Andachten

Beten lernen von Jesus (8/8)

… und führe uns nicht in Versuchung, sondern errette uns von dem Bösen.“ (Matth 6,13)

Wir sind bei der letzten Bitte dieses großartigen Gebets, das unser Herr uns gelehrt hat, angekommen. Wir haben gelernt, dass unser Gebet immer Gott-zentriert sein und sich primär auf das Kommen seines Königreiches fokussiert sein sollte. Wir haben allerdings auch gesehen, dass wir unseren Vater um persönliche Anliegen bitten dürfen. Es ist keine Sünde für eine Gehaltserhöhung zu beten; jedoch sollte dabei nie die Ehre Gottes aus dem Fokus geraten.

In dieser letzten Bitte verlangt der Sünder, dessen böse Taten in der Vergangenheit vergeben wurden, nun von jeglicher zukünftigen Tyrannei des Bösen befreit zu werden. Diese Bitte(n) versteht man am besten so, dass sie zwei Aspekte – einen negativen und einen positiven – ein und derselben Bitte darstellen. Es sind nicht zwei verschiedene Bitten, als würde das Gebet lauten: führe uns bitte erstens nicht in Versuchung und errette uns zweitens von dem Bösen. Wir wissen nämlich, dass Gott niemanden versucht (Jak 1,13). Die Bitte an Gott kann demnach nicht lauten: Bitte, mein Vater, führe mich doch nicht in Versuchung; ich kann das nicht ertragen, bitte versuche mich nicht.

Die Bitte ist, dass Gott uns von dem Bösen befreit. Und durch den ersten Teil wird deutlich gemacht, was wir gerade nicht wollen, nämlich in Versuchung geführt zu werden. Das muss nicht implizieren, dass Gott uns tatsächlich manchmal versucht. Wir drücken nur damit unser großes Verlangen danach aus, von jeglichem Bösen errettet zu werden und auf keinen Fall in Versuchung geführt zu werden. Es ist die Bitte eines echten Kindes des Vaters, das seinem Vater so gerne Ehre bereiten möchte, indem es sich an seine Gebote hält und nicht sündigt. Es ist das Gebet eines jeden, der durch die Wiedergeburt das Verlangen eingepflanzt bekommen hat, Jesus Christus immer ähnlicher zu werden.

Aber sagt Jakobus nicht, dass Versuchungen gut für uns sind (Jak 1,3-4)? Sollen wir uns nicht darüber freuen, wenn wir der Versuchung ins Angesicht sehen? Ich denke, dass dieses Gebet eben gar nicht ausdrückt, dass wir niemals Versuchungen begegnen. Keinen Versuchungen mehr zu begegnen würde bedeuten, dass wir nicht mehr in der Welt, sondern im Himmel wären, was aber gerade nicht Jesu Wille für uns ist. Denn er betet zu seinem Vater: „Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen.“ (Joh 17,15). Ich denke daher viel eher, dass es in diesem Gebet um Errettung vom Bösen in Zeiten der Versuchung geht, anstatt um die Bitte um jegliche Vermeidung vom Bösen überhaupt.

Gott helfe uns in den Versuchungen, die uns bis ans Ende dieses Zeitalters noch betreffen werden. Wir haben eine großartige Zusage, was Versuchungen betrifft: „Denn es hat euch bisher nur menschliche Versuchung betroffen. Gott aber ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern er wird zugleich mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen, sodass ihr sie ertragen könnt.“ Diesen treuen Gott dürfen wir um Hilfe in Versuchungen bitten.

Der letzte Teil dieses Gebetes ist zwar in vielen Bibel erhalten, jedoch aller Wahrscheinlichkeit nicht ursprünglich. Und dennoch ist der Schluss dieses Gebetes wertvoll und es ergibt Sinn unsere Gebete so zu beenden:

„Denn dein ist das Reich, und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen!“

 

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