Andachten

Beten lernen von Jesus (5/8)

… dein Reich komme; dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf der Erde. (Matth 6,10)

Gordon Fee, ein amerikanisch-kanadischer Theologe unterrichtete einst eine Klasse über das Leben Jesu am Wheaton College. Er stellte seinen Studenten die Frage: Was war das absolut essentielle Thema in Jesu gesamtem Dienst? Wenn ihr in maximal 3 Wörtern zusammenfassen müsstet, worum es Jesus in seinem ganzen Leben ging, was würdet ihr nennen? Die allermeisten seiner 40 Studenten antworteten: Liebe! Jesus ging es am allermeisten um Liebe! Wieder andere antworteten: Vergebung. Doch nur drei gaben die richtige Antwort: Das Reich Gottes! Das Reich Gottes ist DAS THEMA von Jesus schlechthin gewesen.

Wir lesen beispielsweise in Matthäus 4,17 eine kurze Zusammenfassung von Jesu Wirken hier auf Erden: „Von da an begann Jeus zu predigen und zu sagen: Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen.“ Und wir erinnern uns an Matthäus 13. Dieses gesamte Kapitel beinhaltet Gleichnisse über das Reich Gottes; wie es sich ausbreitet, wie wertvoll es ist, was das Wesen dieses Reiches ist etc.

Eigentlich müsste ich eine ganze Reihe von Andachten nur über den Begriff „Reich Gottes“ machen, damit wir diesen richtig erfassen. Heute möchte ich allerdings nur darauf aufmerksam machen, dass Jesus will, dass wir beten: dein Reich komme! Er will, dass Sein wichtigstes Anliegen zu unserem wichtigsten Anliegen wird. Unser ganzes Beten soll sich nach diesem Anliegen ausrichten: dass Gottes Reich komme!

Was ist das Reich Gottes? Ich denke, dass wir unter dem Reich vielmehr die Herrschaft Gottes verstehen müssen, als ein Herrschaftsgebiet. Wenn wir beten, dass Gottes Reich komme, dann beten wir, dass Gott regieren möge, dass Sein Wille überall getan werden möge, so wie es auch in der nächsten Bitte ausgedrückt wird: dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf der Erde.

Im Himmel manifestiert sich das Reich oder die Herrschaft Gottes vollkommen. Alles und jeder tut Seinen Willen in perfekter Weise. Unser Gebet soll sein, dass diese Verhältnisse auch immer mehr auf dieser Erde herrschen. In unserem Leben; in unserer Umgebung; in unserer Gemeinde; in unserem Land; und schließlich in der ganzen Welt. Warum? Gewiss würde es jedem auf dieser Welt besser gehen, wenn überall Gottes Wille getan werden und alle Gottes Herrschaft anerkennen würden. Aber letzten Endes soll unser Gebet, dass Gottes Reich komme und Sein Wille geschehe, Gottes Ehre zum Ziel haben.

Dieser erste Teil des Vaterunsers, die Verse 9 und 10, sie geben unsren Gebeten die richtige Richtung. Gebete im Sinne Jesu beginnen mit Gott. Sie sind Gott-fokussiert und nicht selbstzentriert. Sie beginnen nicht mit den eigenen Anliegen, sondern machen sich Gottes Anliegen zum eigenen Anliegen. Wir werden unsere Anliegen automatisch anpassen, wenn wir erkennen: Hey, es geht in dieser ganzen Weltgeschichte nicht um mich, sondern um die Ehre Gottes und um sie allein! Wir dürfen gewiss eigene Anliegen vor Gott bringen, aber ich denke, dass dieser erste Teil des Vaterunsers uns lehrt, dass wir unsere Anliegen dem größten aller Anliegen anpassen: Gottes Ehre.