Andachten

Wie gehen wir mit dem Evangelium um?

„Gebt nicht das Heilige den Hunden; werft auch nicht eure Perlen vor die Schweine, damit sie diese nicht etwa mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen!“ (Matthäus 7,6)

Dieser Vers scheint irgendwie nicht in dieses Kapitel hineinzupassen. Man würde vielleicht erwarten, dass Jesus im Zusammenhang mit den Pharisäern, solche Worte wie Schwein oder Hund verwenden würde, so wie er es beispielsweise in Matthäus 12,34 tat und einige von ihnen als Otternbrut bezeichnete. Aber was will Jesus seinen Jüngern durch diesen Vers in der Bergpredigt klarmachen?

Ich denke, dass es sehr hilfreich ist, wenn wir uns als erstes überlegen, wer hier von Jesus als Schweine und Hunde betitelt wird, für was das Heilige bzw. die Perlen stehen und wem diese Aufforderung gilt, die unser Herr hier ausspricht.
Was hat ein Jünger Jesu, das als Heilig bezeichnet oder als Perlen beschrieben werden könnte? Das Einzige, was wir empfangen haben und anderen weitergeben können, das auf diese Beschreibung zutrifft, ist das Wort Gottes. Die Adressaten dieses Befehls sind die Knechte Jesu, die er sich durch sein Blut erkauft hat. Und wer sind nun die Schweine und Straßenköter, denen man das Evangelium nicht vor die Füße werfen soll? Mit Sicherheit kann hier Jesus nicht alle Ungläubigen gemeint haben, weil er sich sonst selbst widersprechen würde, da er seinen Jüngern doch den Auftrag erteilte Menschen zu Jünger zu machen und sie alles zu lehren, was er ihnen geboten hatte (vgl. Mt 28,19.20). Vielmehr handelt es sich bei diesen Menschen um solche, die schon mit dem Evangelium konfrontiert wurden und wiederholt mit Abneigung, Spott und Hohn darauf reagierten. Jesus will, dass wir verstehen, wie wertvoll das Evangelium ist. Es handelt sich dabei nicht um billige Schleuderware, die man einfach so in den Dreck werfen soll. Und gleichzeitig ist diese Aufforderung auch ein Schutz für die Ungläubigen, die mit jeder Ablehnung mehr und mehr in ihrer Abneigung verharren. Vielleicht bekommen wir ein besseres Bild von dem, was Jesus hier meint, wenn wir uns zwei Beispiele anschauen, die genau das verdeutlichen.

Wir alle kennen die Begebenheit aus Matthäus 19, 16ff., bei der ein reicher Mann zu Jesus kommt und ihn fragt, was er tun muss, um das ewige Leben zu bekommen. In dem Gespräch zeigt Jesus diesem Mann auf, dass man ewiges Leben nur dann erhält, wenn man sich vor dem Gott der Bibel demütigt und ihm die uneingeschränkte Macht über das eigene Leben zuschreibt. Dieser Preis war dem Mann anscheinend zu hoch, da er traurig von Jesus fortging. Nun ist die Reaktion von Jesus interessant. Jesus rennt diesem Mann nicht hinterher, um ihm gut zuzureden. Jesus weicht auch seine Anforderungen nicht auf, sondern er lässt ihn gehen. Vielleicht sind wir von dieser Reaktion enttäuscht, war der Mann doch auf der Suche nach dem ewigen Leben und eigentlich ein guter Kandidat, um gerettet zu werden.
Das zweite Beispiel ist der Predigtdienst des Apostel Paulus. Wie oft lesen wir in der Apostelgeschichte davon, dass er in die Synagogen der Juden ging, dort das Wort verkündigte und von den meisten seiner Zuhörern abgelehnt wurde. Wie reagierte Paulus auf diese Ablehnung? Versuchte er es krampfhaft am nächsten Sabbat wieder? Passte er seine Botschaft an, um den Menschen kein Anstoß mehr zu sein? Nein, sondern er wandte sich einfach von ihnen ab und ging zu den Heiden.

Will Jesus von uns also, dass wir z.B. bei unseren Kindern oder anderen Familienangehörigen, die dem Evangelium ablehnend gegenüberstehen, aufgeben und sie einfach ihrem Schicksal überlassen sollen? Das sei ferne! Vielmehr sollten wir zu der mächtigsten Waffe überhaupt greifen, die einem Christen zur Verfügung steht: dem Gebet. Du bist sowieso nicht in der Lage mit deiner Überredungskunst das Herz des Ungläubigen zu verändern, dass ist allein Gottes Werk. Ich bin überzeugt, dass wir viel mehr durch unsere Gebete verändern können, als wir mit unseren ständigen „Bekehrungsversuchen“ jemals ausrichten könnten. Deshalb lasst uns beten!