Andachten

Das Festmahl der Torheit

Frau Torheit ist leidenschaftlich; sie ist lauter Einfältigkeit und weiß gar nichts. Und sie sitzt am Eingang ihres Hauses, auf einem Sitz an hochgelegenen Stellen der Stadt, um einzuladen, die auf dem Weg vorübergehen, die ihre Pfade gerade halten: „Wer ist einfältig? Er wende sich hierher!“ Und zum Unverständigen spricht sie: „Gestohlene Wasser sind süß, und heimliches Brot ist lieblich.“ Und er weiß nicht, dass dort die Schatten sind, in den Tiefen des Scheols ihre Geladenen. (Sprüche 9,13-18)

Es ist von größter Wichtigkeit, sich darüber im Klaren zu sein, an welchem dieser beiden in Kapitel 9 genannten Tische man isst – an dem der Weisheit und dem der Torheit. An dem einen Tisch findet man Erfüllung, tiefe Freude, Lebenssinn, Sättigung und wahres Leben. Der andere Tisch lässt einen hungrig und leer, immer auf der hastigen Suche nach etwas Neuem, das den Durst der Seele stillen kann. An letzterem sitzen die meisten Menschen. Frau Torheit ist auch eifrig dabei, einzuladen und sitzt dabei “an den hochgelegenen Stellen der Stadt”. Sie wirbt leidenschaftlich für ihren “Tisch”, sprich ihren Lifestyle, ihre Lebensausrichtung, ihre Weltanschauung, evtl. ihr selbst gemachtes Gottesbild – doch allesamt sind falsch und führen in die Irre. Kein Mensch wird bei ihr wirklich gesättigt. Sie wird zurecht als Hure personifiziert, und zu ihrem Fest kommen nur die Unverständigen. Das Festmahl, das sie bieten kann, ist darum einfach nur erbärmlich; es ist gestohlen, unzulässig und heimlich.

Wir sehen in den vorangehenden Versen bereits, dass der Grund, warum ein Weiser belehrende Worte annimmt, und somit auch die Einladung der personifizierten Weisheit zu ihrem Festmahl, in Vers 10 liegt: Es ist die Gottesfurcht. Der Grund, warum ein Unverständiger der Einladung der Torheit folgt ist ebenso einfach: Er hat keine Gottesfurcht. Er begnügt sich mit gestohlenem Brot, das auf Dauer nicht sättigt. “Das Brot der Falschheit ist einem Mann süß, aber danach wird sein Mund voll Kies.” (Spr 20,17) Viele der Dinge, wonach Menschen, die Gott nicht kennen, streben, erscheinen auf den ersten Blick glänzend, erstrebenswert und erfüllend. Doch erst wenn man sie konsumiert oder erwirbt, stellt man fest, dass sie wie Kies im Mund sind und einem nicht das geben, was man sich erhofft. Das kann Erfolg im Beruf, Beziehungen, Genuss, Reisen, Besitz, Wohlstand, die Rente uvm. sein. Jeder Mensch sollte sich fragen, wofür er lebt. Wofür stehe ich morgens auf, was ist das ultimative Ziel in meinem Leben?

C. S. Lewis schreibt: “Wenn wir uns […] ansehen, wie unverschämt viel Belohnung uns versprochen wird und wie atemberaubend der in den Evangelien verheißene Lohn ausfällt, sieht es doch ganz so aus, dass unser Herr unsere Sehnsüchte nicht als zu stark, sondern als zu schwach empfindet. Wir halbherzigen Geschöpfe spielen mit Alkohol und Sex und Ehrgeiz herum, wo uns doch unendliche Freude angeboten wird. Dabei verhalten wir uns wie ein unwissendes Kind in einem Slum, das Matschkuchen backt, weil es sich nicht vorstellen kann, was es bedeutet, Ferien am Meer angeboten zu bekommen. Wir sind viel zu leicht zufriedenzustellen.”

Man kann also sagen, dass das Problem der Menschen nicht darin liegt, dass wir zu sehr nach eigenem Glück und nach Freude streben, sondern dass wir zu wenig danach streben. Die Torheit schafft es, uns davon zu überzeugen, an ihrem Tisch Platz zu nehmen, während wir an einem viel herrlicheren Festmahl, das uns wirklich Freude bereitet und satt macht, teilnehmen können. Überlegen wir uns genau, an welchen Tisch wir uns setzen wollen. Auch wenn wir wiedergeboren sind, können wir immer noch auf die Lügen der Torheit reinfallen und uns weg von dem Weg der Weisheit bewegen – und damit weg von wahrer, höchster Freude, wie wir sie in der Gemeinschaft mit Gott finden können – hin zu inhaltslosen Aktivitäten, die uns zunächst versprechen, uns etwas Freude zu geben, bei denen wir aber hinterher genauso leer sind wie vorher.

Die Sprüche (36/100)