Andachten

Beten lernen von Jesus (7/8)

… und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir unseren Schuldigern vergeben; … (Matth 6,12)

Auch wenn ich die anderen Bitten im Vaterunser nicht abwerten möchte, so ist es denke ich doch gerechtfertigt, zu sagen, dass diese Bitte die wichtigste ist: Vater, vergib uns unsere Schuld!

Wir haben in unserem Leben Ozeane von Schuld angehäuft. Wir haben eine unbezahlbare Schuld vor dem dreimal heiligen Gott! Wir schulden Ihm wirklich ungeheuerlich viel. Wir sollten ihm perfekt und bis ins kleinste Detail gehorchen, wir sollten eine perfekte Herrlichkeit vor Gott haben (Röm 3,23), wir sollten Ihn vollkommen lieben (5. Mo 6,5) und ebenso unseren Nächsten wie uns selbst (3. Mo 19,18). Doch wir verfehlen diese Bedingungen weit. Wir sind nicht mal in der Lage ein Bruchteil eines Promille unserer Schuld an diesen heiligen Gott zurückzuzahlen.

Stell dir einmal die Heiligkeit Gottes wie einen perfekten Seismographen (ein Gerät, mit dem man die Stärke von Erdbeben messen kann) vor, der selbst das Fallen eines Staubkorns auf die Erde erfassen und infolgedessen ausschlagen würde. Unsere Sünden sind vergleichbar mit tonnenschweren Meteoriten, die auf die Erde eindonnern. Die aufgezeichneten Erschütterungen stellen unsere unzähligen Sünden dar, die niemals rückgängig gemacht werden können. Und Gott erwartet von uns tatsächlich, dass „der Seismograph nie ausgeschlagen hätte“, sprich: dass wir niemals auch nur die kleinste Sünde begangen hätten.

So verhält es sich mit unserer Schuld vor Gott. Es ist unmöglich sie je wieder gut zu machen. Gott erwartet von uns Perfektion – und das die ganze Zeit. Wenn wir also eine Sünde begangen haben, dann gibt es gar keine Möglichkeit diese wieder gut zu machen, weil alles Gute, was wir tun sowieso von uns gefordert wird, denn: „Wer nun Gutes zu tun weiß und es nicht tut, für den ist es Sünde“ (Jak 4,17).

Von diesem Hintergrund her gesehen sollte uns die Frage Davids aus Psalm 130 in tiefste Erschütterung versetzen: „Wenn du, o Herr, Sünden anrechnest, Herr, wer kann bestehen?“ (Ps 130,3). Stell dir vor dieser heilige Gott, dem du alles schuldest, rechnet dir deine Schuld an und lässt dich nicht einfach davon kommen. Das wäre das schrecklichste, was dieser verdorbenen Welt passieren könnte – Ein heiliger Gott, der die Schuld von jedem Menschen einfordert, ohne dass es einen Ausweg gibt.

Es sind diese Gedanken, die uns bewegen sollten, wenn wir darüber nachdenken, dass Jesus uns lehrt, dass wir unseren Vater um Vergebung bitten sollen. Wenn wir nicht erkennen, wie hoffnungslos unsere Situation ohne Christi Opfertod, durch den die Vergebung unserer Schuld möglich ist, war, werden wir niemals sehen, wie wunderbar es ist, dass wir Gott, unseren Vater, um Vergebung bitten dürfen. Wir werden diesen Vers überlesen oder ihn bestenfalls als einen selbstverständlichen Kommentar bemerken.

Wir brauchen Vergebung – Eine Vergebung, die aus unversiegbaren Quellen der puren Gnade Gottes hervorströmt. Und er gewährt sie uns! Erstaunlich! Großartig! Unbeschreiblich.

Mein Ziel war, unsere Gedanken an diesem Morgen auf das kostbare Opfer Christi zu lenken, welches uns Vergebung unsrer gewaltigen Schuld ermöglicht. Aus Platzgründen nur ein Kommentar zum zweiten Teil dieses Verses „wie auch wir unseren Schuldigern vergeben“: Das bedeutet in anderen Worten, dass wenn es irgendeine Person in unserem Leben gibt, der wir nicht bereit sind zu vergeben, dann gibt es für uns keine Möglichkeit wahre Vergebung zu erfahren! (als Bestätigung siehe Matthäus 6,14.15 und 18,21-35).