Andachten

Die Geschichte der Liebe (4/6)

Wen liebt Gott eigentlich?

Zunächst können wir ganz schlicht die Tatsache festhalten, dass Gott seinen Sohn liebt. Wir lesen davon, dass Gott Liebe ist. Wenn er Liebe in Person ist, dann ist klar, dass es keine Zeit gab, in welcher Gott nicht geliebt hat. Wir lesen davon, dass Gott beispielsweise zornig ist, aber nicht Zorn. Gott ist nicht seit Ewigkeiten ständig zornig. Als noch keine Menschen und noch nichts Böses existiert hatte, gab es für Gott nichts worauf er zornig sein konnte. Ebenso gab es in dieser Zeit keine Geschöpfe, über die sich Gott erbarmen könnte. Deswegen wird Gott auch nur barmherzig und nicht Barmherzigkeit genannt. Gott kann auch Gott sein, ohne in jedem Moment barmherzig oder Zorn sein zu müssen.

Aber es kann Gott nicht Gott sein, ohne zu jeder Zeit zu lieben, weil er Liebe ist. Und daher ist es so wichtig zu sehen, dass Gott zunächst einmal seinen Sohn liebt. Gott hat seinen Sohn immer schon perfekt geliebt. Deswegen sagt uns die Bibel, dass Gott Liebe ist (1. Joh 4,8.16). Es hat nie einen Augenblick gegeben und wird auch nie einen geben, in dem er nicht Liebe wäre.

Viele denken, wenn sie den Satz „Gott ist Liebe“ hören, sehr schnell, dass sich Gott und seine Liebe um uns und unsere Probleme drehen müssten. Sie wollen seine Liebe daran messen, wie sehr sie diese Liebe verspüren. Aber Gottes Liebe war schon immer vollkommen, lange bevor wir auf die Bühne traten und sich Gottes Liebe je um uns gedreht haben könnte. Die Liebe des Vaters zu dem Sohn und umgekehrt bestand schon immer und besteht darum vor allem anderen.

Gottes Liebe zu uns ist zwar real, jedoch dreht sich die Liebe Gottes primär nicht um uns. Nicht wir sind das Zentrum des Universums, sondern Gott. Wenn Gott uns liebt, dann ist das nur ein Ausfluss dieser höchst grundlegenden Liebe innerhalb der Dreieinigkeit.

Als nächstes können wir sagen, dass Gott die Welt liebt. Dies tut er auf zweierlei Weise: Er liebt erstens seine Schöpfung. Aus Sprüche 8 erfahren wir, dass Gott sich an seiner ganzen Schöpfung erfreut. Gott liebt aber zweitens – und das ist soviel unfassbarer – auch die rebellische Menschheit. Die Menschen hassen zwar Gott und lieben die Sünde, und doch liebt Gott diese gefallene Welt (Joh 3,16). Es gefällt ihm nicht, wenn der Gottlose umkommt (Hes 33,11). Gott lässt es über eine ungerechte Welt regnen und schenkt ihnen Sonnenschein (Mt 5,45).

Und doch hat aber Gott eine besondere Liebe zu seinem eigenen Volk. Ja Gott liebt die ganze Welt, doch die ganze Geschichte seiner Liebe hindurch macht Gott einen Unterschied zwischen den Menschen und erweist seine Liebe dann denen, die er dazu erwählt hat. Wohlgemerkt, die Menschen hassen Gott, sie rebellieren ständig gegen ihn – Gott ist niemandem gegenüber verpflichtet, ihn zu lieben. Und doch tut er es und einige auf ganz besondere Art und Weise.

In 5. Mose 7 lesen wir von dieser ganz besonderen Liebe Gottes zu seinem Volk: „Denn du bist dem HERRN, deinem Gott, ein heiliges [d.h. abgesondertes] Volk. Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt, dass du ihm als Eigentumsvolk gehörst aus allen Völkern, die auf dem Erdboden sind. Nicht weil ihr mehr wäret (…) sondern wegen der Liebe des HERRN zu euch [hat der HERR euch erwählt]…“ (5. Mo 7,6-8).

Warum erwählte Gott Israel? Weil sie besser als alle anderen gewesen wären? Weil sie größer als alle anderen gewesen wären? Weil sie gerechter als alle anderen gewesen wären? Dreimal nein! Gott erwählte sie schlicht deshalb, weil er sie liebte. Und er liebte sie einfach deshalb, weil er es wollte.

O, siehst du die Schönheit hinter dieser Wahrheit, dass Gott Menschen dazu erwählt – wie ein Ehemann seine Ehefrau erwählt – sie zu lieben, ihnen gnädig zu sein und ihr Gott zu sein? Gott liebt Sünder! Wie unfassbar. Er schuldete nicht einem einzigen seine Liebe. Niemand hätte diese je verdient und dennoch liebt Gott einige auf so besondere und wunderbare Art und Weise. Diesem gnädigen und liebenden Gott alle Ehre dafür. Amen.

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