Andachten

Beten lernen von Jesus (4/8)

… geheiligt werde dein Name … (6,9c)

Langsam aber sicher schreiten wir in der Betrachtung des Gebets, das uns unser Herr gelehrt hat, voran. Wir sahen bereits, dass wir ein unmöglich zu überschätzendes Privileg haben, nämlich Gott unseren Vater nennen zu dürfen. Ferner lernten wir, dass dieser Vater in den Himmeln ist und dass Ihm deswegen Ehrfurcht gebührt.

Heute nehmen wir uns Zeit, um über die Bitte „geheiligt werde dein Name“ nachzusinnen. Es ist die erste Bitte in diesem Gebet. Wir haben uns bisher nur mit der Anrede Gottes beschäftigt, nämlich „unser Vater, der du bist in den Himmeln“. Jetzt ist sehr spannend, zu beobachten, was die erste Bitte dieses Gebets ist, dessen Autor der Herr Jesus selbst ist. „Geheiligt werde dein Name!“

Wie groß ist doch der Unterschied zu den Gebeten, die ich oft spreche und die höchstwahrscheinlich die meisten Christen in ähnlicher Weise beten. Könnt ihr eure Gebete ebenfalls mit folgendem Gebet identifizieren: Mein Vater (der Gedanke, dass dieser Gott hoch erhaben im Himmel ist fehlt bei mir oft), ich bin verzweifelt; nächste Woche steht das wichtige Bewerbungsgespräch an, bitte hilf mir… Mein Vater, ich habe Angst, dass ich nie eine Frau finde… Mein Vater, was soll ich nur tun? Diese Welt ist so verdorben und ich weiß nicht, wie ich meine Kinder noch erziehen soll, wenn sie in den Kindergärten und Schulen mit so viel gefährlichem Gedankengut indoktriniert werden… Vater, nächste Woche ist Hauskreis/steht eine Predigt an/muss ich Jugendstunde halten und brauche dringend deine Hilfe… Vater, ich brauch deine Hilfe für diese und jene Aufgabe… Vater, ich, ich, ich…

Ich muss erkennen und bekennen, dass ich so dermaßen Ich-fokussiert bete und meine Anliegen nacheinander vor Gott auftische und erwarte, dass Er handelt und mir hilft. Jesus lehrt hier, dass unsere erste Bitte sein soll: „geheiligt werde dein Name“. Ich möchte auf keinen Fall falsch verstanden werden, dass wir diese Bitten, die ich genannt habe nicht bitten sollten. Doch der Gedanke, den ich weitergeben möchte ist der: Starten wir in unsren Gebeten mit Gott. Lasst uns den Wunsch zum Ausdruck bringen, dass unser sehnlichster Wunsch ist, dass Gott geheiligt wird; dass Er geehrt wird; dass Er verherrlicht wird.

Starten wir damit, dass wir Gott preisen und zwar für Seinen Namen. Und das meint nichts anderes als Gott selbst. So wie er ist, mit all den Eigenschaften, mit denen Er sich uns offenbart. Dazu gehört Seine unglaubliche Liebe, Seine Gnade und Seine Barmherzigkeit. Dazu gehört aber selbstverständlich auch Seine Gerechtigkeit, Sein Zorn, Seine Heiligkeit, Seine Unvereinbarkeit mit Sünde und (und das ist mir wichtig:) Seine Souveränität! Jesus lehrt uns hier, dass wir Gott für seinen Namen, das ist ER selbst, so wie Er ist, preisen sollen. Es kann leicht vorkommen, dass wir ein Problem mit gewissen Eigenschaften Gottes haben. Vor allem mit seiner Souveränität. Können wir wirklich den Gott preisen, der alles wirkt nach dem Wohlgefallen seines Willens (Eph 1,11)? Können wir wirklich den Namen des Gottes erheben, der Menschen erwählt und verwirft? (Das können wir als Frage für heute mitnehmen)

Ich denke Jesus erinnert uns hier daran, dass es in unseren Gebeten in erster Linie um Gott gehen sollte und nicht um uns. Es wird unser Gebetsleben revolutionieren, wenn wir beginnen, Gott das Zentrum unserer Gebete sein zu lassen. Wegen seiner Ehre wurden wir errettet (Eph 1,6). Alles zielt auf dieses Ziel, Gottes Ehre, ab. Lasst uns diese Lektion Jesus verinnerlichen.