Andachten

Der Stellenwert der Arbeit

Geh hin zur Ameise, du Fauler, sieh ihre Wege und werde weise. Sie, die keinen Richter, Vorsteher und Gebieter hat, sie bereitet im Sommer ihr Brot, sammelt in der Ernte ihre Nahrung ein. Bis wann willst du liegen, du Fauler? Wann willst du von deinem Schlaf aufstehen? Ein wenig Schlaf, ein wenig Schlummer, ein wenig Händefalten, um auszuruhen – und deine Armut wird kommen wie ein Draufgänger und deine Not wie ein gewappneter Mann. (Sprüche 6,6-11)

Erinnern wir uns an das Prinzip aus Sprüche 5,22, auf das sich auch dieser Abschnitt gründet: “Seine [eigenen] Ungerechtigkeiten werden ihn, den Gottlosen, fangen, und in den Fesseln seiner Sünde wird er festgehalten werden.” Faulheit ist also ein weiteres Beispiel, das zeigt, wie sich ein Tor durch seine eigene Dummheit selbst ins Verderben stürzt. In dieser Spruchrede, die einen zusammenhängenden Abschnitt bildet, verweist der Lehrer auf ein Bild, dass in dem Tierreich, in der Natur zu finden ist. Schon Elihu hatte erkannt, dass Gott die Tiere den Menschen auch zu Lehrern gesetzt hat (vgl. Hiob 35,11). Die Ameise dient hier als Beispiel für Fleiß und Planung, als Veranschaulichung für den faulen Schüler, da sie, obwohl sie keine “Autorität”, keine Führung über sich hat, schon im Voraus Nahrung einsammelt. Die Situation, dass der Faule in der Ernte nicht arbeiten will und er deswegen zu Grunde geht, findet sich noch an anderen Stellen in den Sprüchen. Das Prinzip dabei ist einfach: Der Faule arbeitet nicht, obwohl es an der Zeit wäre zu arbeiten. Er verschiebt es lieber und merkt dabei nicht, wie ihm die Zeit davonläuft. In den Zeiten, wo jeder noch für seine eigene Ernte verantwortlich war, war dieses Prinzip noch nachvollziehbarer oder gebräuchlicher als es in unserer Zeit ist, wo man sein Brot verdient, indem man genug Stunden bei einer Firma arbeitet. Deshalb ist die Konsequenz für den faulen Menschen unausweichlich, weil er es vorzieht zu schlafen, nichts zu tun, oder einfach nur zu “chillen” und nicht arbeiten will.

Jedoch hat Gott den Menschen seit seiner Erschaffung mit Arbeit betraut (1. Mo 2,15). Der Mensch ist nicht fürs Nichtstun geschaffen. Er wird darin keine Erfüllung finden, frei von Arbeit zu sein. Natürlich wird er auch letztenendes keine Erfüllung in der Arbeit finden, jedoch liegt wahrhafte Erfüllung darin, dass der Mensch sich an Gott erfreut und daran, seinen Willen zu tun, der Arbeit miteinschließt. Neben der Anwendung, dass wir aus Gottes Schöpfung tatsächlich etwas für unser praktisches Leben lernen können, werden wir natürlich ganz deutlich herausgefordert, nicht faul zu sein. Für uns als Christen unter dem neuen Bund und Zugehörige zur Gemeinde Gottes, zum Leib Jesu Christi, hat diese Aufforderung natürlich noch eine tiefschichtigere Bedeutung.

Zum einen erklärt Paulus: “Wenn aber jemand für die Seinen und besonders für [die] Hausgenossen nicht sorgt, [so] hat er den Glauben verleugnet und ist schlechter als ein Ungläubiger.” (1. Tim 5,18) Als Ehemann und Vater steht ein Mann in der Verantwortung für die Seinen zu sorgen, sprich arbeiten zu gehen, um seine Familie finanziell tragen zu können.

“Denn auch als wir bei euch waren, geboten wir euch dieses: Wenn jemand nicht arbeiten will, [so] soll er auch nicht essen. Denn wir hören, dass einige unter euch unordentlich wandeln, indem sie nichts arbeiten, sondern fremde Dinge treiben. Solchen aber gebieten wir und ermahnen [sie] in [dem] Herrn Jesus Christus, dass sie, in der Stille arbeitend, ihr eigenes Brot essen.” (2. Thess 3,10-12) Dies ist eine Ermahnung an die “Unordentlichen”, die dadurch, dass sie nichts arbeiten, sondern unnütze Dinge treiben, ein schlechtes Zeugnis nach außen abgeben. Wie wir mit unserer Arbeit umgehen, ist also auch ein wesentlicher Bestandteil unseres Zeugnisses. Als Faule werden wir nicht ernst genommen und eher verachtet weil wir durch einen solchen Lebensstil nur anderen auf der Tasche liegen. Als Karrieretypen erwecken wir den Anschein, dass es nur um dieses irdische Leben geht. Doch als solche, die für Gott und nach Gottes Willen leben, und die Arbeit als etwas ansehen, wodurch Gott verherrlicht werden kann, können wir ein gutes Zeugnis für Arbeitskollegen und Menschen in unserem Umfeld seien. Darum lasst uns bedacht sein, wenn es um die Arbeit geht – lasst und nicht faul sein und auch nicht karrieregeil, sondern der Arbeit den Stellenwert geben, den sie vor Gott hat.

Die Sprüche (25/100)