Andachten

Wie erzieht Gott seine Kinder? (1/3)

Schon als kleiner Junge habe ich mich gefragt, warum die Israeliten von Gott so hart gezüchtigt worden sind und nochmals 40 Jahre in der Wüste umherirren mussten. Für mich war das lange nicht verständlich, weil es so unverhältnismäßig brutal für mich klang, nachdem sie sich doch so sehr nach der Sklaverei aufs gelobte Land freuten und ohnehin zahlreiche Strapazen, Hindernisse, Gefahren und Ungewissheit erleben mussten.

Ein Vers der Bibel zeigt uns jedoch auf, wozu diese Wüstenwanderung gut war:

„Und du sollst an den ganzen Weg denken, den der HERR, dein Gott, dich diese vierzig Jahre in der Wüste hat wandern lassen, um dich zu demütigen, um dich zu prüfen und um zu erkennen, was in deinem Herzen ist, ob du seine Gebote halten würdest oder nicht.“ (5. Mo 8,2)

 

1. Das Volk musste Demut lernen

Israel war stets aufsässig gegenüber Gott und Mose. Diese Haltung erforderte, dass Gott das Volk demütigten musste. Demut bedeutet wörtlich „drunter bleiben“. Sie wird dann gelernt, wenn man durch harte, tiefe Täler gehen muss. Bei mir waren das die Arbeitslosigkeit und die komplizierte Schwangerschaft meiner Frau mit unserer Tochter, deren Ausgang bis zum Tag der Geburt ungewiss war. Bei dir ist es evtl. eine Krankheit, eine Krise, Ängste, Unsicherheit, Perspektivlosigkeit, Nöte, Sorgen oder sonstige unangenehme Zustände in deinem Leben.

Diese Umstände dienen dazu, dass Gott uns in seiner Erziehung beibringt, sich ihm auszuliefern und zu unterstellen. Das bedeutet, uns gerne unter solche Umstände zu beugen und zu erkennen, dass auch diese zu unserem Besten dienen. Josef lernte Demut durch das Tal in Ägypten. Seinen Brüdern gegenüber bezeugte er in 1. Mose 45,5: „Denn zur Erhaltung des Lebens hat Gott mich vor euch hergesandt.“ Und in Vers 8: „Und nun, nicht ihr habt mich hierher gesandt, sondern Gott.“ Josef erkennt demütig an: Es geht nichts an Gottes Schreibtisch vorbei, was uns betrifft, ohne dass Er es unterschreibt, ja viel mehr noch: Gott leitet das Geschehen aktiv! Unter diesen Gott beuge ich mich in allem.

Ebenso lernen wir auch von Davids Haltung, alles im Leben demütig so hinzunehmen und Gott hinter allem zu sehen. In 2. Samuel 16,10 lesen wir Davids Worte, nach dem Schimi ihn verfluchte und dies normalerweise dessen Tod bedeuten würde: „Ja, soll er doch fluchen! Denn wenn der HERR ihm gesagt hat: Fluche David! – wer darf dann sagen: Warum tust du das?“ In Vers 11 bestätigt David dies erneut: „Lasst ihn, mag er fluchen! Denn der HERR hat es ihm gewiss gesagt.“

Demut bedeutet per Definition: die Bereitschaft, etwas als Gegebenheit hinzunehmen, nicht darüber zu klagen und sich selbst als eher unwichtig zu betrachten. Es ist gut, dass Gott uns demütigt, damit wir – so wie das Volk Israel auch – Ihn hinter allen Umständen und den schweren Führungen erkennen.