Andachten

Beten lernen von Jesus (3/8)

… der du bist in den Himmeln … (Mt 6,9b)

Letzte Woche sahen wir, dass Jesus seine Jünger gelehrt hat, dass sie ein erstaunliches Vorrecht besitzen: Sie dürfen Gott als ihren Vater bezeichnen! Dieses Vorrecht erscheint einem umso erstaunlicher, als man sieht dass dieser Vater in den Himmeln ist. Jesus erinnert uns daran, dass Gott zwar unser Vater ist, und doch weit über uns erhaben. Er ist definitiv nicht „einer von uns“. Klar, er ist unser Vater und doch ist er nicht einfach unser „Daddy“. Er ist Schöpfer, wir sind Geschöpfe. Er ist hoch erhoben in den Himmeln, wir sind niedrige Kreaturen auf der Erde.

Gott ist immer noch ehrfurchtgebietend, auch wenn er unser liebender Vater ist, vor dem wir uns nicht ängstlich fürchten müssen. Es gibt einen Unterschied zwischen dem, was die Puritaner als „heilige Furcht“ bezeichneten und zwischen der „sündhaften Furcht“. Die sündhafte Furcht fürchtet sich vor dem Zorn und der Strafe Gottes, weil sie Angst vor Qualen und Gericht hat. Die heilige Furcht fürchtet Gott um seiner selbst willen. Sie staunt über die Gnade, die der heilige Gott sündigen Rebellen erweist und fragt: Wer ist dieser gnädige, liebende Gott? Und sie fällt anbetend vor Ihm nieder.

Ein aus den ärmlichsten Verhältnissen adoptiertes und verwaistes Kind wird auch nicht den neuen reichen Vater als lässigen Kumpel behandeln, sondern ihm auf ewig dankbar sein für seine Gnade und ihn versuchen mit allem, was es hat zu ehren. So will Jesus uns hier lehren, dass Gott unser Vater ist, der in den Himmeln ist, der mächtig ist, der reich ist und dem alle Ehrfurcht gebührt.

Das hat ganz praktische Auswirkungen auf unsere Gebete. Viel zu oft beten wir gedankenlos und traditionsmäßig (ich denke dabei an meine Abendgebete im Bett und auch an die vielen oft dahergeschwatzten Tischgebete) zum Vater, der in den Himmeln ist. Ich denke, dass viele dieser Gebete komplett unangemessen sind und ich denke John H Gerstner liegt richtig, wenn er sagt, dass wir eigentlich um Vergebung für unsere Gebete beten müssten. Leider sind viele unserer Gebete wenn wir ehrlich sind äußerst unangemessen für einen Gott im Himmel. Wir sollten uns eigentlich beim Beten fragen: Wer bin ich eigentlich und was mache ich hier auf den Knien und maße mir an, mit Gott zu sprechen?

Gott ist im Himmel! Er ist nicht jemand, dem wir nur 10% unserer Aufmerksamkeit widmen und mit dem wir halb im Land der Träume versunken reden können, um unser Gewissen abends im Bett zu stillen.

Und doch will Jesus, dass wir zu diesen Vater im Himmel beten. Er kennt unsere Schwachheiten und weiß genau, wie unvollkommenen unsere Gebete sind. Ich möchte hier niemanden entmutigen zu beten. Ich möchte vielmehr in Erinnerung rufen, dass wir eine so große Möglichkeit haben, wenn wir beten: Wir reden mit dem Vater im Himmel. Das kann doch nichts Lästiges sein oder etwas, wozu wir uns immerzu zwingen müssen.

Natürlich ist es oft ein Kampf, sich Zeit fürs Beten zu nehmen und diesen Kampf musste jeder große Beter durchringen. Ich möchte uns schlicht daran erinnern (und ich denke, diese Erinnerung brauchen wir immer wieder), dass Beten etwas ist, was zu den größten Privilegien überhaupt gehört. Wir beten zum Vater, der in den Himmeln ist. Lasst uns dieses Vorrecht ergreifen!

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