Andachten

Wenn Irrtum zur Tugend wird

Er aber sprach zu ihnen: Treffend hat Jesaja über euch Heuchler geweissagt, wie geschrieben steht: „Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit entfernt von mir. Vergeblich aber verehren sie mich, indem sie als Lehren Menschengebote lehren.“ Ihr gebt das Gebot Gottes preis und haltet die Überlieferung der Menschen fest.
Markus 7,6.7

Es gibt ein Phänomen, dem die religiösen Menschen aller Zeiten immer und immer wieder verfallen. Auch in unseren Gemeinden ist es allgegenwärtig. Dies war schon zu  Jesu Zeiten der Fall. Was ich meine ist folgendes: über alle Zeiten hinweg gab es Menschen, die in ihren Augen und den Augen ihrer Mitmenschen wirklich fromm und religiös waren.  Nun gibt es aber dummerweise kein Religiösometer, mit dem man messen könnte, wer der Größte und Frommste unter uns ist.

Erfinderisch wie der Mensch nun mal ist, kam er auf eine „glorreiche“ Idee. Da er feststellt, dass er Gottes Gebote von sich aus nicht halten kann, aber dennoch nicht schlecht vor anderen dastehen möchte, definiert er die Regeln der Gottesfurcht und Frömmigkeit einfach neu. Es zählt nicht mehr, was Gott befohlen hat. Es zählt nicht, was die Heiligen der Schrift taten und von Gott das Zeugnis des Glaubens ausgestellt bekamen (vgl. Hebräer 11). Alles was zählt ist, dass die Menschen um uns herum glauben, wir seinen in dem erlauchten Kreis der „Frommsten“.

Um die Rangfolge innerhalb dieses Kreises festzulegen gelten ganz besondere Regeln. Diese Regeln sind von allen zu befolgen. Da geht es um lange Gebete, öffentliche Spenden, öffentlichen Verzicht, frommes und trauriges Dreinschauen. Da geht es darum, ein „guter Evangelist“ zu sein, der einen Teil der Wahrheit verschweigt, um bei den Menschen „besser anzukommen“. Es geht darum, möglichst viele „Ansehenspunkte“ vor den Menschen zu sammeln – den Menschen darüber aufzuklären, dass er tot ist in seiner Rebellion gegen Gott, ist hier nicht besonders dienlich. Selbstverständlich kann man über solch unangenehme Themen schweigen oder diese sogar ganz verneinen. Bei all dem findet man sogar geistliche Begründungen für die Fehlausrichtung wie „Liebe“, „Barmherzigkeit“ und „Geduld“. All dies sind nur Versuche, den Selbstbetrug zu kaschieren.

Dass dies nichts mit wahrer Frömmigkeit zu tun hat, sollte jedem einleuchten. All das tadelte unser Herr Jesus bereits zu seiner Zeit. Menschen bauen sich eigene Systeme um ihrer Selbstgerechtigkeit zu frönen und Ehre voneinander zu erhalten, was jedoch verhindert, dass sie an Christus glauben können (Joh. 5,44). Das tragische daran ist, dass der Herr selbst bestätigt, dass alles umsonst ist. Umsonst führen wir geistliche Begründungen für unsere Selbstgerechtigkeit an, umsonst ehren wir Gott mit unseren Lippen, während unsere Herzen doch nur uns selbst vergöttern. Solche Menschen ehren ihre eigenen Gebote mehr als Gott und sein Wort.

Zudem halten sie an diesen menschlichen Dingen fest und lassen dafür bereitwillig Gottes Gebote und Worte fallen. Dies muss nicht einmal bewusst geschehen, sondern ist die logische Folge der Ehrsucht und Selbstgerechtigkeit des Menschen. Nur durch ständige Buße und durch Gottes Gnade können wir der Falle des religiösen Selbstbetrugs entgehen. Es geht nicht darum, was andere Menschen von uns denken. Was Gott von uns denkt ist alles, was wirklich zählt, heute und in Ewigkeit.

Möge Gott Gnade schenken, dass wir beginnen, die Strukturen der Selbstgerechtigkeit in unseren Gemeinden und Familien aufzubrechen und wieder neu damit beginnen, Gottes Wort und seinen Willen für unser Leben zu suchen und zu erkennen. Alles andere ist vergeblich  und reine Zeitverschwendung , wie fromm es auch aussehen mag.