gleichmachend.“ (Joh 5,17). Nur er hatte dieses Vorrecht, weil er der eingeborene Sohn des Vaters ist (Joh 1,14). Kein Geschöpf darf sich jemals aufgrund der eigenen Verdienste anmaßen, Gott, den Herrscher über jedes Atom im gesamten Kosmos, “Vater“ zu nennen.

Und jetzt lehrt Jesus seine Jünger tatsächlich, dass sie so beten sollen: „Unser Vater…“. Unfassbar. Das ist eine der Nachrichten, die die Welt auf den Kopf gestellt haben muss. Ich weiß nicht, wann die Jünger letztendlich begriffen haben, dass sie Gott wirklich Vater nennen dürfen und tatsächlich Kinder Gottes sind (Joh 1,12). Aber ich bin sicher, dass sie herumgelaufen sind und es jedem erzählt haben: „Hey hast du schon das Neueste gehört? Jesus hat gesagt, wir dürfen Gott Vater nennen.“, als sie es verstanden haben. Diese Nachricht muss einen einfach umhauen.

Aufgrund des Todes des eingeborenen Sohnes Gottes adoptiert Gott uns, und durch den Glauben sind wir Seine Söhne (Gal 3,26). Ob das jeder, der Woche für Woche beinahe gedankenlos das Vaterunser runterrattert ansatzweise begreift ist fraglich.

Doch wir brauchen überhaupt nicht mit dem Finger auf andere zeigen. Kennen wir das in unseren Gebeten nicht auch nur zu gut, dass wir mit dem Wort “Vater“ nur so um uns schmeißen und uns gar nicht der Tragweite der Tatsache bewusst sind, dass wir in Christus Gott Vater nennen dürfen? Ich möchte dir heute diese Tatsache freudig zurufen: In Christus bist du Kind Gottes und darfst Ihn deinen Vater nennen. Ich hoffe, es erfüllt dich neu mut Freude und mit Motivation die geniale Möglichkeit der Kommunikation mit Ihm zu nutzen.