Andachten

Randfiguren der Bibel – Gomer (10/20)

Als der HERR anfing, mit Hosea zu reden, da sprach der HERR zu Hosea: Geh, nimm dir eine hurerische Frau und zeuge hurerische Kinder! Denn das Land treibt ständig Hurerei, vom HERRN hinweg. Da ging er und nahm Gomer, die Tochter Diblajims; und sie wurde schwanger und gebar ihm einen Sohn. (Hos 1,2-3)

Der Beginn des Buches Hosea stellte bereits viele Leser und Ausleger vor eine große Herausforderung! Hosea, ein moralisch versierter Mann soll eine Hure ehelichen?
Wie passt das zusammen? Und vorallem: Wie deckt sich dies mit Gottes reinem Willen?

Es gibt verschiedene Ansätze, um dieses Thema anzugehen:
Einige meinten, dass Gomer und Hosea eine reine Allegorie auf die Beziehung Gottes zu Israel seien. Dies ist jedoch schnell zu verwerfen, da die erzählerische Natur in ihrer Gattung von einem Tatsachenbericht zeugt.
Manche meinen, dass Hosea eine gewöhnliche Frau heiratete und diese später erst unmoralische Tendenzen entwickelte. Aber auch dies passt nicht dazu, dass Gott die Bezeichnung der Gomer direkt in den Befehl deren Ehelichung einschloss!
Die wahrscheinlich korrekte Erklärung ist diese:
Gott befiehlt klar. Hosea gehorcht treu.

Wie muss es Hosea ergangen sein, eine Frau zu heiraten, welche ihm womöglich jederzeit untreu sein wird. Die drei gezeugten Söhne sprechen hierbei Bände und stellten ebenfalls eine Bürde dar.
Der Erste: Jesreel – die Ebene, in welcher Israel eine schwere Niederlage kassieren wird.
Der Zweite: Lo-Ruhama, Bedeutung: Nicht-Erbarmen
Der Dritte: Lo-Ammi, Bedeutung: Nicht mein Volk

Doch was macht Gomer so besonders? Viel wissen wir nicht über sie, außer den Namen ihres Vaters, dass sie hurerisch handelte und drei Söhne gebar.

Gomer ist viel mehr als dies alles! Sie ist das Objekt der Liebe Gottes!
Er erwählte sich ein Volk, welches ihm – wie Gomer selbst – untreu handelt und hurerisch aktiv ist. Im Alten Testament wird Götzendienst und Hurerei sehr häufig synonym verwendet, da beide Begriffe von der höchsten Form der Untreue zeugen.

Die Namen der Kinder Gomers (Niederlage zu Jesreel, Gottes fehlendes Erbarmen und die Verstoßung als Sein Volk) führen plastisch vor Augen, welche Früchte das Brechen des Bundes mit sich bringt.

Doch Gott belässt es nicht dabei! Er jagte Israel hinterher!
Darum: Siehe, ich werde sie locken und sie in die Wüste führen und ihr zu Herzen reden. (Hos 2,16)

Und Gott geht noch weiter! Er ist es, welcher schlussendlich die Liebe seines erwählten Volkes auflodern und bewirken lässt, indem er Erbarmen schenkt und Israel wieder als Volk annehmen wird. Das Ergebnis wird sein: Das erwählte Israel erkennt Gott als den Höchsten an!
Und ich will sie mir säen im Land und will mich über die Lo-Ruhama erbarmen. Und ich will zu Lo-Ammi sagen: Du bist mein Volk! Und er wird sagen: Mein Gott! (Hos 2,25)

Welch ein wunderbares Bild, das durch die Person der Gomer vermittelt wird! Nicht sie ist die Hauptperson im geistlichen Auf-und-Ab des Buches, auch nicht ihre Söhne – es ist Gott allein! Er ist es, der wirksam den Seinigen nachjagt, sie durch Täler der Tiefe gehen lässt, sie züchtigt und wieder zur Buße bringt.

Auch du und ich, die wir durch unser ständiges sündiges Handeln Gott und Seinen Geist betrüben können uns sicher sein: Er, der ein gutes Werk begonnen hat, wird dieses auch in dir und mir zu Ende bringen (gemäß Phil 1,6)