Andachten

Das Vorbild eines gottwohlgefälligen Gebets – Teil 3

„und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns von dem Bösen!“ (Matthäus 6,13)

Nachdem Jesus unsere Aufmerksamkeit mit der Bitte um unser täglich Brot und um Vergebung der Sünde, auf die Gegenwart und unsere Vergangenheit gelenkt hat, richtet er unseren Blick nun auf unsere Zukunft. Nach dem man das erste Mal diesen Vers durchgelesen hat, scheinen diese zwei letzten Bitten, mit denen der Herr Jesus das „Vaterunser“ beendet, doch eher ungewöhnlich. Vielleicht hätten wir eine schöne Schlussformel erwartet oder eine allgemeine Bitte, dass Gott uns und unsere Familien segnen solle. Um ehrlich zu sein kann auch ich mich nicht daran erinnern, wann ich Gott das letzte Mal darum bat, dass er mich nicht in Versuchung führen möge. Doch werden wir hoffentlich erkennen, wie wichtig diese zwei Bitten auch für unser Leben in der Nachfolge Christi sind.

Bevor wir uns jedoch anschauen, was Jesus mit diesen zwei Bitten aussagen will, sollten wir diesen Vers 13 zuerst im Kontext der Bibel betrachten, da man sonst leicht falsche Schlüsse ziehen könnte. Jesus sagt hier nicht, dass Gott es ist, der seine Kinder versucht, damit sie der Versuchung erliegen und sündigen. Das würde ja im direkten Widerspruch zu Jakobus 1,13 stehen, wo uns Jakobus deutlich sagt, dass Gott niemanden zum Bösen versucht und auch selbst nicht vom Bösen versucht werden kann, sondern dass es unsere eigene Begierde ist, die uns lockt und fortzieht. Deshalb wäre es eine Gotteslästerung, wenn wir Gott die Schuld an unserer Sünde geben würden.
Allerdings führt Gott seine Auserwählten in Situationen, in denen er ihren Glauben erprobt. Denn nur auf einem Prüfstein kann unter Druck getestet werden, aus welchem Material das Versuchsobjekt besteht. Ist es also schlecht, wenn Gott auch unseren Glauben prüft? Ich bin überzeugt, dass es für uns gut ist, wenn wir von Gott geprüft werden, da Gott alleine weis, was gut für uns ist. Doch welchen Wunsch drückt diese Bitte dann aus? Sie zeigt ein gesundes Misstrauen gegenüber der eigenen Fähigkeit, Versuchungen zu widerstehen, da man um seine eigenen Schwachheiten Bescheid weis. Des weiteren macht diese Bitte aber auch deutlich, wie sehr wir unsere Abhängigkeit von Gottes Gnade erkannt haben oder wie sehr wir noch auf unsere eigene Kraft vertrauen, wenn es darum geht nicht zu sündigen.

Sowohl die erste, als auch die zweite Bitte heben den Wunsch jedes Christen hervor, der sich darin äußert, nicht mehr zu sündigen, sondern vielmehr Gott mit seinem Leben zu dienen. Rette uns von dem Bösen! ist der Schrei eines Herzens nach Befreiung von und Bewahrung vor Sünde. Deshalb sollen auch wir Gott um Rettung vor dem Bösen, dem Teufel bitten, der alles daran setzt uns zu Fall zu bringen, wie er es auch bei unserem Herrn versucht hat. Doch weil selbst der Teufel ein gefallener Engel und somit ein Geschöpf Gottes ist, dürfen wir voller Zuversicht diese Bitten vor Gott bringen, da wir wissen, dass der Teufel keine Gegenpartei zu Gott darstellt, sondern nach Luther lediglich der Kettenhund Gottes ist.

Gott aber ist treu, der nicht zulassen wird, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen wird, sodass ihr sie ertragen könnt. (1.Kor 10,13)