Andachten

Die Bergpredigt

„Als er aber die Volksmengen sah, stieg er auf den Berg; und als er sich gesetzt hatte, traten seine Jünger zu ihm. Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:“ (Matthäus 5,1.2)

In den nächsten Wochen möchten wir uns mit der wohl bekanntesten und größten Predigt beschäftigen, die wohl jemals auf dieser Erde gehalten wurde. Wie der erste Vers bereits angedeutet hat, geht es um die sogenannte Bergpredigt, die unser Herr Jesus Christus zu Beginn seines öffentlichen Wirkens gehalten hat. Viele Menschen haben im Laufe der Geschichte versucht, die Bergpredigt oder zumindest einzelne Aussagen aus ihr herauszugreifen, um den Rahmen für eine funktionierende Gesellschaft aufzustellen. Doch reicht es aus, wenn man Menschen sagt, was sie tun dürfen und was nicht, damit sie so leben können, wie Gott es will? Ist die Bergpredigt ein Gesetzeskatalog, den man erfüllen muss, damit man in den Himmel kommt?
Die Antwort befindet sich bereits im dritten Vers des fünften Kapitels. Doch bevor ich auf die Fragen eingehen werde, möchte ich auf die Themenreihe vom Christoph hinweisen, der die Seligpreisungen bereits ausführlich ausgelegt hat (nachzulesen ab Andacht Nr. 204), sodass ich mich darauf beschränken kann, sie als Einstieg in die Bergpredigt nur kurz zu erwähnen.

Glückselig die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel (V.3). Wer sind diese Menschen, die Bürger des Reiches im Himmel sind? Wer sind die Menschen, die der Herr Jesus in den folgenden Kapiteln beschreibt? Es sind die Menschen, die ihre eigene Unzulänglichkeit erkannt und sich vor Gott gedemütigt haben. Menschen, die zugeben, dass sie Gott nichts bringen können, dass sie vor ihm mit leeren Händen dastehen. Himmelsbürger wird man also nur, indem man sich in seiner Armut an Gott, als seinen persönlichen Retter, wendet. Wer das nicht von sich sagen kann, für den wird die Bergpredigt immer ein unerreichbarer Standard bleiben, da kein Mensch, ohne die Gnade Gottes, in der Lage ist, die hier gestellten Forderungen zu erfüllen.

Glückselig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden (V.4). Wer erkannt hat, dass er kein gutes Werk Gott bringen kann, das ihn für den Himmel qualifizieren würde, sondern im Gegenteil, sein ganzes Leben den Zorn Gottes verdient hat, der wird zwangsläufig über seine eigenen Sünden trauern und Gott um Vergebung bitten. Nur diese Menschen werden auch den göttlichen Trost empfangen.

Glückselig die Sanftmütigen, denn sie werden das Land erben (V.5). Wer sind die Sanftmütigen? Das sind die Menschen, die den Willen Gottes über ihren eigenen stellen. Die auf ihr eigenes Recht verzichten und von ihrer Macht keinen Gebrauch machen, sondern stattdessen auf Gottes mächtiges Wirken vertrauen.

Glückselig, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie werden gesättigt werden (V.6). Die Menschen, die über ihre eigene Schuld und Sünde vor Gott trauern, wollen nicht so bleiben, wie sie sind. Sie hungern und dürsten nach einem Leben, das dem entspricht, was Gottes will, das Gottes Gerechtigkeit entspricht.

Glückselig die Barmherzigen, denn ihnen wird Barmherzigkeit widerfahren (V.7). Niemand kann sich Gottes Barmherzigkeit verdienen, indem er anderen Menschen gegenüber barmherzig ist, sondern die Menschen, die Gottes Barmherzigkeit in dem Akt der Vergebung ihrer Sünden erfahren haben, werden auch im Stande sein, anderen Menschen Barmherzigkeit zu erweisen.

Glückselig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen (V.8). Auch an dieser Stelle können wir deutlich sehen, dass eine Veränderungen der äußeren Handlungen nicht ausreicht, um Gott zu schauen, sondern dass wir ein neues Herz brauchen. Wir brauchen ein neues, ein reines Herz, das nicht mehr dem in Matthäus 15,19 entspricht. Welcher Mensch ist in der Lage, sein eigenes Herz zu reinigen? – Nur Gott allein kann so etwas tun.

Glückselig die Friedensstifter, denn sie werden Söhne Gottes heißen (V.9). Die Menschen, die Frieden schaffen, werden Gottes Söhne genannt werden, doch ist es überhaupt möglich Frieden zu schaffen, wenn man selbst in Feindschaft und Rebellion lebt? Man wird erst dann ein Friedensstifter sein können, wenn man dem Friedefürst Jesus begegnet ist und mit ihm Frieden geschlossen hat.

Glückselig die um Gerechtigkeit willen Verfolgten, denn ihrer ist das Reich der Himmel (V.10). Und schließlich werden die oben genannten Tatsachen dazu führen, dass Kinder Gottes verfolgt werden, weil ein gottwohlgefälliges Leben immer ein Anstoß für die Welt ist.

Ich wünschte, dass jeder von uns von sich sagen kann, dass er seine Armut vor Gott erkannt, über seine Sünden getrauert, von Gott ein neues Herz bekommen und diesen Wunsch im Herzen hat, Gott immer ähnlicher zu werden.