Andachten

Randfiguren der Bibel – Evodia & Syntyche (4/20)

Die Evodia ermahne ich, und die Syntyche ermahne ich, dieselbe Gesinnung zu haben im Herrn! Ja, ich bitte auch dich, mein rechter Gefährte, stehe ihnen bei, die in dem Evangelium zusammen mit mir gekämpft haben, auch mit Klemens und meinen übrigen Mitarbeitern, deren Namen im Buch des Lebens sind. (Phil 4,2-3)

Paulus sitzt im Gefängnis in Rom und schreibt seinen Brief an die Gemeinde in Philippi. In dieser Stadt hat er so einiges erlebt. Zum einen geschah hier die wundersame Errettung der Lydia, deren Herz der Herr öffnete (Apg 16,14), aber auch der Skandal um das Mädchen mit dem Wahrsagegeist, den Paulus im Namen Jesu austrieb (Apg 16,18) und deswegen nach zuvorigen Schlägen im Gefängnis landete (Apg 16,20-24).
Der Herr befreite ihn und Silas jedoch aus dieser Lage und sogar der Gefängniswärter kam durch dieses Wunder zum Glauben! (Apg 16,25-34)

Paulus liebte die Gemeinde und war auch im Gebet innig mit ihr verbunden (Phil 1,3-4), sodass er nicht umhin kam, auch aus tiefstem Herzen Mängel anzusprechen.

Hierbei fallen zwei Frauen besonders auf. Es waren die Frauen Evodia und Syntyche. Paulus hätte allerlei Klagen äußern können und zuhauf Gebetsanliegen kundtun können, doch er bleibt hierbei sehr spärlich. Stattdessen nimmt er sich die Zeit und fasst sich ein Herz, indem er zwei Frauen ermahnt.

Doch warum tut er dies?
Vers 3 zeigt auf, dass sie in welcher Form auch immer im Kampf für das Evangelium elementar beteiligt waren! Sie waren ernsthafte Dienerinnen, ja sogar Verfechterinnen des Evangeliums! Wahrscheinlich riskierten auch sie wie Paulus ihr Leben und ihren Stand im Dienst für den Herrn. Somit galten sie als streitbare Unterstützer des Paulus, die ebenso wie u.a. Klemens und andere Erlöste im Buch des Lebens stehen.

Was sehen wir jedoch im Umgang des Paulus mit den beiden Frauen?
1. Er ermahnt sie beide in gleicher Weise, ohne einseitige Verlagerung oder Bevorzugung der ein oder anderen. Ihm ging es wahrscheinlich nicht um Details, sondern darum, dass sie ihres Einsatzes für das Evangelium nicht müde werden und durch Streitigkeiten verhindert werden. Satan nutzt zu gerne zwischenmenschliche Konflikte aus, um die Wirksamkeit der Verbreitung des Wortes Gottes zu unterbinden.

2. Paulus ist so klar wie nötig und so schonend wie möglich. Er breitet keine Schmutzwäsche in diesem Brief aus, sondern legt den Fokus allein auf darauf, den gemeinsamen Sinn des Dienstes für das Evangelium nicht aus den Augen zu verlieren. Oft geht es uns so, dass wir mit Geschwistern im Clinch liegen – und ganz und gar vergessen, was der eigentliche Auftrag ist. Diesen müssen wir uns immer wieder vor Augen führen, um nicht in Zwietracht zu verharren.

3. Paulus bestätigt -trotz der Streitigkeiten- ihre Stellung vor Gott: Sie sind Erlöste, die im Buche des Lebens (vor Grundlegung der Welt) verzeichnet sind. Paulus verweist somit auf das wichtigste, ja auf die höchste Gabe die einem Menschen zuteil werden kann, nämlich auf die wunderbare Errettung des Menschen! Er drückt damit aus, dass welcher Umstand auch immer vorliegen mag, es nicht wert ist ein Leben lang ausgefochten zu werden, da im Lichte des ewigen Lebens und der göttlichen Festschreibung die Lösung des Konfliktes im Hinblick auf das gemeinsame Ziel angestrebt werden soll.

4. Paulus weiß, dass es zwischenmenschlich nicht einfach ausgeräumt werden kann. Somit fordert er seinen Gefährten, dessen Name uns unbekannt ist auf, zu vermitteln. Auch hierbei bedarf es des Feingefühls (so wie Paulus eben feinfühlig beide Frauen in gleicher Weise ansprach), um Versöhnung zu schaffen. Er überlässt die Erlangung der Gesinnung im Herrn nicht einfachso dem Zufall, sondern bemührt sich aus der Gefängniszelle darum, dass die beiden Schwestern sich wieder versöhnen.

Was wäre dir und mir im Gefängnis wichtig gewesen? Fürbitte? Sicherlich zurecht. Verpflegung und Versorgung? Mit Sicherheit berechtigt. Paulus ist es wichtig, dass die Einheit aufrecht erhalten bleibt und das Ziel nicht aus dem Blick verschwindet!

In der selbigen Gefahr stehen auch wir und die um uns liegenden Gemeinden ebenfalls.
Somit sind die zwei relativ unbekannten Frauen leuchtende Beispiele dafür, wie dem Apostel des Herrn das Herz brannte, Frieden und Einheit in der Gemeinde -und zwar im Herrn!- zu schaffen.