Andachten

Randfiguren der Bibel – Uria aus Kirjat-Jearim (13/20)

Damals gab es noch einen Mann, der im Namen des HERRN weissagte, Uria, der Sohn des Schemaja, aus Kirjat-Jearim; und er weissagte gegen diese Stadt und gegen dieses Land, ganz wie es die Worte Jeremias taten. Als aber der König Jojakim und all seine Heerführer und alle Obersten seine Worte hörten, suchte der König ihn zu töten. Und als Uria es hörte, fürchtete er sich und floh, und er kam nach Ägypten. Da sandte der König Jojakim Männer nach Ägypten, Elnatan, den Sohn des Achbor, und einige Männer mit ihm nach Ägypten. Und sie holten Uria aus Ägypten und führten ihn zum König Jojakim. Und er erschlug ihn mit dem Schwert und warf seine Leiche auf die Gräber der Kinder des Volkes. (Jer 26,20-23)

Uria war ein Zeitgenosse des Propheten Jeremia. Er stammte aus Kirjat-Jearim, einer Stadt, die circa 25 Kilometer von Jeremias Heimatort Anatot entfernt lag.
Beide Männer hatten einiges gemeinsam:
– Sie lebten unter demselben König, Jojakim.
– Beide waren Propheten
– Sie hatten die selbe Botschaft gegen Jerusalem und ihre Obersten, die den Weg Gottes verlassen hatten

König Jojakim plante darauf hin, Uria zu töten. Doch dieser floh nach Ägypten, um Unterschlupf zu finden. Traurigerweise wusste er wohl nicht, dass Jojakim gute Beziehungen zu Ägypten pflegte, sodass Uria problemlos mit einer erlesenen Truppe aus dem Exil vor König Jojakim geführt werden konnte.
So kam es schlussendlich auch: Uria kam vor den König, wurde getötet und erhielt ein schändliches Begräbnis!

Ist das nicht ungerecht? Ist das nicht irgendwie verstörend? Uria tat das selbe wie Jeremia – und musste aber einen solch hohen Preis bezahlen! Jeremia hatte einflussreiche Beamte am Königshof (26,24) und kam mit dem Leben davon. Uria jedoch hatte niemanden der für ihn vorsprechen konnte und bezahlte schlussendlich mit dem Leben dafür.

Manche Ausleger erklären die Hinrichtung Urias mit seiner Feigheit und Untreue, weil er nach Ägypten floh. Dies ist jedoch ein äußerst magerer Versuch der Erklärung, denn Jeremia und andere, wie z. B. Elia flohen ebenso und erfuhren stets Gottes Bewahrung. Gott selbst hielt Jeremia einst in Kap. 36,18 im Versteck verborgen!

Die Lösung muss also anderswo liegen!
Wir müssen schlichtweg anerkennen: Gott behandelt nicht jedes seiner Kinder gleich. Zudem gibt Gott auch nicht jedes Mal eine Erklärung dafür, warum er seine Leute verschiedenartig behandelt und ihnen Geschick zuteil werden lässt.
Wir leben nunmal in einer Welt, in der Menschen einander schaden und töten. Manchmal schiebt Gott dem Ganzen einen Riegel vor – aber nicht immer. Eine Gesetzmäßigkeit kann sich hierbei somit nicht ableiten lassen. Teilweise lässt er dem Bösen seinen Lauf, auch wenn es seine Diener das Leben kostet.
Auch im Neuen Testament steht beides dicht beieinander: Der Apostel Petrus wird ins Gefängnis geworfen, aber durch ein Wunder befreit – und kurz vorher wird der Apostel Jakobus enthauptet , ohne Wunder, ohne Rettung, ohne Eingreifen Gottes! (Apg 12,2-11).

Was zeigt uns dies? Es obliegt Gott, wie er mit dem seinigen Eigentum verfährt!
In Matthäus 20,15 stellt Jesus die rhetorische Frage: Ist es mir nicht erlaubt, mit dem Meinen zu tun, was ich will? Oder blickt dein Auge böse, weil ich gütig bin?

Es ist Ihm erlaubt! Gott kann es tun! Gott darf es tun! Gott darf gütig sein wem gegenüber er es auch will!
Auch wenn Menschen einander töten und schaden, so ist es Gott, der über die Dauer eines Lebens entscheidet und die Länge bestimmt. Über alledem liegt es auch an Gott, dass ein Leben erfüllt sein kann, selbst wenn es sehr früh endet und mancherlei Unsäglichkeiten erduldet hat.

Gott behandelt nicht jeden gleich. Auch Uria wurde nicht gleich wie Jeremia behandelt. Gott muss auch nicht alle gleich behandeln.
Eines jedoch dürfen wir getröstet und zuversichtlich festhalten:
Seine Zuwendungen und Zuneigungen sind nicht geringer, auch wenn jemand ein Leben voller Belastungen und Tiefschläge führen muss, das bei selbigem Einsatz nicht so lange dauert wie ein anderes!