Andachten

Lausige Tröster

Und Hiob antwortete und sagte: Ich habe so etwas nun viel gehört. Mühsame Tröster seid ihr alle! […] Auch ich könnte reden wie ihr. Wäret ihr doch an meiner Stelle! Dann könnte ich mit Worten gegen euch glänzen und meinen Kopf über euch schütteln.
Hiob 16,1-2.4

Wie lange wollt ihr meine Seele plagen und mich mit Worten zerschlagen? Schon zehnmal habt ihr mich beschimpft. Ihr schämt euch nicht, ihr setzt mir hart zu.
Hiob 19,2-3

Worte haben große Macht. Sowohl in guter als auch in negativer Hinsicht. Massen können begeistert werden, andere motiviert und aufgerichtet werden – und traurige getröstet. Gute Tröster findet man nicht gerade an jeder Ecke, leider auch nicht unter uns Christen. Auch Hiob singt in der Bibel ein Lied davon. Obwohl uns das Buch Hiob zeigt, dass Gott in Hiobs Leid gute Absichten hatte und Hiob auch sein Leid nicht selbst verschuldete, beschuldigen Hiobs 3 Freunde ihn permant. Sie behaupten, er habe gesündigt und müsse darum so schwer leiden. Hiob ist sich aber natürlich keiner Schuld bewusst.

Unter anderem wirft Hiob seinen Freunden vor, dass sie lausige Tröster sind. Und in der Tat, Hiobs Freunde machen als Tröster nicht viel her. Sie stürzen sich auf einen Mann, dessen Integrität und Gottesfurcht über Landesgrenzen hinaus bekannt war und zerfleischen ihn! Dabei zählen sie sich doch zu Hiobs Freunden. Sie beurteilen die ganze Situation unnüchtern und unwissend und empfangen am Ende des Buches einen entsprechenden Tadel Gottes dafür.

Wie es Hiob mit dem „Trost“ seiner Freunde geht, können wir unseren heutigen Versen entnehmen. Die beschimpfenden Worte plagen ihn, ja, sie zerschlagen ihn. Hiob weißt die Freunde darauf hin, dass sie sich nicht einmal schämen, sondern sich wie Geier auf ihr Opfer stürzen und ihm hart zusetzen (und das, obwohl sie mit einer Tröstungsabsicht zu Hiob kamen).

Treffend sagte einmal jemand über die Christen: „Die Christen sind die einzige Armee, die auf ihre eigenen Verwundeten schießt.“ Ist dies nicht genau das Armutszeugnis, dass wir oft abgegeben und in unseren Gemeinden erleben? Menschen die sowieso schon leiden, werden noch mehr heruntergemacht und niedergetreten. Angemessene Hilfe finden sie nur selten bei ihren Glaubensgeschwistern. Wir sind oft nicht besser als Hiobs Freunde im  Umgang mit den Verwundeten unter uns Gläubigen. Gebe Gott, dass wir mehr werden wie Hiob selbst es war:

Ich wollte euch stärken mit meinem Mund, und das Beileid meiner Lippen würde ich nicht zurückhalten.
Hiob 16,5

Oder weinte ich nicht über den, der harte Tage hatte, hatte meine Seele mit dem Armen denn kein Mitgefühl?
Hiob 30,25

Hiob hatte verstanden, was es bedeutet andere zu trösten und mit ihnen zu leiden. Hiob musste anderen nicht erklären, warum sie leiden (ich sage nicht, dass wir Christen uns untereinander nicht zurechtbringen sollten). Nein, Hiob stärkte andere mit seinen Worten und drückte ihnen sein Mitgefühl aus. Er weinte mit denen die harte Zeiten durchlebten.

Wir müssen nicht alle Antworten haben (dies bleibt Gott vorbehalten), aber wir sollten und müssen darauf achten, wie wir mit verletzten und schwachen Gläubigen in unserem Umfeld umgehen. Wäre es nicht schön, wenn auch wir in unseren Gemeinde mehr „Tröster nach Hiobs-Art“ hätten? Gebe Gott Gnade dazu!