Andachten

Was Gott hasst

Sechs sind es, die der Herr hasst, und sieben sind seiner Seele ein Gräuel: hohe Augen, eine Lügenzunge, und Hände, die unschuldiges Blut vergießen; ein Herz, das böse Pläne schmiedet, Füße, die schnell zum Bösen hinlaufen; wer Lügen ausspricht als falscher Zeuge, und wer Zwietracht ausstreut zwischen Brüdern. (Sprüche 6,16-19)

In der letzten Woche haben wir uns angeschaut, was ein Belialsmensch ist und durch was er sich auszeichnet. Auch diese Verse beziehen sich thematisch noch auf diesen Belialsmensch, denn eine Belialsmensch steht einfach gesagt für alles Widergöttliche. Das wird durch diese Aufzählung nochmal besonders deutlich, denn der Mensch um den es hier geht, sündigt mit seinem ganzen Wesen: mit seinen Augen (vgl. V. 13), seinem Mund, seinen Händen, seinem Herzen und seinen Füßen – ein Leben, das ganz von Sünde durchtränkt ist. (Ein kleiner Exkurs: Das zeigt, dass es nicht nur auf die Einstellung eines Menschen ankommt oder auf die Umstände, Gewohnheiten und auch nicht darauf, dass man sich anstrengt, ein besserer Mensch zu sein und weniger zu sündigen. Nein ein Mensch ist von seinem natürlichen Zustand aus ein Belialsmensch, er ist widergöttlich, da er in Sünde gefangen und davon durchtränkt ist. Egal ob ein Mensch nett wirkt oder nur unfreundlich ist, ob er “gut erzogen” oder die schlimmst moralische Prägung hat, die man sich vorstellen kann: Ein Mensch wird in Sünde geboren und die Sünde durchdringt sein ganzes Sein. Nur durch Christus und seinen stellvertretenden Tod am Kreuz für die Seinen kann es Befreiung von dieser Herrschaft der Sünde geben.)

Die Absicht des Autors mit dieser Ausdrucksweise ist nicht, dass sechs der Dinge ihm “nur” verhasst sind und das siebte ein Gräuel, sondern er gebraucht ein Stilmittel um aufzuzeigen, dass diese Dinge, und zwar alle einzeln, das Nonplusultra dessen sind, was Gott an dem Menschen missfällt.

Gott ist hoch erhaben und eifersüchtig in Bezug auf seine Ehre. Wenn also ein Mensch “hohe Augen” hat, wenn er meint etwas zu sein, wenn er stolz ist, dann ist das für Gott ein Gräuel. Und ich denke, dass jeder Mensch stolz ist. Bei manchen äußert sich es in Arroganz, bei anderen in Selbstmitleid.

Gott ist vollkommen wahrhaftig und lügt nicht (4. Mo 23,19; Tit 1,2), deswegen hasst er es, wenn Menschen Lügen erzählen, unehrlich sind, nicht zu gemachten Aussagen und Versprechen stehen und von sich ein besseres aber verzerrtes Bild zeichnen wollen. Ebenso gräulich ist es, wenn falsche Zeugen aufstehen, um einen Menschen zu beschuldigen, wie es bei Jesus oder auch bei Stephanus der Fall war.

Gott ist vollkommen gerecht in all seinem (Heils-)Handeln. Er verdammt niemanden zu Unrecht und begnadigt auch keinen einfach so ohne der Gerechtigkeit Genüge zu tun (Christus ist gestorben, damit Gott selbst gerecht bleiben kann und zugleich den begnadigen kann, der an Christus glaubt), deshalb ist es ihm ein Ekel, wenn Menschen unschuldiges Blut vergießen (niemand ist per sé unschuldig, doch trotzdem können Menschen zu Unrecht für etwas bestraft werden. Man denke nur an die Abermillionen Christen, die wegen ihres Glaubens verhaftet, gefoltert, getötet und gequält wurden).

Gott ist vollkommen gut, deshalb widerstreben ihm alle Pläne und alles Sinnen, das böse ist. Bosheit kann eine große Bandbreite haben, doch ich denke hier sind Dinge gemeint, die selbst aus menschlicher Perspektive böse sind. Dieser Satzteil zeigt etwas, das auch Jesus später bestätigt, nämlich dass das Herz die Quelle aller Sünde, aller bösen Taten und Gedanken ist: “Denn aus dem Herzen kommen hervor böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Hurerei, Dieberei, falsche Zeugnisse, Lästerungen; diese [Dinge] sind es, die den Menschen verunreinigen, …” (Matthäus 15,19.20a). Die “Füße, die schnell zum Bösen hinlaufen” sind dabei sozusagen die ausführende Gewalt. Wo wir hingehen und was wir tun, offenbart das Trachten unseres Herzens.

Gott ist ein Gott des Friedens. Er erfreut sich an Einheit unter Brüdern. An anderer Stelle wird Einheit unter Brüdern mit kostbarem Öl verglichen und mit Tau, das auf die Berge hinabfällt (Psalm 133). Disharmonie, Zwietracht und Streit sind ihm zuwider. Eine Sache, die besonders im Kontext der Gemeinde an Bedeutung gewinnt, da diese immer Potenzial für Uneinigkeit und Reibereien bietet.

All diese Dinge lassen sich bei Menschen, die (noch) in ihren Sünden sind, zuhauf finden. Doch auch bei uns als Erlösten, die immer noch im von Sünde behafteten Körper zuhause sind, können diese sieben Dinge zu ernsthaften Problemen werden, die nicht nur die Gemeinschaft untereinander, sondern auch die Gemeinschaft zu unseren Gott stören. Lasst uns deshalb empfänglich sein für Situationen, in denen unser sündiges Wesen auf diese sieben Weisen hervortritt und Gott bitten, dass er uns verändert – unsere Augen, unseren Mund, unsere Hände, unsere Herzen und unsere Füße.

Die Sprüche (26/100)