Andachten

Das Festmahl der Weisheit

Die Weisheit hat ihr Haus gebaut, hat ihre sieben Säulen ausgehauen; sie hat ihr Schlachtvieh geschlachtet, ihren Wein gemischt, auch ihren Tisch gedeckt; sie hat ihre Mägde ausgesandt, lädt ein auf den Höhen der Stadt: „Wer ist einfältig? Er wende sich hierher!“ Zu den Unverständigen spricht sie: „Kommt, esst von meinem Brot und trinkt von dem Wein, den ich gemischt habe! Lasst ab von der Einfältigkeit und lebt, und beschreitet den Weg des Verstandes!“ (Sprüche 9,1-6)

Das Kapitel 9 fasst die bisherigen dreizehn Lektionen (oder Lehrstunden) der Weisheit zusammen und schmücken sie mit einem Bild: Die Weisheit wird hier wieder personifiziert, diesmal als eine freundliche und wohlhabende der Gastgeberin. Sie lädt in ihr prunkvolles Haus ein („sieben Säulen“), und tischt vorzügliche Waren auf, Schlachtvieh und selbst gemischten Wein, ein echtes 5-Sterne Buffet. Sie lädt zu diesem Bankett ein und zwar alle, die ihre Einfältigkeit erkennen und verstehen, dass es ihnen Not tut, von der Weisheit belehrt zu werden. Eine wichtige Grundvoraussetzung, um Weise zu werden, ist, seine Bedürftigkeit zu erkennen. Ohne Selbsterkenntnis gibt es keine Veränderungen.

Vielleicht gehörst du eher zu den jüngeren Lesern. In der Gesellschaft heutzutage wird die Jugend weitestgehend nicht als unweise dargestellt, sondern als unabhängig und selbstbestimmt. Die Eltern sind in den Hollywood Filmen oft die nervigen Alten, die keine Ahnung haben, wie das Leben eigentlich funktioniert und die Jugendlichen, mit ihrer Intuition und Spontanität, als Helden. Gerade die Jüngeren werden in den Sprüchen vermehrt angesprochen. Der Lehrer redet in seinen dreizehn Lehrstunden zu den (jungen) Schülern. Ein Jugendlicher nach Gottes Willen ist belehrbar, nimmt Rat von Älteren und Erfahreneren an und fragt danach, weil er weiß, dass seine Selbstwahrnehmung getrübt und im jugendlichen Leichtsinn oftmals naiv ist.

Doch auch ältere Menschen können drastisch irren und mit ihrem ganzen Leben und Denken auf dem Holzweg sein. Alt eingesessene Überzeugungen und Traditionen können oft zum Hindernis für wahre Weisheit und Gotteserkenntnis werden. Somit gilt jedem Menschen der Ruf dieser Gastgeberin Weisheit. Lasst uns ihm Folge leisten und bedenken, dass es nicht irgendein langweiliges Zusammenkommen ist, wozu die Weisheit uns ruft, sondern ein wunderschönes und leckeres Festmahl, ein Hochgenuss für die Seele. Den Gott, der die Quelle aller Weisheit ist, ist in seiner Schönheit und Erhabenheit über alles erfüllend. Der höchste Genuss und die höchste Freude kann der Mensch nur in ihm finden. Doch damit er sie finden kann, und damit er Gottes Wesen und seinen Willen erkennen kann, muss er belehrbar sein. Das ist ein Aspekt, den wir nie vergessen sollten.

Die Sprüche (38/100)