Andachten

Warum es keine billige Gnade gibt

Die aber dem Christus angehören, haben das Fleisch samt den Leidenschaften und Begierden gekreuzigt. Wenn wir durch den Geist leben, so lasst uns durch den Geist wandeln!
Galater 5,24.25

Es gibt Menschen unter uns Christen, die sich regelrecht vor der Lehre der freien Gnade und dadurch freien Rechtfertigung fürchten. Viele Gründe werden gegen die Betonung der Gnade im Leben eines Gläubigen ins Feld geführt. Mit der Fassade, dass man sich selbst nicht trauen kann, gibt man dem sogar einen frommen Anstrich – Gnade sei zu häufig ein Freifahrtsschein für Sünde.

Diese Argumente sind jedoch völlig haltlos, wenn man untersucht, welche Aussagen die Bibel über freie Gnade und deren Folgen im Leben des Christen macht. Gnade benötigt man nicht einmalig am Tag der Wiedergeburt. Nein, Gnade tut viel mehr, als uns „nur“ zu Gottes Kindern zu machen. Gemäß Titus zwei nimmt uns die Gnade in Zucht, damit wir die alle Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnen.

Unsere heutigen Verse lehren uns ebenfalls etwas über wahre Kinder Gottes. Jedes echte Kind Gottes wurde aus Gnade wiedergeboren und gehört seitdem Christus an. Nun lässt der Text uns nicht die Wahl und sagt „die meisten, die Christus angehören“, oder „die guten Menschen, die Christus angehören“, tun dies oder das. Der Text sagt uns schlicht und einfach, dass jeder, der Christus angehört, das Fleisch samt den Begierden gekreuzigt hat. Grammatikalisch steht die Verbform im Perfekt oder der vollendeten Gegenwartsform. Diese Form verwendet man im Deutschen, um eine abgeschlossene Handlung zu bezeichnen, deren Ergebnis oder Folgen in der Gegenwart aber noch relevant sind.

Genauso verhält es sich im Leben eines echten Gläubigen. Er hat sein Fleisch samt den Leidenschaften und Begierden gekreuzigt (an dem Tag, als er gläubig wurde) und seitdem entschieden, für Christus und entgegen der eigenen Begierden zu leben. Das heißt bei weitem nicht, dass Christen nicht mehr sündigen. Doch es bedeutet, dass jeder echte Christ weiß, dass er durch den Geist Leben hat und darum auch in der Kraft des Heiligen Geistes lebt. Er tötet durch das Leben im Geist täglich mehr seine Begierden und Lüste. Versagt er, geht er zurück zu Christus und empfängt Vergebung und Kraft zum Weitergehen (1. Joh. 1).

Was bedeutet da noch der Begriff „billige Gnade“? Offensichtlich ist dieser Begriff nicht für Leute gedacht, die Christus wirklich angehören, denn diese Leute leben täglich die Kreuzigung ihres Fleisches erneut aus. Vielmehr wurde der Begriff „billige Gnade“ durch Leute geprägt, die Teile der wunderbaren Lehre der freien Gnade aufgeschnappt haben und sie in ihren eigenen Lüsten pervertiert und als Freifahrtschein für die Sünde benutzt haben. Sie sind die Schandflecken unter den Gläubigen, die es sich mit ihnen gutgehen lassen (Jud. 1,12). Ihr Gott ist ihr Bauch und in ihrer Schande ehren sie sich selbst (Phil. 3,19).

Doch all diese Leute sind keine Gläubigen. Ihr Ende ist das Verderben, erklärt der Apostel Paulus (Phil. 3,19). Sollten sich Christen darum die freie Gnade unseres wunderbaren Herrn und Retters Jesus Christus nehmen lassen? Sollten sie darauf verzichten, um nicht bei eigenen Fehltritten mit diesen „Schandflecken“ in einen Topf geworfen zu werden? Keineswegs! Das wäre so, wie wenn ein Mensch nichts mehr essen wollen würde, weil einige seiner Mitmenschen Essen zum Götzen erhoben haben. Schnell würde er kraftlos werden und verkümmern. Die Gnade Jesu ist die einzige treibende und tragende Kraft unseres Christenlebens. Sie ist es, die uns verändert und uns wiedergeboren hat und sie bewahrt uns bis an unser Ende. Sie gibt uns Kraft für den Kampf der Heiligung und lässt uns hinwachsen zu unserem Retter.

Ohne Gnade bist du nichts. Lass dir diese Kraft Gottes in deinem Leben nicht nehmen, auch nicht von Menschen mit vermeintlich frommen Absichten – du würdest schnell verkümmern in deinem Christenleben. Preis sei unserem Gott, für die Gnade, die bis heute in uns wirkt!