Andachten

Schätze dich glücklich: Du bist Erbe! (1/2)

Denn nicht durch das Gesetz erhielt Abraham die Verheißung, dass er Erbe der Welt sein solle, sondern durch die Gerechtigkeit des Glaubens. (Römer 4,13)

Ein Deutsches Sprichwort besagt: „Der Erben Tränen sind ein verdecktes Lachen“. Was damit ausgesagt werden soll ist klar: Auch wenn die Erben um die verstorbenen Personen (meistens die eigenen Eltern) trauern, so denken sie sich doch insgeheim: Endlich bekomme ich dieses Erbe! Klar ist es traurig, wenn die Eltern sterben, doch gewisse Freude über die Erbschaft – vor allem wenn einiges dabei „rausspringt“ – ist doch da.

In der Bibel ist von einem Erbe die Rede, bei dem kein verdecktes Lachen und auch keine Tränen nötig sind. Dieses Lachen bzw. die Freude über das Erbe darf ruhig öffentlich sein – denn es ist großartig! Und Tränen sind gar nicht nötig, denn der, der das Erbe verteilt ist nicht tot!

Aber nochmal von Anfang an. Wir lesen hier in Römer 4,13, dass Gott dem Abraham verheißen hat, dass er Erbe der Welt sein solle. Die ganze Welt als Erbe bekommen – das klingt ganz schön toll! Aber wo genau im Alten Testament wurde dem Abraham solch eine Verheißung gemacht? Es wäre mal eine spannende Aufgabe dieses zu durchforsten und danach zu suchen. Ich kann allerdings vorwegnehmen, dass so eine Suche ergebnislos bleiben wird. Diese Verheißung gibt es nämlich gar nicht (zumindest nicht in den Worten) im Alten Testament.

Was dem Abraham verheißen wurde ist ein Land (1. Mo 17,8), das uns unter dem „Land Kanaan“ bekannt ist. Das ist schon mal ziemlich gewaltig: Gott, der Allmächtige möchte einen Bund mit einem Menschen eingehen – und das ganz freiwillig – und will ihm aus reiner Gnade ein Land schenken. Und nicht nur dem Abraham, sondern auch seinen Nachkommen. Nun ist äußerst spannend, dass Abraham dieses Land nie wirklich geerbt hat. Ja Stephanus erklärt uns, dass Gott dem Abraham kein Erbteil darin gab, nicht mal einen Fußbreit (Apg 7,5). Und doch hatte er ihm und seinen Nachkommen das Land verheißen.

Was ist mit dieser Verheißung? Nun, Paulus erklärt, dass dem Abraham die ganze Welt als Erbe verheißen wurde (Röm 4,13). Wie kommt Paulus darauf? Ich habe hier längstens nicht genügend Raum, um genau auszuführen, wie Paulus wohl darauf gekommen ist, aber die Kurzform lautet: Paulus hat diese (und evtl. andere) Verheißung(en) von Gott an Abraham genommen, sie bis zu den Wurzeln durchdacht, sie mit Jesus Christus, dem Messias, der Erfüllung des AT in Verbindung gebracht und ist zu dem Schluss gekommen, dass die beste Zusammenfassung dieser Verheißungen die ist, dass Abraham einst die ganze Erde erben wird. Ein ganz schön komplizierter Satz, aber ganz kurz gesagt bedeutet er: Paulus liest diese Verheißung im Lichte von Jesus Christus, der diese Verheißung um so ein Vielfaches erweitert.

Hat Gott deswegen seine ursprüngliche Verheißung gebrochen? Auf gar keinen Fall. Das ist wie, wenn ein Vater seinem kleinen Sohn einen Trabant verheißt. Dieses Auto will er ihm geben. Die Zeit vergeht, der Sohn wächst heran, die Familie wird wohlhabender und eines Tages steht plötzlich ein brandneuer Mercedes vor der Tür. Hat der Vater sein Versprechen gebrochen? Mit Sicherheit nicht. Er hat es „lediglich“ auf eine so viel größere Weise erfüllt. Und so wird auch Gott seine Verheißung an Abraham einst erfüllen, wenn dieser die Neue Erde in Besitz nehmen wird. Wie großartig diese Erde sein wird, kann man in 2.Petr 3,13 oder Offenbarung 21,1-5 nachlesen.

Das Grandiose an der ganzen Sache ist, dass Gott nicht nur Abraham diese Verheißung gegeben hat, sondern auch seinen „Nachkommen“. Wer sind diese? Paulus erklärt an mehreren Stellen, dass das die Gläubigen sind: „damit er ein Vater aller unbeschnittenen Gläubigen sei“ (Röm 4,11); „So erkennt auch: Die aus Glauben sind, diese sind Abrahams Kinder (…) So werden nun die, welche aus Glauben sind, gesegnet mit dem gläubigen Abraham.“ (Gal 3,7.9); „Wenn ihr aber Christus angehört, so seid ihr Abrahams Same und nach der Verheißung Erben.“ (Gal 3,29)

Gott erklärt uns zu Erben mit dem gläubigen Abraham! Das ist wirklich großartig. Was genau das für Auswirkungen hat, darüber wollen wir uns nächste Woche Gedanken machen.