Andachten

Dürfen Christen andere richten? – Teil 1

„Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! Denn mit welchem Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden, und mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen werden. Was aber siehst du den Splitter, der in deines Bruders Auge ist, den Balken aber in deinem Auge nimmst du nicht war? Oder wie wirst du zu deinem Bruder sagen: Erlaube, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen; und siehe, der Balken ist in deinem Auge? Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge! Und dann wirst du klar sehen, um den Splitter aus deines Bruders Auge zu ziehen.“ (Matthäus 7,1-5)

Das dritte und letzte Kapitel der Bergpredigt beginnt Jesus, indem er einfach das Statement in den Raum stellt: Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!
Doch was will uns Jesus hier sagen? Kann es sein, dass wir, obwohl wir Gottes Kinder sind, im Himmel einmal von Gott gerichtet werden und unser Heil verlieren können, weil wir andere Menschen gerichtet haben? Sollten wir dann lieber überhaupt nicht richten und über jede Sünde hinwegsehen, um ja keine Kritik am andern zu üben? Gibt es ein richtiges und ein falsches Richten? Die folgenden Verse werden uns dabei helfen diese Fragen zu beantworten.

Zu Beginn müssen wir festhalten, dass Jesus uns hier nicht davor warnen will, andere Menschen zu richten, weil wir sonst von ihnen im gleichen Maße beurteilt werden, sondern aus dem Grund, weil es Gott ist, der uns richten wird. Der Kontext der bisher gehaltenen Bergpredigt, ja der Kontext der ganzen Bibel zeigen deutlich, dass Gott allein Richter ist (Jak 5,9). Doch redet hier Jesus vom Gericht am Ende der Zeit, bei dem die gerechtfertigten Kinder Gottes in Gottes Herrlichkeit eintreten werden und diejenigen, die an ihren Sünden unbußfertig festgehalten haben, von Gott verdammt werden?
Ich denke nicht, dass Jesus hier von diesem Gericht spricht, da ein wiedergeborenes Kind Gottes durch das Blut Jesu von allen Sünden reingewaschen ist und somit nicht mehr in diese Gericht Gottes kommen wird. Jesus möchte uns vielmehr aufzeigen, dass Gott uns strafen und richten wird, wenn wir andere in der falschen Art und Weise richten werden. Obwohl Gott seine Kinder nie verstoßen wird, wird er sie doch sehr wohl züchtigen, wie Eltern es bei ihren kleinen Kinder tun, damit sie bestimmte Dinge lernen. Natürlich bedeutet das nicht automatisch, dass jede Schwierigkeit im Leben eines Christen eine Zuchtmaßnahme Gottes ist. Es kann sehr wohl sein, dass Gott unseren Glauben durch Schwierigkeiten prüft, damit wir wachsen und ihm immer mehr vertrauen. Unsere Aufgabe ist es auch nicht darüber zu spekulieren, welcher Fall bei einer bestimmten Person zutrifft, sondern wir sollen Gott um Bewahrung bitten, wenn wir selber in so einer Situation sind, dass er unseren Glauben stärken und uns helfen möge, ihm gehorsam zu sein.

Ich glaube, dass Jesus genau das im zweiten Vers anspricht. Wenn wir barmherzig, liebevoll und nachsichtig mit unsern Geschwistern umgehen werden, ohne dabei die begangene Sünde zu verheimlichen oder herunterzuspielen, dann wird Gott auch im Umgang mit uns entsprechend verfahren. Jesus will, dass wir uns bewusst sind, dass es Gott nicht egal ist, wenn wir uns als Richter über andere erheben und erbarmungslos und hartherzig auf sie „einschlagen“, da Gott dann daran arbeiten wird, diese Dinge in unserem Leben zu verändern. Doch wenn Gott uns züchtigen wird, so dürfen wir trotzdem davon überzeugt sein, dass seine Liebe und Barmherzigkeit für uns nicht aufhören werden. Gott geht es bei diesen Erziehungsmaßnahmen nicht um Vergeltung, sondern um den Prozess der Veränderung, der hier auf der Erde vollzogen wird.

Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er schlägt aber jeden Sohn, den er aufnimmt. Hebräer 12,6