Andachten

Beten lernen von Jesus (6/8)

… Unser nötiges Brot gib uns heute; … (Matth 6,11a)

Einige der frühen Kirchenväter wollten es nicht wahrhaben, dass Jesus hier lehrt, dass unser erstes persönliches Anliegen wortwörtliches Brot sein soll, Brot für den Körper. Es schien ihnen schlicht unpassend angesichts der ersten drei Anliegen, die sich auf die Herrlichkeit Gottes beziehen, nun abrupt auf solch profane und materielle Bedürfnisse umzuschwenken. Folglich allegorisierten sie dieses Anliegen. Kirchenväter wie Tertullian, Cyprian und Augustinus dachten, Jesus bezöge sich hier vielmehr auf das unsichtbare Brot des Wortes Gottes oder auch auf das Mahl des Herrn.

Wenngleich es auch richtig erscheinen mag, dass die geistliche Nahrung viel essentieller ist, als unsere physische, so sollten wir den Reformatoren doch dankbar sein, die ein viel irdischeres Verständnis dieses Anliegen vertraten und auch lehrten. Calvins Kommentar zu der „Vergeistlichung“ der Kirchenväter war: „Das ist außerordentlich absurd.“ Luther gibt m.E. sehr gut wieder, für was das „Brot“ hier in Wahrheit steht: Für alles, was nötig für den Erhalt des Lebens ist wie Essen, einen gesunden Körper, gutes Wetter, ein Haus oder Zuhause, eine Ehefrau, Kinder, eine gute Regierung und Frieden“. Dem könnte man hinzufügen, dass das tägliche Brot für unsere täglichen Grundbedürfnisse steht und nicht für Luxusgüter.

Unsere Bitte um das tägliche Brot drückt aus, dass wir mit Leib und Leben in der Abhängigkeit Gottes stehen. Vielleicht befremdet uns dieses Gebet für unsere täglichen Bedürfnisse etwas, da wir alles haben, was wir brauchen und obendrein meistens einen dezenten Überfluss genießen. Wir verdienen schließlich durch unserer eigener Hände Werk unser Geld, mit dem wir uns leisten können, was wir benötigen. Wozu ein Gebet für unsere Grundbedürfnisse?

Ich denke, dass jeder, der einen guten Arbeitsplatz besitzt, genauso abhängig von der Versorgung Gottes ist, wie einer, der abends zu Bett geht und nicht den Hauch einer Ahnung hat, wie er sich und seine Familie am nächsten Tag versorgen soll. Der Herr ist der Erhalter von Allem (Neh 9,6; Hebr 1,3). Er erhält deine Muskeln, Sehnen, Knochen etc. die du benötigst, um dein täglich Brot zu erwerben. Er erhält deinen Kiefer, deine Zunge, deine Kehle etc. um dein täglich Brot zu dir zu nehmen. Es gibt nichts, was Gott nicht bereitstellen muss, damit wir unser tägliches Brot zu uns nehmen können. Wir sind völlig abhängig von unserem Herrn und das in jeder Sekunde. Ohne seinen Segen würde nichts, was existiert, fortbestehen.

Leider trauen wir, die wir reichlich gesegnet sind, viel zu oft den gnädigen, göttlichen Segnungen an und für sich, anstatt dem Gott, der uns diese Segnungen gibt. Der Herr will uns in diesem Gebet lehren, dass wir ständig von Gottes guter Versorgung abhängig sind und diese nicht als schlichte Selbstverständlichkeit ansehen. Jeden Tag neu gilt es unser Vertrauen auf unseren guten Gott zu werfen, der allein die Macht hat, uns zu versorgen.

Nutze heute und auch in Zukunft die stillen Momente, um Gott zu bitten, dich zu erhalten und zu versorgen und somit deine völlige Abhängigkeit ihm gegenüber auszudrücken.

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