Andachten

Trennung von Sünde schmerzt

„Und der Priester Esra sonderte sich Männer aus, Familienoberhäupter nach ihren Familien, und zwar alle mit Namen. Und sie setzten sich zusammen am ersten Tag des zehnten Monats, um die Sache zu untersuchen. Und sie kamen bis zum ersten Tag des ersten Monats mit allem zu Ende in der Sache mit den Männern, die ausländische Frauen geheiratet hatten.“ (Esra 10,16.17)

Bevor wir das Buch Esra verlassen und uns einem neuen Thema zuwenden, möchte ich abschließend noch drei Gedanken weitergeben, die mir in den letzten Versen des zehnten Kapitels wichtig geworden sind.
Erstens fällt einem beim Lesen, der oben zitierten Versen sofort der lange Zeitraum auf, der nötig war, um diese Sünde im Volk aufzuarbeiten. Drei ganze Monate zeugen leider von der großen Zahl derer, die in dieser Sache gesündigt hatten, doch wird darin auch deutlich, wie genau und sorgfältig vorgegangen wurde. Keiner der Männer, die eine ausländische Frau geheiratet hatten, wurde vergessen. Es wurde nichts unter den Teppich gekehrt, verheimlicht oder verschwiegen. Um so akribisch einen brenzligen Sachverhalt in der Gemeinde aufzuklären, gehört jede Menge Mut dazu, da man öffentlich zu seiner Sünde stehen muss und Gefahr läuft, dass noch weitere Skandale ans Tageslicht kommen.

Zweitens kann man beobachten, dass bei der anschließenden Aufzählung von 111 Männern, die sich fremde Frauen genommen hatten, auch Priester, Leviten, Sänger und Torhüter unter diesen Männern waren. Die Männer aus dem Volk, die für die Verkündigung und das Einhalten des Gesetztes mitverantwortlich waren und von denen man vielleicht als letztes erwartet hätte, dass sie auch eine solch „schlimme“ Sünde tun würden, waren ebenfalls in dieser Sache gefallen. Diese Tatsache zeigt uns, dass es egal ist, was für eine Aufgabe wir in der Gemeinde haben, ob wir predigen, singen, Jugendmitarbeiter oder Älteste sind, da wir dadurch nicht automatisch immun gegen schwerwiegende Sünden sind. Ich würde sogar behaupten, dass die Verantwortlichen in der Gemeinde besonders im Fokus des Teufels stehen. Lasst uns deshalb besonders für solche beten, damit Gott ihnen immer wieder Korrektur in ihrem Leben schenkt und sie ein untadeliges Leben führen können.

Drittens möchte ich unsere Aufmerksamkeit auf den 44. Vers richten, der uns mitteilt, dass diese Männer sich nicht nur ausländische Frauen genommen, sondern auch Kinder mit ihnen gezeugt hatten. Wie schnell liest man über diesen Vers hinweg und macht sich keine Gedanken, was das eigentlich heißt, dass die fremden Frauen, von denen einige auch Kinder hatten, ausgestoßen wurden. Da wurden Familien auseinandergerissen, Ehemänner von ihren Frauen und Kindern, die sie bestimmt aufrichtig geliebt hatten. Das haben die betroffenen Männer nicht mal kurz nebenbei gemacht, dass hat ihnen ihr Herz zerrissen. Was konnten die Kinder dafür, dass ihre Väter gesündigt hatten? Was geschah mit den alleinerziehenden Frauen? Wer würde jetzt für sie sorgen?
Und doch waren diese Lebensverhältnisse in Gottes Augen Sünde und mussten geändert werden. Das zeigt uns so deutlich, dass Sünde keine Kleinigkeit ist. Es ist nichts, womit wir spielen könnten. Auch hier wird uns die Zerstörungskraft der Sünde sichtbar vor Augen gestellt und auch die Tatsache, wie schwer es ist, sich von Sünde zu trennen, die wir in unserem Leben haben. Aber Gott möchte uns die Kraft dazu schenken, wie er es auch bei den Israeliten tat. Wenn wir ihn bitten, dass er uns zeigen möge, in welchem Bereich unseres Lebens wir tolerant mit Sünde umgehen und sie ihm dann bekennen und Buße tun, so wird er uns von aller Ungerechtigkeit und Schuld reinigen!