Andachten

Das Festmahl der Weisheit

Wer den Spötter zurechtweist, zieht sich Schande zu; und wer den Gottlosen straft, sein Schandfleck ist es. Strafe den Spötter nicht, dass er dich nicht hasse; strafe den Weisen, und er wird dich lieben. Gib dem Weisen, so wird er noch weiser; belehre den Gerechten, so wird er an Kenntnis zunehmen. – Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang; und die Erkenntnis des Heiligen ist Verstand. Denn durch mich werden deine Tage sich mehren, und Lebensjahre werden dir hinzugefügt werden. Wenn du weise bist, so bist du weise für dich; und spottest du, so wirst du allein es tragen. (Sprüche 9,7-12)

Diese Verse schließen sich an die Selbstbeschreibung und Einladung der Weisheit an, die wir uns in der letzten Woche angeschaut haben. Es geht nun wieder um das Thema Belehrbarkeit. Wir finden ihr eine Gegenüberstellung, und zwar nicht von denen, die zum Festmahl der Weisheit geladen sind und denen, die nicht geladen sind, sondern zwischen den Belehrbaren (den Weisen/Gerechten) und den Unbelehrbaren (den Gottlosen/Spötter). Es ist so tragisch, dass sich ein Spötter von dieser großzügigen Einladung der Weisheit nicht beeindrucken lässt und sie ignorant abweist. In seiner Überheblichkeit reagiert er mit Spott und Ablehnung. Jesus mahnt zu einem vorsichtigen Umgang mit Gottes heiliger Wahrheit, indem er sagt: “Gebt nicht das Heilige den Hunden; werft auch nicht eure Perlen vor die Schweine, damit sie diese nicht etwa mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen!” (Mt 7,6). Menschen, die ohne Gott sind, können mit göttlicher Weisheit nichts anfangen – vielleicht machen sie sich ein paar Lebensregeln und ein bisschen christliche Ethik zu eigen, um davon für ihr selbstzentriertes Leben zu profitieren, aber letztlich ist es wie wenn man Perlen vor die Schweine wirft – man zieht sich selber Schande zu. Salomo sagt, es sei besser, den Spötter erst gar nicht zurechtzuweisen. Natürlich sollen wir unsere evangelistischen Bemühung nicht aufgrund unseres subjektiven Empfindens einschränken, aber wir sollen auch nicht erwarten, dass unbelehrbare Gottlose Gefallen an Gottes Wort und seiner Weisheit finden.

Der Weise jedoch ist froh, wenn man ihn zurechtweist, ihn straft, ihm seine Mängel aufzeigt, weil er um seine eigene Begrenztheit weiß. Er wird mit Liebe reagieren, wenn man ihn ermahnt und er wird “an Kenntnis zunehmen”. Der Grund, warum ein Weiser belehrende Worte annimmt, und somit auch die Einladung der personifizierten Weisheit zu ihrem Festmahl, liegt in Vers 10: Es ist die Gottesfurcht. Der Vers zieht sich wie ein Motto durch das Buch der Sprüche. Wer wirklich weise werden will, beginnt damit, dass er Gott fürchtet, die Erkenntnis seines Wesens sucht, seinen Willen verstehen und tun will und seine Freude und Erfüllung nur in ihm findet. Der Gottlose dagegen ist hartherzig und stur, weil er nicht gottesfürchtig ist, weil er Gott ablehnt, ob er nun atheistisch oder agnostisch ist oder ob er einem Götzen folgt.

Die Weisheit gibt jedem von uns, der ihr folgen will, eine wunderbare Zusage: “Denn durch mich werden deine Tage sich mehren, und Lebensjahre werden dir hinzugefügt werden.” In erster Linie hat der Autor zwar eine irdische Situation vor Augen – ein langes, angenehmes, ruhiges und gesegnetes Leben, in vielerlei Hinsicht – allerdings beginnt für uns Christen das wahre “lange Leben” nach unserem jetzigen, vergänglichen Leben (das Alte Testament verwendet oft solche Schattenbilder, um anzudeuten, was die Ewigkeit bei Christus beinhaltet).

Wenn du durch Gottes Gnade Christus angenommen hast, gehörst du in gewissem Sinne bereits zu den Menschen, die der Weisheit gefolgt sind (vgl. 1. Kor 1,30). Ob ein Mensch belehrbar ist oder nicht, ist ja letztendlich nicht sein eigener Verdienst. Darüber hinaus ist es aber auch in unserem Leben als Christen wichtig, eine belehrbare Haltung einzunehmen – unsere Meinung nicht zu wichtig zu nehmen, sondern korrekturfähig und demütig zu bleiben, unsere vermeintlichen Erkenntnisse nicht über die Aussagen der Bibel zu stellen. Eine solche Haltung trägt ebenfalls einen Segen davon, der sich auch in diesem Leben – in unseren Beziehungen, in unseren Gemeinden, usw. – bemerkbar macht.

Die Sprüche (35/100)