Andachten

Randfiguren der Bibel – Jaël (8/20)

Jaël aber, die Frau Hebers, ergriff einen Zeltpflock und nahm den Hammer in ihre Hand, und sie ging leise zu ihm (Anm. d. Verf.: Sisera) hinein und schlug den Pflock durch seine Schläfe, dass er in die Erde drang – er war nämlich in tiefen Schlaf gefallen -; da wurde er ohnmächtig und starb. (Richter 4,21)

Heute betrachten wir eine äußerst interessante Frau. Jael, deren Name Steinbock bedeutet, war eine kenitische Frau, die als Nomadin östlichen des Jordans lebte.
Ihr Mann Heber schloss jedoch einen Vertrag mit dem aufstrebenden König Jabin, um Frieden zu haben.

Jedoch unterdrückte König Jabin Israel 20 Jahre lang und schickte seinen Heerobersten Sisera mit 900 eisernen Wagen gegen Israel los, um Krieg zu führen. Dies geschah aufgrund der erneuten gottlosen Boshaftigkeit Israels.
Barak sollte in den Kampf ziehen, doch er fürchtete sich ohne Deborah zu gehen. Sie gab ihm daraufhin eine Verheißung, dass eine Frau die Ruhmeslorbeeren erhalten wird.
(Ri 4,9)

So kam es auch! Jaël  ist neben Maria die einzige Frau, die einen Lobgesang in der Bibel für diese Tat und ihre Gesinnung dahinter erhält! (Ri 5,24)

Doch ist Jaël nun wirklich eine solch ruhmreiche und ehrbare Frau? Ist es nicht bestialisch, einen Menschen so heimtückisch zu erschlagen, indem ihm zuvor Gastfreundschaft vorgeheuchelt wurde? Zudem ist sie auch noch als Ehefrau des Hebers rechtlich an den Vertrag der Loyalität gegenüber Siseras König Jabin gebunden, doch stattdessen verübt sie Verrat!

Sicherlich können nach moralischem Ermessen bei Jaëls Taten berechtige Zweifel aufkommen. Dennoch sollten wir auch hierbei erkennen, dass Gottes Wege gerecht und lauter sind, auch wenn wir sie mit unserem Denken nicht immer ein Einklang bringen können.
Nirgendwo in der Bibel wird Jaël  für diese Tat getadelt – im Gegenteil!

Das Kapitel 5 im Buch Richter findet ausschließlich lobende Worte für Jaël. Debora singt sogar: Gesegnet vor allen Frauen sei Jaël, die Frau Hebers, des Keniters, vor allen Frauen im Zelt sei sie gesegnet! (Ri 5,24)In dieser Metapher wird Jaël laut der Auslegung des Talmud sogar mit den jüdischen Erzfrauen Sarah, Rebekka, Rachel und Lea in einem Atemzug gleichgestellt!

Schlussendlich liebte sie den Herrn und ging auf, wie die Sonne in all ihrer Pracht (Ri 5,30)! Ihre Handlung am Hauptmann Sisera war an der Liebe zu ihrem Herrn ausgerichtet.
Am Ende erkennen wir auch den nachhaltigen Segen Gottes, der untrennlich mit der mutigen Tat einer weiteren Randfigur der Bibel verbunden ist: Israel hatte 40 Jahre Frieden (Ri 5,31), doppelt so lang, wie es zuvor durch Sisera und König Jabin geplagt wurde!