Andachten

Du schaffst es nicht!

Was ist meine Kraft, dass ich warten, und was ist mein Ende, dass ich mich gedulden sollte? Ist denn meine Kraft die Kraft von Steinen, oder ist mein Fleisch aus Bronze? Ist es nicht so, dass keine eigene Hilfe in mir ist und jedes Gelingen aus mir vertrieben ist?
Hiob 6,11-13

Es gibt Situationen in unserem Leben, in denen wir an unsere Grenzen kommen. Wir glauben, es ginge nicht mehr weiter und wir wollen am Leben verzweifeln. Interesannter Weise führt Gott auch seine eigenen Kinder häufig durch solche Zeiten, um ihnen zu zeigen, wer er ist und wie sie sind. Hiob, eines von Gottes Kindern, hatte ebenfalls eine solche Zeit.

Hiob hatte viele Schicksalsschläge erlebt. Seine Kinder wurden ihm genommen, all sein Reichtum wurde gestohlen, seine Diener getötet, seine Frau lebte, doch machte ihm in seiner schweren Krankheit das Leben schwer. Hiob war vor all dem ein sehr gottesfürchtiger Mensch und wir Menschen würden behaupten, dass Hiob einer der Letzten sein sollte, der solche Erfahrungen machen muss. Gott scheint sich vertan zu haben, das kann doch alles nicht wahr sein. Warum lässt Gott solche Dinge im Leben seines zur damaligen Zeit wohl treuesten Dieners zu?

Das Buch Hiob zeigt uns Hiobs Kämpfe mit seiner Situation, die Frage nach der Gerechtigkeit Gottes und lehrt uns gleichzeitig sehr viel über unseren eigenen Zustand und Charakter. Im Kapitel sechs des Buches hat Hiob zwar noch einen langen Weg vor sich, bis Gott sich ihm im Kapitel 38 offenbart und Hiob seine absolute Souveränität und Größe zeigt. Hier im Kapitel sechs macht Hiob jedoch einen guten Anfang – den Anfang des absoluten Zerbruchs.

Die heutigen Verse zeigen uns, dass Hiob absolut jegliches Selbstvertrauen verloren hatte. Er weiß nicht, worauf er warten soll und wohin all das führen soll, denn eines weiß er sicher: In sich selbst findet er weder Kraft, noch Gelingen oder Hilfe. Er hat sein eigenes Schicksal nicht in den Händen, dies bleibt Gott vorbehalten, der das Leben jedes Menschen in seiner Hand hält. Hiob weiß: Wenn es nur um seine eigene Kraft geht, so ist es zu Ende mit ihm. Er wird sich nicht selbst aus dem Dreck ziehen und kein anderen Mensch kann dies für ihn tun. Menschlich gesehen ist alle Hofffnung dahin.

Hiob kam in seiner Situation an den Rand der Verzweiflung, so dass er sogar den Tag seiner Geburt verfluchte (3,1). Doch durch Hiobs schweres Leid hindurch scheint eine herrliche Aussage über dem ganzen Buch zu schweben:

Doch ich weiß: Mein Erlöser lebt; und als der Letzte wird er über dem Staub stehen. Und nachdem man meine Haut so zerschunden hat, werde ich doch aus meinem Fleisch Gott schauen. Ja, ich werde ihn für mich sehen, und meine Augen werden ihn sehen, aber nicht als Fremden.
Hiob 19,25-27a

Hiob wusste, dass jegliche eigene Kraft und Bemühung versagt hatte. Doch einen Trost und die einzige Hoffnung konnte ihm nicht genommen werden: Sein Erlöser lebt und wird am Ende über dem Staub aller Vergänglichkeit stehen. Was mit uns passiert ist nicht von Bedeutung, denn egal wie sehr wir auf dieser Erde leiden müssen oder zerschunden werden, eines steht für den Christen fest: Nachdem er sein Fleisch los ist, wird er in seinem Auferstehungsleib seinen Gott sehen dürfen! Er wird ihn sehen als etwas Vertrautes! In unserem jetzigen Zustand wäre dies undenkbar, denn noch haftet uns unser sündiger Leib an. Doch an jenem Tag wird uns nichts vertrauter sein, als das Angesicht unseres wunderbaren Erlösers und Gottes Jesus Christus.

Ist es da noch von Belang, welche Leiden oder Unannehmlichkeiten dieses Leben mit sich bringt? Ich freue mich mit jedem, der hier mit mir kräftig verneinen kann.