Andachten

Die Geschichte der Liebe (2/6)

Die Geschichte der Liebe ist relativ simpel. Es ist die Geschichte eines Mannes, der sich eine bestimmte Frau zur Braut auswählt. Es ist die Geschichte davon, dass Gott sich dazu entschließt, sein Volk zu lieben.

Beginnend bei Adam und Eva sehen wir, dass Gott der ganzen Menschheit seine Liebe erweist, indem er eine wunderschöne Schöpfung schafft und den Menschen als Krone dieser Schöpfung kreiert. Gott möchte die Menschheit durch diese schöne Schöpfung faszinieren und fesseln. Er fügte es so, dass Adam und Eva sich gegenseitig liebten, letztendlich lief jedoch alles darauf hinaus, dass sich die beiden an Gott erfreuten, der schönsten Person, die sie kennen lernten.

Doch dann passiert das Unglaubliche. Schlimmer als in jedem Drama, lesen wir davon, dass Adam und Eva Gottes Wort verwerfen. Sie lehnen den liebenden und überaus liebenswerten Gott ab. Doch noch viel unfassbarer ist, dass die Geschichte der Liebe Gottes nicht schon hier endet. Gott stößt Adam und Eva zwar aus dem Garten Eden, aber er liebt sie weiterhin. Wir sehen das beispielsweise daran, wie Gott Kleider für die beiden nackten Menschen anfertigt, um ihre Scham zu bedecken. Ferner sehen wir Gottes Liebe hinter der wundervollen Verheißung, die verführende Schlange eines Tages zu vernichten (1. Mo 3,15).

Wir sehen, dass Gott auch die Nachkommen von Adam und Eva liebt. Er ist noch nicht fertig mit der Menschheit – selbst wenn das sein vollstes Recht gewesen wäre. Doch er liebt Set und seine Nachfahren generationenlang bis zu Noah. Während der boshafte Hass der Menschen auf Gott schließlich in der Sintflut gipfelt, ist Gottes Liebe immer noch nicht am Ende. Gott erwählt Noah und seine Familie und rettet sie vor dem Verderben. Durch sie erhält er die Menschheit am Leben und erweist ihnen weiterhin seine Liebe.

Es ist wirklich wichtig, hier ein Muster zu beachten. Gott liebt alle, indem er allen Leben gibt – was er nicht müsste. Doch wir sehen auch, dass Gott ganz offenbar einige ganz besonders liebt (Set, Noah, Sem und dessen Nachkommenschaft…). Am deutlichsten wird dieses Muster bei Abraham, den Gott aus dem Götzendienst heraus beruft (vgl. Jos 24,2). Er schließt mit ihm eine Freundschaft und einen Bund. Er macht ihm große Verheißungen und erfüllt diese. Zu nichts davon war Gott gezwungen, sondern er entschloss sich frei dazu.

Er wendet schließlich weiter seine Liebe Isaak zu und dann Jakob und seinen Nachkommen – dem Volk Israel. Er befreit sie aus der elenden Sklaverei, rettet sie auf wundersame weise vor den anstürmenden Ägyptern, führt sie sicher durch die Wüste, ernährt sie und schließt einen Bund mit ihnen. Erneut sehen wir das Muster ganz deutlich: Gott macht mit denen einen Bund, die er besonders liebt.

Doch – wie unfassbar – schon wieder wenden sie die Menschen, hier das Volk Israel von Gott ab. Der Prophet Hosea vergleicht das mit Ehebruch. Gott ist der treue, gute Ehemann und Israel ist die untreue Frau. Und Gott richtet sie, aber er liebt sie dennoch in dem Gericht. Er zerstört sie nicht völlig. Er ruft sie immer wieder dazu auf, doch zu ihm zurückzukehren.

Und dann – in dieses Bild der scheinbar vergeblichen Liebesmühe – bricht auf einmal der größte Liebesbeweis herein, den die Welt je gesehen hat: Gott sendet Jesus, seinen Sohn, den er von Ewigkeit her liebt (Joh 17,24). Dieser Sohn Gottes, Jesus, ist es, der ein perfektes Leben aus Liebe zu seinem Vater führt. Dieses Leben hätten wir führen sollen! Und dann nimmt dieser vom Vater geliebte Sohn Gottes das Gericht für Sünder auf sich, Menschen die gegen ihn rebelliert haben – die Sünden von uns selbst.

Gott beweist seine Liebe dadurch zu uns, einem untreuen Volk, dass er Christus für uns hat sterben lassen, als wir noch Sünder waren (Röm 5,8). Auch heute noch – wie es von Anfang an war – liebt Gott Menschen auf ganz besondere Art und weise, indem er sie seiner Gemeinde einverleibt, welche die von Christus geliebte Braut ist. Für diese hat er sich selbst hingegeben (Eph 5,25).

Das war in groben Zügen die atemberaubende Geschichte der Liebe Gottes nacherzählt. Wir werden uns in den folgenden Wochen damit beschäftigen, was diese Liebe darüber lehrt, warum und wie Gott liebt.