Andachten

Gastbeitrag: Von Würmern zerfressen

Im Jahr 44 n. Chr. herrschte ein König über Palästina, sein Name war Herodes Agrippa I. Er ging brutal gegen Christen vor. Dieser Mann schreckte vor Misshandlungen, Verfolgungen und Morden an den Christen der ersten Gemeinde nicht zurück. Er tötete den Apostel Jakobus und ließ Petrus ins Gefängnis werfen. Herodes wollte damit den Juden gefallen. Er ließ den „Fels der Gemeinde“ von 16 Soldaten bewachen und wollte seine Macht an ihm demonstrieren.

Am Tag nach dem Passa wachte Herodes morgens auf und freute sich auf das Machtspiel, dass er an diesem Tag an Petrus demonstrieren würde. Heute wollte er den „Mann Gottes“, der sich selbst als Bote von diesem Jesus aus Nazareth sah, endlich beseitigen. Niemand würde ihn hindern, weder seine Vorgesetzten aus Rom, noch die Bürger seines Reiches. Selbst Gott hatte ja keine Chance gegen ihn. Plötzlich kam ihm einer seiner Boten entgegen:

„Mein Herr und König, er ist nicht mehr da. Seine Zelle ist leer. Keiner der Soldaten hat etwas gesehen oder gehört.“ Der König konnte es nicht glauben. Er hatte diesen Jesus-Anhänger doch durch seine besten Soldaten bewachen lassen. Und jetzt sollte er einfach ausgebrochen sein?

Sein erster Gedanke galt den Soldaten, die seiner Meinung nach Schuld an dem Schlamassel waren. Aus Wut ließ er alle 16 Soldaten hinrichten und reiste aus der Stadt.

Nach ein paar politischen Angelegenheiten beschloss er, eine königliche Rede an das Volk zu halten. Er legte besonders wertvolle und prächtige Königskleider an, die ihn als den König erkennbar machten. Er setzte sich auf seinen königlichen Thron und zeigte dem Volk, dass er königliche Ehre verdiente. Herodes begann zu reden und hielt eine königliche Ansprache an seine Bürger. Was für ein königliches Bild!

„Das Volk aber rief ihm (Herodes) zu: ´Eines Gottes Stimme und nicht eines Menschen!`„ (Apg. 12,22)

Herodes war vieles: Ein Mensch, der für die Interessen seines Volkes einstand. Ein Mann, der als König akzeptiert und gefeiert wurde. Ein König, der in politischen und religiösen Fragen das Sagen hatte. Er war das, was das Volk sich von einem Mann seiner Position erhoffte. Sie begannen, ihn als Gott zu verehren. Hier wäre für jeden Geschichtsschreiber und Anhänger des Herodes eine ausführliche Beschreibung angebracht gewesen, doch Lukas fährt in der Apostelgeschichte schonungslos fort:

„Sogleich aber schlug ihn ein Engel des Herrn, dafür, dass er nicht Gott die Ehre gab; und von Würmern zerfressen, verschied er.“ (Apg. 12,23)

Herodes war vieles: Ein Mensch, der seinem Volk viel bedeutete. Ein Mann, der sich selbst die Ehre gab. Ein König, der sich als Gott feiern ließ. Aber vor allem war er ein elender Mensch, der innerhalb eines Augenblicks seine Menschlichkeit von seinem Schöpfer aufgezeigt bekam. Von einer Sekunde auf die nächste bricht er regungslos in sich zusammen, Würmer zerfressen ihn; und aus dem großen Herodes, diesem Gott-König, wird der abscheulichste Anblick des Tages. Und warum? Er gab sich selbst die Ehre und nicht Gott.

Als ich die Geschichte das erste Mal las, bekam ich es mit der Angst zu tun. Wenn Gott jemanden umbringt, nur weil er Gott die Ehre nicht gibt, wie oft müsste ich nicht tagtäglich auf dem Boden von Würmern zerfressen vorgefunden werden!? Wie soll dieser Maßstab denn erfüllt werden? Ich kann Gott gar nicht jeden Tag, jeden Augenblick, mit meiner ganzen Kraft ehren. Auch wenn ich heilig sein soll, ich bin es nicht. Und die Bibel macht klar, dass niemand diesem Anspruch Gottes gerecht werden kann.

Gott hätte das Recht, jeden Menschen umzubringen, ohne mit der Wimper zu zucken. Niemand könnte sich beschweren oder Gott der Ungerechtigkeit bezichtigen. Selbst der beste König hat doch im Endeffekt keine Chance gegen den allmächtigen, heiligen Gott! Wenn wir solche Negativ-Beispiele der Bibel anschauen, sollte uns die Gnade Gottes umso größer vor Augen stehen. Jeder Tag sollte ein Dankopfer dafür sein, dass wir nicht von Würmern zerfressen am Boden liegen. Seine Gnade und nichts anderes hält dieses Gericht von uns ab. Auch wenn wir selbstsüchtig sind, unsere eigene Ehre suchen und Gott ungehorsam sind, so sieht uns Gott als gerecht an. Gott stellt sich uns heilig und tadellos vor sich hin (Eph. 1,4).

Lasst uns unserem Vater heute dafür danken und ihm die Ehre geben, dass wir nicht von Würmern zerfressen auf dem Boden liegen müssen. Ihm gebührt alle Ehre!

 

Samuel (*1995) studiert zurzeit mit Markus am Seminar für biblische Theologie (sbt), wo er auch gemeinsam mit ihm den sbt-Chor leitet. Vorher hat er seinen Bachelor in Wirtschaftswissenschaften gemacht und arbeitet seit einigen Jahren in der Jugend seiner Gemeinde mit.