Andachten

Randfiguren der Bibel – Hiël (15/20)

In seinen Tagen baute Hiël, der Betheliter, die Stadt Jericho wieder auf. Um den Preis von seinem Erstgeborenen, Abiram, legte er ihren Grund, und um den Preis von Segub, seinem Jüngsten, setzte er ihre Tore ein nach dem Wort des HERRN, das er durch Josua, den Sohn des Nun, geredet hatte. (1. Könige 16,34)

8 km östlich des Jordans und 12 km nördlich des Toten Meeres befindet sich die Stadt Jericho im sogenannten Ostjordanland. Sie war die erste Stadt, welche durch Josua bei der Landeinnahme Kanaans erobert und völlig zerstört wurde. Heute, wieder erbaut, gilt sie als älteste bewohnte Stadt der Welt und stellt dadurch ein Highlight zahlreicher Nahostreisen dar.
Eine Sache tritt bei der Betrachtung Jerichos aber gar nicht so in den Vordergrund: Es ist die Tatsache, dass die Stadt entgegen eines Fluches Josuas wieder auferbaut wurde!

So ließ Josua damals schwören: Verflucht vor dem HERRN sei der Mann, der sich aufmachen und diese Stadt Jericho wieder aufbauen4 wird! Mit seinem Erstgeborenen wird er ihren Grund legen, und mit seinem Jüngsten ihre Tore einsetzen. (Jos 6,26)

Ein halbes Jahrtausend (!) wagte niemand einen Stein auf dem Areal Jerichos baumaßlich zu bewegen, bis schließlich Hiël, ein Mann auch Bethel, das Projekt des Wiederaufbaus zur Zeit des Königs Ahabs startete und den Bau mit dem Leben seiner beiden Söhne bezahlte.

Außerhalb dieses Verses finden wir nichts Weiteres über Hiël, dessen Name soviel wie „Bruder Gottes“ bedeutet.
Und dennoch fragen wir uns: Warum baute er die Stadt auf? Was bewegte ihn hierzu? Wir wissen es nicht. War es womöglich Unkenntnis über etwaige Konsequenzen? Wohl kaum, denn niemand anderes wagte den Wiederaufbau der Stadt! Warum tat er dies dann? Schaut man sich einen Vers davor an, so erkennt man den grundsätzlichen Zustand in Israel:
Auch machte Ahab die Aschera. Und Ahab fuhr fort, den HERRN, den Gott Israels, zum Zorn zu reizen, mehr als alle Könige von Israel, die vor ihm gewesen waren. (1. Könige 16,33)

Das Land war gekennzeichnet von Gottlosigkeit und geprägt von einem König, der im Übeltun allen anderen Königen überlegen war!

Doch eine Sache blieb trotz der Umstände des niedergehenden Nordreiches bestehen: Der Fluch über den Erbauer der Stadt Jerichos!
Ein bekanntes Zitat lautet: „Zeit vergisst nicht“. Jedoch hat hierbei nicht die Zeit ihre Pflicht getan – sondern Gott hat sich an sein Wort gehalten, denn Gott war mit Josua, wie es unmittelbar nach dem Ausspruch des Fluches steht. (Jos 6,27)

Wir erkennen am konsequenten Handeln Gottes, dass Sein Wort Bestand hat! Sowohl das ausgesprochene Wort, als auch das geschriebene Wort Gottes ist ewig gültig und hat uneingeschränkte Autorität, die unabhängig von zeitlichen Epochen ist und keinem kulturellen oder soziologischen Wandel unterliegliegt! (Gemäß 1. Pet 1,25a)

Zugleich gilt aber auch: Was der Mensch sät, wird er auch ernten! (Gal 6,7)
Hiël hat für seine bewusste Fehlsaat die angekündigten Früchte geerntet.

Mögen diese Worte gleichzeitig Trost und Ermutigung für uns sein – denn Gott ist Seinem Wort ewiglich treu, aber auch gleichzeitig eine Warnung sein – denn wir ernten eigenverantwortlich die Konsequenzen unseres Tuns.