Andachten

Was sagen die Sprüche über den Gerechten? (1/4)

Wir haben uns bisher nun die Kapitel 1-9 der Sprüche in fortlaufender Weise angeschaut und viele Lektionen über die Weisheit bekommen. Nun wenden wir uns dem zweiten großen Teil dieser Andachtsreihe zu, in dem wir uns fragen, was die Sprüchen zu bestimmten Themen sagen, wie z.B. ein gerechtes Leben, Geld, Kindererziehung oder Treue. Das Material dazu bieten die restlichen Kapitel der Sprüche (10-31). Das erste Thema ist “der Gerechte und der Ungerechte”. Es ist das erste Thema, weil es mit Abstand am meisten Verse gibt, die dazu gehören – in meiner persönlichen Bibellese bin ich auf 132 gekommen.* Natürlich schauen wir uns nicht bei jedem Thema alle Verse davon im Detail an. Ich versuche deswegen jeweils eine Auswahl zu treffen um ein möglichst aufschlussreiches Bild zu dem jeweiligen Thema zu erhalten.

Wenn das AT von Gerechtigkeit und Gerechten spricht, ist damit “richtiges” Leben gemeint – ein Leben im Sinne von Gottes offenbartem Willen. Es stützt sich auf die Grundlage der Torah, des Gesetzes, das Gott Mose am Berg Sinai gab. Die Propheten sprechen oft von den Missständen unter dem Volk (z.B Unterdrückung von Armen und Schwachen, Götzendienst, Raub, Lügenreden, …) als eine Missachtung der Gerechtigkeit, die Gott von seinem Volk erwartet. Im Folgenden liste ich einige Verse auf, zu denen ich dann noch einen zusammenfassenden Kommentar schreibe:

Dem Haupt des Gerechten werden Segnungen zuteil, aber der Mund der Gottlosen birgt Gewalttat. Das Andenken an den Gerechten ist zum Segen, aber der Name der Gottlosen verwest. (Sprüche 10,6.7).

Eine Quelle des Lebens ist der Mund des Gerechten, aber der Mund der Gottlosen birgt Gewalttat. (Sprüche 10,11)

Das Harren der Gerechten wird Freude, aber die Hoffnung der Gottlosen wird zunichte. (Sprüche 10,28)

Mit dem Mund verdirbt der Ruchlose seinen Nächsten, aber durch Erkenntnis werden die Gerechten befreit. (Sprüche 11,9)

Die verkehrten Herzens sind, sind dem Herrn ein Gräuel; aber sein Wohlgefallen sind diejenigen, die in Lauterkeit wandeln. Die Hand darauf: Der Böse wird nicht für schuldlos gehalten werden; aber die Nachkommenschaft der Gerechten wird entkommen. (Sprüche 11,20.21)

Trug ist im Herzen derer, die Böses schmieden; bei denen aber, die Frieden planen, ist Freude. (Sprüche 12,20)

Das Licht der Gerechten brennt fröhlich, aber die Leuchte der Gottlosen erlischt. (Sprüche 13,9)

Der zuerst genannte Vers gibt das wieder, was in den restlichen Sprüchen noch häufig erwähnt wird. Dem Gerechten gilt irdischer Segen, Sättigung, Wohlstand, Freude, Erfolg, Land und Frieden. Diese Verheißung auf den Verheißungen des Segens, die Gott dem Volk Israel direkt gegeben hatte, als er mit Mose und dem ganzen Volk einen Bund schloss. Die Verheißung für Fluch und Segen finden sich in 5. Mose 28-30. Wir müssen immer im Hinterkopf behalten, dass diese irdichen Segnungen Teil des zeitlich begrenzten Bundes mit Mose waren und deswegen nicht eins zu eins auf neutestamentliche Gläubige, die unter dem Neuen Bund stehen, übertragen werden können. Dennoch gilt auch heute: der Gerechte wird unermesslich großen Segen ernten, ein Erbe und ein Land, das wir als Gläubige im Himmel in Besitz nehmen werden, von denen die alttestamentlichen Segnungen für das Volk Israel nur ein Schatten waren. Selbst von Abraham, dem Stammvater Israels wird gesagt, dass er von dem ihm verheißenen Land nicht einen Fußbreit bekam (Apg 7,5), dass er aber Erbe der Welt sein wird (Röm 4,13). Ähnlich wie das Land, das Israel bewohnt(e), das nur ein Schatten war auf das Land, das das wahre Volk Gottes einmal bewohnen wird – die neue Erde –, so sind auch die irdischen, materiellen Segnungen des AT ein schwaches Abbild von den geistlichen Segnungen in den himmlischen Örtern in Christus (Eph 1,3), die wir als Gläubige unser Eigen nennen dürfen.

Darüber hinaus hinterlassen Gerechte auch ein schönes Andenken. Man erinnert sich nach ihrem Tod gerne an sie zurück, weil ihr Leben vor Gott und den Menschen wohlgefällig war, wie es bei Jesus – dem wahren Gerechten – auch der Fall war (Lk 2,52).

Die Worte eines Gerechten sind eines Quelle des Lebens. Menschen sprechen gerne mit ihm, weil er fähig ist, liebevolle, lebensspendende Worte an sie zu richten – Worte, die helfen, und nicht kaputt machen, Worte, die erbauen, und nicht verletzen, Worte, die ermutigen, und nicht mutlos machen. Ein Gerechter achtet genau auf seine Worte und hat zum Ziel, seinen Mitmenschen damit zu helfen. Seine Worte kommen aus einer tiefgehenden Erkenntnis – es sind keine dummen Worte, denen jede Grundlage fehlt. Er schreit nicht seine Torheit heraus, sondern gibt weisen Rat.

Ein Gerechter harrt – wie ein Wächter auf den Morgen. Ein Gerechter weiß, dass dieses Leben nicht alles ist – er streckt sich aus nach dem, was droben ist und harrt darauf. Genauso harrt er aber auch auf den Herrn in seinen jetzigen Lebenslagen. In allen widrigen Umständen, in allen Situationen, in denen man sich fragt, “warum?”, vertraut er auf seinen Gott, von dem er weiß, dass er ihn führt und alles unter Kontrolle hat. Deswegen wird sein Harren auch Freude – er weiß, dass sein Gott ein liebender Vater ist, der ihm nur das Beste will – was oft durch Schwierigkeiten realisiert wird. Ein Wesenzug des Gerechten ist deshalb die Freude, sein “Licht brennt fröhlich”.

Doch das wichtigste Kennzeichen des Gerechten ist wohl dieses: Der Herr hat Wohlgefallen an ihm. Er ist kein Gräuel in Gottes Augen wie der Gottlose. Gott rechnet dem Gerechten auch keine Schuld an. Durch das Neue Testament wissen wir, dass dies auf der Grundlage von Christi stellvertretendem Sühnetod geschieht. Der Gerechte ist gerecht bzw. befähigt zu einem gerechten Leben, weil ihm Christi Gerechtigkeit zugerechnet wird (vgl. Röm 3,21-26).

Coram Deo

  • Staune in Dankbarkeit über die Segnungen, mit denen Gott dich beschenkt hat, wenn du sein Kind bist.
  • Überlege dir, wie dein Umgang mit anderen ist, welche Worte, du ihnen sagst. Werden deine Worte und dein Verhalten ein schönes Andenken an dich hinterlassen?
  • Harrst und vertraust du in allen Lebenslagen auf Gott? Zeigt sich das an deiner Freude?

* = Die einzelnen Verse, die mit dem Thema zusammenhängen sind folgende: 10,6.7.11.16.20.21.24.25.27-32; 11,5.8-11.18-21.30.31; 12,5.7.10.12.20.21.28; 13,5.6.9.21.22.25; 14,2.14.19.22.27.32; 15,3.6.8.9.16.29; 16,6.8.12.17.27-31; 17,13.20.23.26; 18,3.5; 19,1.16.23.28; 20,7.11; 21,4.7.8.10.12.15.18.21.26.29; 22,5.8.11; 23,17.18.24; 24,1-2.8-9.15-16.19-20.21-22; 25,26; 26,27; 27,19; 28,1-10.12-14.17.18.28; 29,2.6.7.10.24.27

Die Sprüche (37/100)