Andachten

Gottlose verachten das Reden Gottes bewusst

Zu wem soll ich noch reden und wen warnen, dass sie hören? Siehe, ihr Ohr ist unbeschnitten, und sie können nicht achtgeben. Siehe, das Wort des HERRN ist ihnen zum Hohn geworden, sie haben kein Gefallen daran.
Jeremia 6,10

Im Römerbrief macht der Apostel Paulus eine sehr zentrale Aussage zu der Bedeutung der bis dahin bestehenden Schriften des alten Testaments. Er erklärt im 15. Kapitel, dass alles bisher geschriebene unserer Belehrung dient. Der größte Teil des Alten Testamentes handelt von Gottes Handeln am Volk Israel. Der Charakter dieses Volkes spiegelt den Charakter des gefallenen Menschen sehr gut wieder – unseren Charakter. Israel zeigt uns, wie wir ohne Gott sind.

Gott klagt im 6. Kapitel des Buches Jeremia, dass es niemanden mehr gibt, zu dem er noch reden und ihn warnen könnte. Alle, die seine Worte hörten, ließen sich nicht warnen. Die Menschen Israels hatten unbeschnittene Ohren, sie konnten nicht auf das achtgeben, was Gott sagte. Das heißt nicht, dass Israel Gott nicht hörte, nein, Israel war nicht in der Lage, Gottes Reden richtig zu beurteilen. Gottes Wort wurde für sie etwas, worüber sie sich lustig machten („Hohn“). Gottes Reden gefiel ihnen nicht.

Gott selbst bittet sein Volk, die Pfade der Vorzeit zu suchen, den Weg zum Guten. Dieser Weg allein führt unsere Seeele zur Ruhe:

So spricht der HERR: Tretet auf die Wege, seht und fragt nach den Pfaden der Vorzeit, wo denn der Weg zum Guten sei, und geht ihn! So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Aber sie sagen: Wir wollen ihn nicht gehen. Und ich habe Wächter über euch bestellt, die rufen: Achtet auf den Schall des Horns! Aber sie sagen: Wir wollen nicht darauf achten.
Jeremia 6,16.17

Doch was ist Israels Reaktion? Israel trotzt und sagt Gott ins Gesicht: Diesen Weg wollen wir nicht gehen. Gott schickt daraufhin seine Propheten, die Israel den Weg weisen sollten und ins „Horn stoßen“ (Israel waren) sollten. Doch wiederum erklärt Israel: Gott, wir wollen nicht auf deine Warnungen achten! Es ist uns egal, was du uns sagst, wir haben keine Lust uns das anzuhören.

Israels unbeschnittene Ohren (und das unbeschnittene Herz) machten es unmöglich, Gottes Reden zu vernehmen und danach zu handeln. Dennoch war Israel nicht unschuldig, denn es wählte gerne und bewusst den Weg ohne Gott und sein Wort.

Was sagt uns das Verhalten Israels über uns selbst? Wir selbst haben Gottes Reden zunächst ebenfalls verachtet. Wir wollten nicht auf seinen Wegen gehen, ja diese auch nicht suchen, wir haben sie gemieden, sie haben uns nicht gefallen. Wie konnten Menschen wie wir überhaupt gerettet werden, die wir Gott so sehr hassten? Gott selbst hat in seiner Liebe unsere Herzen beschnitten und uns Gnade geschenkt, uns zu erkennen in unserer Verlorenheit und Rebellion.

Ohne dieses Gnadenwirken Gottes hätte kein Mensch gerettet werden können, denn keiner von uns kann sagen, dass er besser gewesen wäre als das Volk Israel zur Zeit Jeremias. Danken wir heute unserem großen Gott, dass er uns in unserer Verstocktheit nicht ins Verderben laufen ließ. Er hat uns wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung, durch die wir freudig seine Rückkehr zur Wiederherstellung aller Dinge und unserer Verherrlichung in ihm erwarten.