Andachten

Die Wohnorte Gottes

Denn so spricht der Hohe und Erhabene; der in Ewigkeit wohnt und dessen Name der Heilige ist: In der Höhe und im Heiligen [wörtl. „und heilig“] wohne ich und bei dem, der zerschlagenen und gebeugten Geistes ist, um zu beleben den Geist der Gebeugten und zu beleben das Herz der Zerschlagenen.
Jesaja 57,15

Wer auch nur ansatzweise eine Ahnung davon hat, wie schlecht und verdorben sein ganzes Wesen im Vergleich zu Gott ist, der findet in Bibel immer wieder Verse, die ihn erstarren lassen müssen. Ein natürlicher Mensch nimmt nicht sehr viel persönliches von Gott war, doch hier auf einmal offenbart sich Gott. Er zeigt, wo er wohnt und welche Qualität und welchen unendlichen Wert diese Existenz hat. Jeder ehrliche Mensch muss zunächst staunen und dann verzweifeln angesichts der Größe und Herrlichkeit Gottes die uns in unserem heutigen Vers vorgestellt wird. Wäre da nicht auch der zweite Teil des Verses, so gäbe es keine Hoffnung mehr für uns.

Doch nun der Reihe nach. Gott selbst stellt sich vor. Er ist der Hohe und der Erhabene. Diese Aussage richtet er an sein Volk Israel! Vergleiche ich mich mit euch, so bin ich unendlich hoch und erhaben, sagt Gott. Ich wohne in Ewigkeit, ihr habt nur einige Jahre Zeit, dann sterbt ihr. Ich wohne in der Höhe, ihr seid winzige Wesen unten auf der Erde. Ich wohne im Heiligen, in einem Heiligtum, ihr seid jedoch unheilig und wohnt darum nicht im Heiligtum. Kurz gesagt: Ich bin unendlich groß, heilig und ewig und ihr seid all dies nicht. Darum kann ich auch nicht bei euch wohnen – sollte man meinen.

Doch der zweite Teil unseres heutigen Verses enthält eine unfassbare Gnade. Es gibt einen weiteren Wohnort Gottes, der sehr nahe bei uns Menschen ist! Es gibt einen einzigen Weg, wie Gott bei uns wohnen kann. Gott wohnt bei dem, der einen zerschlagenen und gebeugten Geist und ein zerschlagenes Herz hat. Mit anderen Worten, Gott ist nur dem nahe, der am Ende ist mit sich selbst. Der menschliche Geist, der sich so schnell etwas einbildet ist am Ende. Gebeugt und zerschlagen findet sich jeder ehrliche Mensch in seinem Elend und seiner sinnlosen Existenz ohne Gott wieder. Doch sobald der Mensch Buße tut und sich in Demut vor Gott niederbeugt, verspricht Gott, bei ihm zu wohnen. Auf einmal gibt es einen Zugang, auf einmal kommt der unendliche, ewige, heilige und hohe Gott dem Menschen nahe.

Wie ist das möglich? Nun, einfach so kann Gott dies aus offensichtlichen Gründen nicht tun. Wenn Gott uns so lassen würde, wie wir sind, könnte er nicht bei uns wohnen. Zu sündig ist unser Wesen und zu groß sein Hass auf Sünde und sein Zorn, der uns vernichten würde, würde Gott uns nahe kommen, ohne vorher etwas zu ändern. Doch in Jesus Christus, den wir zerschlagen und gebeugt um Vergebung angefleht haben, kann Gott uns nahe kommen. Jedes Kind Gottes erhält den Heiligen Geist und Gott, der Vater und sein Sohn Jesus Christus kommen zu jedem Gläubigen und „machen Wohnung“ in ihm. (Joh. 14,16.23)

Ist es dir bewusst, welche unfassbare Gnade es ist, dass Gott bei dir wohnen möchte? Ist es nicht an der Zeit, zurückzukehren zu einem zerschlagenen Herzen und einem gebeugten Geist? Wenn du dorthin zurückkehrst, so macht Gott selbst es sich zu einer ehrenvollen Aufgabe, dich aufzurichten und sowohl deinen Geist als auch dein Herz wieder zu beleben, zu heilen und zu erfreuen, den darum wohnt er in dir! Ich sehne mich nach Gottes Belebung. Der Weg dorthin ist liegt nun klar vor uns. Die Frage ist: Werden wir ihn gehen?