Andachten

Wie ein gerechter Gott Sünder am Leben lassen kann

„Herr, Gott Israels, du bist gerecht! Denn wir sind als Gerettete übrig geblieben, wie es heute ist. Siehe, hier sind wir vor dir mit unserer Schuld. Denn bei einem solchen Verhalten ist es unmöglich, vor dir zu bestehen.“ (Esra 9,15)

Bevor wir uns die Reaktion des Volkes Israel auf das Gebet des Esra anschauen, möchte ich unseren Blick noch auf eine, auf den ersten Blick scheinbar widersprüchliche, Aussage lenken, die Esra am Ende seines Gebetes macht. Zum einen sehen wir in diesem Vers, dass sich Esra darüber im Klaren ist, dass Gott gerecht sein muss, da er das Volk aufgrund seiner Sünde in die Verbannung geschickt hat. Zum andern war sich Esra auch bewusst, dass ein Volk aus lauter Sündern vor einem gerechten Gott nicht bestehen kann. Gott ist heilig und kann keine Sünde dulden, seine Gerechtigkeit fordert ein Opfer als Vergeltung, für die begangene Schuld und wenn uns die Bibel lehrt, dass der Lohn der Sünde der Tod ist (Röm 6,23), dann dürfte nach der Gerechtigkeit Gottes kein einziger Mensch mehr am Leben sein.

Doch obwohl Gott alle diese Wesenszüge besitzt, sind dennoch einige vom Volk Israel übrig geblieben und entkommen. Das scheint doch ein Widerspruch zu sein oder nicht? Wie kann ein gerechter Gott seinen heiligen Zorn gegen Sünder zurückhalten, diese Menschen am Leben lassen, geschweige denn rechtfertigen, ohne dabei selber korrupt, ungerecht und sich selbst ein Gräuel zu werden?
Ein amerikanischer Prediger hat dieses angebliche Dilemma, in dem Gott zu sein scheint, in einer Predigt mal sehr eindrücklich beschrieben. Er beschrieb den Teufel, wie er über die Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg immer wieder Gottes Auserwählte verklagt, an die Gerechtigkeit Gottes appelliert und die Bestrafung dieser Sünder fordert. Angefangen bei Adam und Eva, die Gott am Leben lies, obwohl sie gegen ihn sündigten und von der Frucht aßen. Über Abraham, der zweifelte und ein Lügner war, bis hin zu David, einem Ehebrecher und Mörder. Jeder dieser Personen hatte gerechterweise den Tod verdient. Doch es scheint so, also ob Gott über all diese Sünden hinwegsieht, bis ein Tag kommt, an dem Gott den Teufel zu sich ruft und zu ihm sagt: „Du hast mich gefragt, wie ich diesen Menschen gnädig sein konnte, warum ich sie nicht vernichtet habe? Komm und schau nach Golgatha, dort habe ich die Schuld dieser Menschen eingefordert, doch nicht von ihnen, sondern von meinem geliebten Sohn. Am Kreuz hat er für ihre Schuld bezahlt, weil sie dazu nicht im Stande waren und dieses Opfer reicht aus, um der Gerechtigkeit völlig Genüge zu tun! Das ist der einzige Grund, warum ich diesen Menschen ihre Sünden vergeben und sie zu meinen Kindern machen konnte.“

Ich glaube nicht, dass Esra schon damals wusste, dass eines Tages Jesus Christus auf die Erde kommen würde, um Sünder mit Gott zu versöhnen, doch sehen wir, dass auch er bereits erkannte, wie unendlich groß ihre Schuld vor Gott war. Er sah nur einen Ausweg und tut das einzig richtige: Er kommt mit seiner Schuld vor Gott! Auch nach etlichen Jahrhunderten ist Gott noch immer unsere einzige Chance auf Rettung. Wenn wir ihn nicht um Vergebung bitten und Buße tun, werden wir eines Tages vor Gott alleine mit unserer Schuld stehen und eine Ewigkeit die Strafe für unsere Vergehungen ertragen müssen.