Andachten

Wahrheit vs. Lüge

Ein Belialsmensch, ein heilloser Mann, ist, wer umhergeht mit Verkehrtheit des Mundes, wer mit seinen Augen zwinkert, mit seinen Füßen scharrt, mit seinen Fingern deutet. Verkehrtheiten sind in seinem Herzen; er schmiedet Böses zu aller Zeit, streut Zwietracht aus. Darum wird plötzlich sein Verderben kommen; in einem Augenblick wird er zerschmettert werden ohne Heilung. (Sprüche 6,12-15)

Heute geht es um das nächste Beispiel für das Prinzip aus Sprüche 5,22: “Seine [eigenen] Ungerechtigkeiten werden ihn, den Gottlosen, fangen, und in den Fesseln seiner Sünde wird er festgehalten werden.” Auch durch Betrug und Unredlichkeit stürzen Menschen sich letzten Endes selbst ins Verderben. Unter “Belial” wird gemeinhin eine Figur verstanden, die von ihrem Wesen her antigöttlich ist. Paulus zum Beispiel erwähnt das Wort in einem Zusammenhang, in dem er verschiedene dualistische Beispiele aufzählt: “Denn welche Genossenschaft [haben] Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? Oder welche Gemeinschaft Licht mit Finsternis? Und welche Übereinstimmung Christus mit Belial? Oder welches Teil ein Gläubiger mit einem Ungläubigen? Und welchen Zusammenhang [der] Tempel Gottes mit Götzenbildern?” (2. Kor 6,14b-16a). Im Bartholomäusevangelium, das natürlich keine lehrmäßige Zuverlässigkeit besitzt aber dennoch gewisse Vorstellungen der Menschen früherer Zeit widerspiegelt,  wird Belial als eine mit Ketten gefesselte Figur der Hölle, die für die Verderbnis der Welt verantwortlich ist, beschrieben. Und John Milton, der große Literat der englischen Renaissance, beschreibt Belial als einen rhetorisch gewandten Gefährten Satans, der mit gegen Gott rebellierte und in die Hölle verbannt wurde. Zusammenfassend kann man einfach sagen, dass “Belial” für alles Widergöttliche steht.

Und als einen Belialsmenschen, also einen Zugehörigen zu Belial, wird hier jemand bezeichnet, der betrügerisch ist. Eine sehr radikale Beschreibung. Das Lügen, Betrügen, Hintergehen und Täuschen wird also als etwas grundlegend antigöttliches gesehen. Es entspricht seinem moralischen Wesen in keiner Weise sondern steht ihm diametral entgegen. Immherin ist Gott Licht (1. Joh 1,5) und wird in Titus 1 als der “nicht lügende Gott” beschrieben. Und auch Bileam erklärt Balak: “Nicht ein Mensch ist Gott, dass er lüge, noch ein Menschensohn, dass er bereue. Sollte er sprechen und es nicht tun, und reden und es nicht aufrechterhalten?” (4. Mose 23,19). Auch in diesem Punkt soll unser Wesen sich dem Wesen Gottes immer mehr angleichen, damit wir seine Wahrhaftigkeit in unserem Leben reflektieren können.

Als wiedergeborene Christen gehören wir nicht in die Kategorie der Beilalsmenschen (2. Kor 6,15). Doch auch als Nachfolger Christi stehen wir in der Gefahr die Lüge der Wahrheit vorzuziehen. Paulus ermahnt die Epheser darum: “Deshalb, da ihr die Lüge abgelegt habt, redet Wahrheit, jeder mit seinem Nächsten, denn wir sind Glieder voneinander.” (Epheser 4,25). Als Christen, als Nachfolger und Nachahmer Christi, haben wir einen Leben der Lüge und des Betrugs hinter uns gelassen und nun ist unsere Wahrhaftigkeit unser Erkennungsmerkmal. Natürlich vermeidet es jeder wohlmeinende Christ, offen und dreist zu Lügen. Doch ich denke, wir können in unserem Reden schnell unehrlich werden, um ein besseres Bild von uns selbst zu zeichnen. Als Menschen, die von Natur aus nach Anerkennung durch andere Menschen streben, merken wir es nur manchmal nicht, wie unreflektiert wir manchmal Fragen beantworten, die uns gestellt werden, oder wie wir kleine Detail verändern, damit sich eine Geschichte (am besten über uns selbst) noch besser anhört. Sind wir in einer Situation zum Beispiel neidisch auf jemanden, verhalten uns dementsprechend und merken es vielleicht sogar nicht einmal, dass wir aus Neid handeln, sind wir schnell dabei unser Handeln zu rechtfertigen oder sogar schönzureden. Und auch im Austausch von Gebetsanliegen schickt es sich an, alle Hüllen fallen zu lassen und auch seine geistlichen Schwachpunkte zu offenbaren. Es geht niemals darum, dass unser Bild gegenüber Gemeindemitgliedern oder Freunden möglichst sauber und poliert aussieht, sondern darum, dass wir voreinander ehrlich werden können und für die geistlichen Probleme des anderen authentisch beten können. Doch da wir alle Glieder voneinander sind, hat Täuschung und Unehrlichkeit absolut keinen Raum in unserer Mitte und natürlich auch nicht im Umgang mit Nichtchristen, weil Gott die Wahrheit ist und wir von ihm schwer zeugen können, wenn unser Leben Unehrlichkeit widerspiegelt. Darüber hinaus sind wir als Christen begnadigte Sünder, die immer noch Fehler machen und völlig abhängig von der Gnade Gottes sind. Was haben wir denn zu verbergen?

Die Sprüche (26/100)